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Analyse: Englischer Fußball leidet unter Krawallen

London (dpa) - Spieler und Fans warten sehnsüchtig auf den Start der englischen Premier League. Doch obwohl die Enttäuschung über die Absage der ersten Partie wegen der Krawalle in London groß ausfiel, waren sich die meisten einig: Es ist besser so.

Es wäre derselbe Ort gewesen, an dem alles begann, und zwar genau eine Woche später: Die geplante Partie zwischen Tottenham Hotspur und dem FC Everton an diesem Samstag hätte gefährlichen Symbolwert bekommen können. Die Absage des ersten Termins in der neuen Saison der englischen Premier League sorgte bei Fußball-Profis und Fans am Donnerstag deshalb zwar für Enttäuschung. Gleichzeitig aber hatten die meisten Verständnis.

«Obwohl ich bitter enttäuscht bin, ist es unter diesen Umständen die richtige Entscheidung», schrieb Everton-Kapitän Phil Neville beim Internetdienst Twitter. Premier-League-Geschäftsführer Richard Scudamore erklärte gegenüber SkySports: «Die Situation hat diese Absage erforderlich gemacht.»

Das Stadion an der White Hart Lane war am vergangenen Samstag Ausgangspunkt für die Gewalt gewesen, die sich in den darauffolgenden Tagen erst auf London und dann in weitere englische Städte ausbreitete. Hier hatte der Protestmarsch gegen den Tod von Mark Duggan begonnen, der am Donnerstag davor von der Polizei erschossen worden war. Der zunächst friedliche Marsch war in Krawalle mit der Polizei gemündet. Es folgten Tage von Randalen, Plünderungen und Brandstiftungen, die mit dem Tod Duggans nichts mehr zu tun hatten.

Scudamore erklärte die Absage des Spiels vor allem mit Sicherheitsbedenken. Obwohl die Polizei «einen fantastischen Job» gemacht habe, könne sie für Tottenham nicht die absolute Sicherheit garantieren. In einer Stellungnahme auf der Internetseite der Spurs hieß es, das Spiel müsse verschoben werden, weil die Infrastruktur für die Anreise der Fans und die Zugänge zum Stadion noch nicht wieder sicher seien.

Weitere Spielabsagen in der Premier League schlossen die Verantwortlichen zunächst aus. «Bei den anderen neun Begegnungen sieht es positiv aus», sagte Scudamore. Nachholtermin für die Partie zwischen Tottenham mit dem früheren Hamburger Rafael van der Vaart und Everton ist der kommende Donnerstag.

Für Englands Fußballfans ist die Absage trotzdem ein schwerer Schlag. Auch Tottenhams Trainer Harry Redknapp fürchtet, dass sein Team durch den verspäteten Saisonstart einen entscheidenden Nachteil hat: «Wenn alle Spiele abgesagt werden, ist es in Ordnung», so der 64-Jährige, «aber wir wollen nicht in die Situation kommen, dass alle Anderen starten und wir ohne Punkte dastehen müssen.»

Mit Blick auf den Saisonstart hofft man in der Premier League auf ein rasches Ende der Unruhen: «Der Fußball hat durch diese Ereignisse genug gelitten», sagte Evertons Trainer David Moyes. Liverpools Kapitän Steven Gerrard pflichtete Moyes vor dem Saisonauftakt der «Reds» am Samstag gegen den FC Sunderland bei: «Wir wollen nicht, dass einige Wenige einen so großen Einfluss nehmen auf die vielen Menschen in dieser Stadt, die den Fußball lieben.»

Bereits am Mittwoch war das Länderspiel der englischen Nationalmannschaft gegen die Niederlande im Wembleystadion abgesagt worden. Außerdem fielen fünf Ligacup-Spielen wegen der Ausschreitungen aus.

Fußball / England / Premier League
11.08.2011 · 22:49 Uhr
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