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Analyse: EHEC ohne Ende - Nährboden für Gurkenstreit

Nach Untersuchungen des Hamburger Hygiene-Instituts ist bei Gurken aus Spanien der gefährliche Durchfall-Erreger eindeutig festgestellt worden. Foto: Christian Charisius dpa/lno  +++(c) dpa - Bildfunk+++Großansicht

Berlin (dpa) - Immer mehr Menschen in Deutschland werden Opfer von EHEC. Wohl mindestens 6 Tote, neue 60 schwere Fälle und insgesamt mehr als 1000 Verdachts- oder Krankheitsfälle - so lautet die düstere Zwischenbilanz. Der gefährliche Keim zieht mittlerweile auch eine Spur durch Europa.

Jetzt wäre Klarheit über die Quelle(n) des Übels am Wichtigsten - doch die gibt es nicht. So gedeiht mit den gefürchteten Erregern auch der Zwist. Über die Grenzen hinweg ist ein heftiger Gurkenstreit entbrannt: Wie ist EHEC auf die vier Exemplare des Kürbisgewächses geraten ist, auf denen es bislang entdeckt wurde?

Die Erleichterung bei vielen war verfrüht - spanische Gurken? Dann sind ja wenigstens Bauern und Händler hierzulande nicht mehr so stark im Fokus, meinten viele zuerst. Doch dann tat sich der Hersteller Pepino Bio Frunet hervor mit der Version, die Gurken seien während des Transports zum Hamburger Großmarkt heruntergefallen. Kontamination durch stürzende Gurken?

«Unmöglich» kontert Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Könnten es Keime auf Hamburger Hallenboden gewesen sein? «Wir treiben hier keine Kuhherden durch die Hallen», stellt der Vorstandschef der Verwaltungsgenossenschaft des Hamburger Großmarktes, Hans Joachim Conrad, fest.

Am Mittag lässt Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) beteuern, wie gut man mit den spanischen Behörden zusammenarbeite. Wenig später wird bekannt: Spanien hat bei der EU und der Bundesregierung Beschwerde gegen die Berichte über einen Befall spanischer Gurken eingelegt. Vor der Presse hätte die EU informiert werden müssen. Das Aigner-Ministerium kontert: «Das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat sich exakt an die EU-Vorgaben gehalten.»

Schon am Wochenende habe das Agrarministerium einen Krisenstab eingerichtet, teilt der Aigner-Sprecher noch mit. Zwei Tage zuvor hatten Aigner und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) noch erklärt, für einen Krisenstab - von der SPD gefordert - gebe es keinen Anlass.

Unterdessen konzentriert sich zumindest ein Seitenblick auf den Gurkenproduzenten Niederlande. Eine infizierte Gurke aus Holland soll in Hamburg aufgetaucht sein. Die zuständige niederländische Behörde weist die Berichte von sich. «Sie gehen möglicherweise darauf zurück, dass einer der betroffenen Gemüsebauern in Spanien, von wo wohl infizierte Gurken nach Deutschland geliefert wurden, Niederländer ist.» Aber auch andere Länder sind immer stärker betroffen - so werden in Skandinavien 32 EHEC-Krankheitsfälle nachgewiesen. In Österreich ist EHEC mit Urlaubern aus Schleswig-Holstein angekommen.

Wer kann sich noch sicher fühlen? Die generelle Warnung vor Salat, Tomaten und Gurken in Norddeutschland gilt weiter. Auch wenn sich mittlerweile auch die Bundesregierung genötigt sieht, das Robert Koch-Institut dafür in Schutz zu nehmen. Landwirt Hermann Voges aus Ronnenberg bei Hannover mag für viele stehen, wenn er sagt: «Solange das Robert-Koch-Institut Pauschalmeldungen herausgibt, ist das für uns ein Totalausfall.» Doch es gilt: «Der Schutz der Verbraucher vor Gefahren muss immer Vorrang haben vor wirtschaftlichen Interessen», wie es der Aigner-Sprecher sagt.

Statistisch gesehen ist nach wie vor die Wahrscheinlichkeit einer EHEC-Infektion beim Einzelnen eher gering. Doch die Unsicherheit zerrt bei vielen an den Nerven. «Subjektiv nicht kontrollierbare Risiken werden als bedrohlicher eingeschätzt», erklärt der Hamburger Ernährungspsychologe Joachim Westenhöfer. Doch sagt er auch: «Neue Risiken werden im Vergleich zu bekannten immer überbewertet.»

Gesundheit / Infektionen
27.05.2011 · 22:36 Uhr
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