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Analyse: Eine Frage der Ehre für Schneiderhan

Karl-Theodor zu Guttenberg und Wolfgang SchneiderhanGroßansicht
Berlin (dpa) - Bisher kannte man Wolfgang Schneiderhan nur in Uniform. Der 63-Jährige war mehr als zwei Drittel seines Lebens Soldat der Bundeswehr, zuletzt sogar für sieben Jahre ihr ranghöchster General.

Im vergangenen November bat er auf Betreiben seines Ministers Karl-Theodor zu Guttenberg um seine Entlassung. Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Kundus-Affäre erschien er am Donnerstag deshalb im eleganten, dunkelgrauen Dreiteiler. Mit einem Lächeln ertrug er das Blitzlichtgewitter der Fotografen zum Auftakt der Sitzung. Mitgebracht hatte er nur eine dicke Plastikfolie mit Notizen für sein Eingangsstatement, das mehr als eineinhalb Stunden dauern sollte.

Zunächst einmal schilderte er, unter welch schweren Bedingungen die Entscheidung für das Bombardement in Kundus, bei dem bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt wurden, getroffen wurde. Die Soldaten in Afghanistan müssten täglich mit einer «Unübersichtlichkeit» zurecht kommen, die keine Frontlinien kenne und in der die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Terroristen nur schwer möglich sei. Es sei eine «immense physische und psychische Belastung», die die Soldaten im Einsatzgebiet auszuhalten hätten.

Auch den Oberst Georg Klein, der das Bombardement befahl, würdigte Schneiderhan in seinem Statement für seine Gesamtleistung. Eine eindeutige Einschätzung zu dessen Angriffsbefehl gab er auch in der späteren Befragung allerdings nicht ab.

Erst nach etwa 90 Minuten kam Schneiderhan zu der Kernfrage, die für ihn eine Frage der Ehre ist: Haben er und Staatssekretär Peter Wichert, der ebenfalls von Guttenberg entlassen wurde, dem Minister Informationen verheimlicht? Und haben sie damit tatsächlich dazu beigetragen, dass Guttenberg das Bombardement zuerst als «militärisch angemessen» und kurze Zeit später als «unangemessen» bewertete?

Schneiderhan beantwortete diese Fragen mit einem klaren Nein. Und aus seiner Sicht hat der Minister diese Frage inzwischen ebenfalls mit Nein beantwortet. Eine Woche vor seiner Aussage hatte der CSU- Politiker in einem Interview erklärt, es seien ihm keine Informationen vorsätzlich oder böswillig vorenthalten worden, nachdem er anfangs zunächst gesagt hatte, ihm seien Berichte unterschlagen beziehungsweise vorenthalten worden. «Das nehme ich mit Erleichterung zur Kenntnis», sagte Schneiderhan nun zu Guttenbergs Klarstellung. Die Sache sei für ihn damit erledigt.

Die «ehrabschneidende und unwahre Berichterstattung» über ihn stehe dagegen weiter im Raum. Schneiderhan bezog sich auf Medienberichte, nach denen er die Existenz eines Feldjägerberichts der Bundeswehr geleugnet haben soll. Mit solchen Berichten würden Zweifel an seiner Redlichkeit genährt, sagte Schneiderhan. Dann holte er Luft und fügte noch hinzu: «Es wurden auch Zweifel an meinem Verstand genährt.»

Wichert wurde erst am Abend als zweiter Zeuge befragt. Seine Aussage ähnelte in der Tendenz der von Schneiderhan. An wenigen Stellen konnte man sogar den Eindruck bekommen, die beiden hätten sich abgesprochen. Auch Wichert sprach davon, dass «nicht nur unsere Aufrichtigkeit, sondern auch unser Verstand» durch die Medienberichterstattung infrage gestellt worden sei. Wichert ging Guttenberg allerdings schärfer an als Schneiderhan. Er warf ihm Rufschädigung vor und machte deutlich, dass er seine Entlassung als völlig haltlos ansehe. Er habe selbst «überhaupt keinen Grund» für einen Rücktritt gesehen, sagte Wichert.

Schneiderhan machte an mehreren Stellen der Vernehmung deutlich, wie sehr ihn die Affäre getroffen hat. Dass der Minister ihn im November entlassen hat, weil er das Vertrauensverhältnis gestört sah, kann ein Mann wie er verkraften. Aber dass ihm Vorwürfe gemacht werden, die aus seiner Sicht glatt gelogen sind, macht ihm zu schaffen. Das sei für ihn «emotional nicht so einfach» gewesen.

Seine Entlassungsurkunde erhielt Schneiderhan den Vorschriften entsprechend von Bundespräsident Horst Köhler. Von Guttenberg erhielt er dagegen keinerlei Abschiedsschreiben. Darauf wies Schneiderhan zum Abschluss seiner Eingangsrede ausdrücklich hin. «Ich habe kein anderes Dokument, als die Urkunde des Bundespräsidenten», sagte er und fügte - ganz Soldat - hinzu: «Und zweitens möchte ich Ihnen melden, dass ich mich beim Herrn Bundespräsidenten und bei der Frau Bundeskanzlerin schriftlich abgemeldet habe.» Seinen früheren direkten Vorgesetzten Guttenberg erwähnte Schneiderhan nicht. dpa mfi yydd a3 as

Konflikte / Untersuchungsausschuss / Afghanistan
18.03.2010 · 22:22 Uhr
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