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Analyse: Drama bei US-Republikanern

John Brabender, ein Berater von Rick Santorum, schreiten nachdenklich die Bühen in der Steubenville High School in Ohio ab. Foto: David MaxwellGroßansicht

Washington (dpa) - Der Sieg schmeckt schal, es ist ein Erfolg ohne jeden Glanz, ohne Triumph. Zwar lächelt Mitt Romney in der Wahlnacht an diesem «Super-Tuesday» pflichtschuldig in die Kameras. Er demonstriert Optimismus, präsentiert sich bereits als Herausforderer von Barack Obama.

Trotzig ruft er seinen Anhängern in Boston zu: «Ich werde die Nominierung erhalten.» Doch Insider im Republikanerlager fürchten bereits, der quälend lange Vorwahlkampf werde Spuren hinterlassen, könnte den Kandidaten beschädigen, bevor der eigentliche Kampf ums Weiße Haus losgeht. Was ist bloß los mit den Republikanern?

«Romney zeigt Narben von einer hässlichen Vorwahlschlacht», kommentiert die «Washington Post» am Morgen danach. Zwar deute vieles darauf hin, dass der Ex-Gouverneur und Multimillionär Romney sich am Ende durchsetzen und die Kandidatur tatsächlich gewinnen könne - doch zu welchem Preis?

Kein Zweifel: Romney hatte sich den Super-Dienstag ganz anders vorgestellt. Endlich wollte der eher moderat und pragmatisch ausgerichtete Politiker sich von seinem erzkonservativen Rivalen Rick Santorum absetzen. Romney wollte das Rennen in dieser Nacht entscheiden, zumindest vorentscheiden. Zwar konnte er am Ende tatsächlich sechs von zehn Bundesstaaten für sich entscheiden. Doch die Margen, mit denen er sich durchsetzte, sind schlichtweg zu gering, um als echter Sieg zu gelten - «ohne K.o.-Schlag», wie die «New York Times» titelt. Von einer «lethargischen Kandidatur» spricht das Blatt.

Dabei hatte alles so schön begonnen. Als die ersten Vorwahlen vor zwei Monaten anliefen, galt Romney als haushoher Favorit: Er hat die beste Wahlkampfmaschine, das mit Abstand meiste Geld - und dann kann sich der ehemalige Unternehmensberater, der ein Millionenvermögen verdiente, auch noch als Mann mit Wirtschaftskompetenz darstellen. Doch ausgerechnet der als krasser Außenseiter gestartete erzkonservative und tiefreligiöse Katholik Santorum erwuchs Romney zum Konkurrenten, der sich nicht abschütteln lässt.

Das Drama «Romney gegen Santorum» enthüllt ein tiefes Dilemma der Republikaner: Partei und Parteibasis sind zerrissen und tief gespalten. Zwei Seelen wohnen in der Brust der Partei: Moderate und wirtschaftsorientierte Pragmatiker auf der einen Seite, Erzkonservative und religiös Ausgerichtete («Sozialkonservative») auf der anderen Seite. Insider meinen, seit Jahren habe sich die Kluft vertieft, besonders die Konservativen hätten sich radikalisiert.

Das Problem: Mit jedem Vorwahltermin wird der Kampf der beiden Fraktionen schärfer und hässlicher. Längst geht es nicht mehr um Sachfragen der praktischen Politik. Es geht um «Werte» und Religion. Wer ist der wirkliche Konservative im Land? Wer tut nur so? Längst wird mit allen Haken und Ösen gespielt, aufs Persönliche gezielt. Selbst die beiden Außenseiter Newt Gingrich und Ron Paul machen da nicht halt. Ältere Republikaner warnen, es sei die härteste Vorwahl seit Jahrzehnten.

Der Alptraum der Republikaner wäre, dass das Rennen tatsächlich über 30 weitere quälende Vorwahlen weitergeht. Noch schlimmer wäre es, wenn es beim Nominierungsparteitag im Sommer zum offenen Duell Romney-Santorum kommen sollte.

Nicht zufällig geistern immer wieder Gerüchte und Spekulationen durchs Land, dass doch noch ein weiterer Kandidat ins Rennen einsteigen könnte - ein Retter, der dem Alptraum ein Ende setzt. Immerhin: Selbst Sarah Palin meldet sich wieder zu Wort. Ob sie sich vorstellen könnte, doch noch anzutreten, fragt ein Reporter die einstige Galionsfigur der fundamentalistischen Tea Party Bewegung. Antwort: Alles ist möglich.

Kenner monieren, dass sich Romney, der eigentlich Moderate, unter dem Druck der Konservativen zusehends nach rechts bewege. Das wiederum könnte ihm aber im eigentlichen Wahlkampf schaden. Denn den Kampf ums Weiße Haus entscheiden letztlich unabhängige Wechselwähler, nicht tiefreligiöse bis fanatische Evangelikale.

Das ist das Risiko im zusehends hässlichen Vorwahlkampf: Je mehr sich die republikanischen Bewerber gegenseitig mit Schmutz bewerfen, desto mehr kann sich Obama die Hände reiben. Noch hält das Weiße Haus Romney für den wahrscheinlichsten Gegner im November.

Wahlen / USA
07.03.2012 · 22:49 Uhr
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