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Analyse: Erst getrennt, dann gemeinsam

Am Stand des Deutschen Bibelmuseums wird die Geschichte der Bibel erklärt.Großansicht
München (dpa) - Erst feierten sie getrennt voneinander in ihren Kirchen. Die Katholiken im Liebfrauendom, die Protestanten in St. Markus, die Orthodoxen in der Salvatorkirche. Dann zogen sie zum Odeonsplatz, um an Christi Himmelfahrt zusammen zu beten und zu singen.

Die gemeinsame Feier am zweiten Tag des Ökumenischen Kirchentages sollte Symbolkraft haben, doch unmissverständlich wurde am Donnerstag auch die Trennung der Konfessionen deutlich: offizielle ökumenische Feier ab 11.00 Uhr, zuvor jeder in seiner Kirche, bei seiner Liturgie.

Kirchentagsbesucherin Susanne Rott aus Hamburg erkennt aber trotzdem «ein schönes Zeichen» darin, dass der biblisch überlieferten Himmelfahrt Christi am Kirchentag eine gemeinsame Feier gewidmet wird: «Das hat mir sehr gut gefallen, dass sich alle hier treffen.»

Die Zeremonie steht im Zeichen der Schöpfung. Die christlichen Kirchen in Deutschland wollen künftig im September alljährlich einen Schöpfungstag feiern, für die Bewahrung der Umwelt beten und auf Missstände im Umgang mit der Natur hinweisen. «Es ist ein Zeichen dafür, dass sich in der Ökumene die Uhr nicht zurückdrehen lässt», sagt der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). «Das ist schon eine gute Sache», urteilt Frank Klaus, der aus Berlin zum Kirchentag angereist ist und zu den nach Veranstalterangaben 10 000 Teilnehmern der Feier zählt. Dennoch ist er skeptisch: «Gibt es denn nicht noch mehr Gemeinsamkeiten?»

Klaus vermisst das Feuer und die Begeisterung. «Das war schon alles korrekt so, mehr aber auch irgendwie nicht», schildert er seine Eindrücke von der Feier. Vielleicht ist es aber auch das kühle Wetter und der leichte Nieselregen, die eine bessere Stimmung verhindern. Nur ein paar Unverdrossene bewegen sich im Takt, wenn moderne Kirchenlieder gesungen werden.

Vorne, wo ein großes mittelalterliches Kreuz auf einer Leinwand abgebildet ist, stehen Johannes Friedrich, der evangelische Landesbischof Bayerns, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx und Bischof Vasilios von der griechisch-orthodoxen Metropolie in Deutschland. Sie haben sich zu Beginn des Gottesdienstes umarmt, dann legen sie ein Bekenntnis zum dreieinen Gott ab. Es ist der gemeinsame Nenner der Konfessionen.

Nach dem Segen ziehen die meisten Menschen schnell weiter. Das Programm des Kirchentages ist üppig, viele frieren aber auch angesichts der herbstlichen Witterungsverhältnisse und suchen einen Platz zum Mittagessen. Unverdrossen aber haben sich einige junge Dominikanermönche unter die Gäste gemischt, sie fallen auf in ihren weißen Habits, weil die meisten Kirchentagsbesucher Jeans, praktische Regenjacken und die obligatorischen orangen Schals tragen. «Wir laden die Menschen ein zu unseren Gebetszeiten, aber auch einfach nur zum Gespräch. Wir wollen auf die Leute zugehen», erzählt Frater Daniel. «Und wenn das gelingt, hat sich für uns der Kirchentag schon gelohnt.»

Kirchen / Kirchentag
13.05.2010 · 21:46 Uhr
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