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Analyse: Entwarnung an der ICE-Hitzefront?

Die Bahn hält das Hitzeproblem in den ICE-Zügen für gelöst.Großansicht

Berlin (dpa) - Eigentlich ist es in den ICE-Zügen im Sommer häufig zu kühl, klagen Vielfahrer. Die Wagen werden laut Bahn bis auf 19 Grad heruntergekühlt. Seit rund zwei Wochen kämpft der Verkehrskonzern nun gegen das andere Extrem: knallheiße Wagen, weil die Klimaanlage ihren Dienst versagt.

Am Donnerstag gab Bahnchef Rüdiger Grube vorläufig Entwarnung. Vor den Verkehrs- und Verbraucherschutz-Experten des Bundestages beruhigte er: Das Problem sei eingegrenzt. «In den letzten sechs Tagen hat es eine deutliche Stabilisierung der Lage gegeben.»

Das Zugpersonal kann mit einer entsprechenden Einstellung des Systems verhindern, dass es überlastet wird und sich selbst abschaltet. Die Anlagen müssen dabei auf eine weniger starke Kühlung eingestellt werden.

Die Suche nach den Verantwortlichen für die Pannenserie ist aber noch in vollem Gange. Sind die Anlagen zu alt, wurden sie vielleicht doch nicht gründlich genug gewartet? Oder ist doch der Hersteller schuld?

In diese Richtung hatte Grube Andeutungen gemacht. Nach dem Treffen mit Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Abgeordneten aller Fraktionen in Berlin wollte er davon aber nichts wissen. «Wir sind mit der Industrie an einem Tisch», sagte er. An mangelnder Wartung habe es garantiert auch nicht gelegen. Das könne die Bahn für alle ICE-Züge lückenlos nachweisen.

Dennoch sieht Grube im eigenen Hause Verbesserungsmöglichkeiten. So könnten einzelne Komponenten häufiger ausgetauscht werden. Oder die Klimaanlagen generell in die Generalüberholung der ICE einbezogen werden, was bisher nicht der Fall sei.

Die Bahnindustrie hob unterdessen hervor, sie liefere «keinen Schund». Bei den jetzt beanstandeten Klimaanlagen habe die Bahn selbst erklärt, dass kein Konstruktionsfehler vorliege, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bahnindustrie-Verbandes, Ronald Pörner, der «Berliner Zeitung». Er verwies darauf, dass die Unternehmen für die Züge und Komponenten nur Wartungsempfehlungen geben. Die Wartung selbst werde ausschließlich von der Bahn vorgenommen.

Grube bekräftigte, jede Klimaanlage, die ausfalle, sei eine zu viel. Doch versuchte er zugleich, die Verhältnismäßigkeit herzustellen. Jeden Tag gebe es 800 ICE-Fahrten, macht 11 200 in den vergangenen 14 Tagen. Dabei habe es 36 Ausfälle von Klimaanlagen gegeben. «Das ist eine Ausfallrate von 0,34 Prozent», rechnete der Bahnchef vor.

Haften geblieben sind jedoch die dramatischen Bilder am Bahnhof Bielefeld vom 10. Juli. Kollabierte Schüler aus einem stark überhitzten ICE wurden auf Tragen von Ärzten behandelt. Sie sollen nun immerhin ein Schmerzensgeld von 500 Euro in bar erhalten.

Die Zahlung soll nicht nur auf die Fahrgäste dieses Zuges beschränkt bleiben, sondern allen zugutekommen, die nach Klimaanlagen-Ausfällen Gesundheitsprobleme hatten. Und dies auch ohne Attest, versicherte Grube. 300 haben sich schon gemeldet.

Wie die Fahrgäste im Zweifel nachweisen, dass ihre Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen wurde, sagte Grube nicht. Das könnte zum nächsten Problem der Bahn werden.

Bahn / Wetter / Hitze
22.07.2010 · 17:39 Uhr
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