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Analyse: Erinnerung statt Eurokrise

Paris (dpa) - Konfliktreich, spannungsgeladen und schwierig - wenn in den vergangenen Wochen vom Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland die Rede war, überwogen skeptische Worte. Heute werden die kontroversen Diskussionen über die Eurokrise nun zumindest für ein paar Stunden ruhen.

Bei einer Gedenkfeier in der Kathedrale von Reims wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande an die Besiegelung der deutsch-französischen Freundschaft vor 50 Jahren erinnern. Dort hatten am 8. Juli 1962 Charles de Gaulle und Konrad Adenauer gemeinsam eine «Versöhnungsmesse» gefeiert - 17 Jahre nach dem Ende des grausamen Zweiten Weltkriegs. Die Begegnung der beiden Staatsmänner mündete wenige Monate später in den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der bis heute den Rahmen für eine nie dagewesene Zusammenarbeit gibt.

Der Ort des Treffens war bereits zuvor symbolträchtig. Deutsche Artilleriegeschosse und Luftangriffe hatten Reims und auch die Kathedrale im Ersten Weltkrieg stark beschädigt. Am 7. Mai 1945 unterzeichnete dann die deutsche Wehrmacht in der nordfranzösischen «Märtyrerstadt» die bedingungslose Kapitulation im Zweiten Weltkrieg. Bundeskanzler Helmut Kohl sagte 1987 zum 25. Jahrestag der Versöhnung, in Reims sei zu spüren, was «der Hauch der Geschichte» bedeute. Er erinnerte zusammen mit Jacques Chirac an den historischen Tag und die denkwürdigen Worte von Adenauer und de Gaulle.

Frankreich und Deutschland schlössen sich zusammen, um Diener der Freiheit, des Gedeihens und der Brüderlichkeit untereinander zu sein, hatte de Gaulle bei dem Treffen in Reims gesagt. Adenauer erwiderte: «Diese enge Freundschaft, diese enge Verbundenheit des französischen und des deutschen Volkes, die sich gegen niemanden richtet, die den Frieden will und nur den Frieden, ist, wie Sie, Herr Staatspräsident, vor kurzem sagten, ein Wunder des Himmels.» In den vergangenen hundert Jahren hätten Millionen und Abermillionen von Franzosen und Deutschen in schweren Kämpfen ihr Blut vergossen, ihr Leben verloren.

Dass das Treffen zwischen Merkel und Hollande an diesem Sonntag ähnlich emotional wird, steht zu bezweifeln. Sowohl in Berlin als auch in Paris wird zwar betont, dass die Chemie zwischen den beiden Politikern stimme. Weder die konservative Kanzlerin, noch der sozialistische Präsident hätten allerdings wie Adenauer und de Gaulle einen Krieg zwischen den beiden Völkern miterlebt, sagen Diplomaten. Beide sind 1954 geboren.

Und schließlich gibt es da auch noch die Eurokrise und die sehr unterschiedlichen Auffassungen über den besten Ausweg. «Die deutsch-französische Freundschaft verträgt auch Unterschiede», kommentierte dazu jüngst Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Paris. Der französische Europaminister Bernard Cazeneuve sagte im Vorfeld des Treffens im Deutschlandfunk: «Gegensätzlichkeiten, die sich möglicherweise daraus ergeben, dass der Staatschef und der Regierungschef aus unterschiedlichen politischen Lagern stammen, haben den deutsch-französischen Motor trotzdem stets seine Rolle spielen lassen.»

Geschichte / Frankreich / Deutschland
08.07.2012 · 09:00 Uhr
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