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Analyse: Die Welle Lafontaine

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Berlin (dpa) - Oskar Lafontaine lacht. Niemand kann dem Linksparteichef am Tag nach den Wahlen seine gute Laune, seine Genugtuung und sein Glücksgefühl nehmen.

Das Bemühen der SPD, seinen sensationellen Erfolg im Saarland kleinzureden, lässt er mit gespieltem Mitleid an sich abtropfen. «Ich habe menschlich Verständnis», sagt Lafontaine am Montag in Berlin zur Bilanz der SPD, er habe im Saarland sein Ziel verfehlt, Ministerpräsident zu werden.

Erstens mochte ohnehin kaum jemand glauben, dass das politische Schwergewicht wieder die Geschicke der Regierung des kleinsten Flächenlandes leiten wollte - was Lafontaine schon einmal als Sozialdemokrat von 1985 bis 1998 getan hat. Und zweitens reicht ihm das Ergebnis der Saar-Linken, das sich durch seinen Wahlkampf auf 21,3 Prozent nahezu verzehnfacht hat, um die Partei als den Motor für den Politikwechsel in Deutschland darzustellen.

Denn ohne die Linke kann die SPD weder im Saarland noch in Thüringen die CDU vom Regierungsthron stürzen. Gönnerhaft sagt Lafontaine: «Es freut mich, dass wir durch unser Ergebnis der SPD eine neue Machtperspektive eröffnet haben.» Als hilflos wertet die Linke das Gebaren der SPD, auch in Thüringen den Ministerpräsidenten stellen zu wollen, obwohl die Linke dort mit 27,4 Prozent weit vor der SPD liegt (18,5 Prozent).

Bei der Linken stellt man sich die Empörung umgekehrt vor, wenn Lafontaine im Saarland nur unter der Bedingung in eine Koalition einwilligte, dass seine Partei als drittstärkste Kraft den Regierungschef bestimmt. Während Lafontaine nur milde lächelt, bringt die entsprechende Ansage von SPD-Chef Franz Müntefering Linken- Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch in Rage: «Das kann nicht ernst sein, diese Arroganz zu betreiben.»

Eigentlich hat Lafontaine jetzt schon alles erreicht. Gut zehn Jahre liegen zwischen dem Zerwürfnis des damaligen SPD-Chefs mit Kanzler Gerhard Schröder. Lafontaine verließ die Bühne. Inzwischen hat er es wieder allen gezeigt - sich selbst, seiner neuen Partei, den anderen Parteien im Allgemeinen und der SPD im Besonderen: Er kann die Politik beeinflussen.

Ohne Lafontaine wäre die Vereinigung der Linken in Deutschland kaum denkbar gewesen. Dass sie bei der Bundestagswahl vor vier Jahren 8,7 Prozent erreichte, geht maßgeblich auch auf sein Konto. Die SPD ist wie etwa beim Mindestlohn auf soziale Positionen der Linken eingeschwenkt. Und der Saarländer kämpft dafür, dass bei der Bundestagswahl in knapp vier Wochen ein starkes Ergebnis der Linken eine schwarz-gelbe Koalition verhindert.

Nun lässt noch seine Anerkennung durch viele Wähler in seinem Heimatbundesland alte Wunden verheilen. Der amtierende Ministerpräsident Peter Müller (CDU) hätte 1999 wohl kaum die Wahl gewonnen, wäre Lafontaine damals noch Regierungschef gewesen. CDU- Anhänger sangen in der Wahlnacht vor seinem Privathaus «Oskar, wir danken dir!» Kommt es zu Rot-Rot-Grün im Saarland, hat Lafontaine auch diese Rechnung beglichen.

Aber trotz allen Erfolges wird sich der 65-Jährige damit nicht begnügen. Lafontaine will letztlich die SPD wieder auf seinen Kurs bringen. Erklärungen der Sozialdemokraten, die Linke sei im Bund nicht regierungsfähig, kontert er so: «Solange der Sozialstaat zerrüttet und zertrümmert wird, ist die Chance für ein Bündnis der Linken mit der SPD im Bund gleich Null.»

Müntefering verkündet am Montag: «Die Welle Lafontaine ist gebrochen». Schließlich habe er sein Ziel im Saarland nicht erreicht. Die Linke meint, wenn ihr überragendes Ergebnis in dem westdeutschen Bundesland der Maßstab sei, müsse ihr nicht bange sein. Denn dann werde die «Welle Lafontaine» im Bund erst noch über die SPD hereinbrechen. Lafontaine sagt nur: «Ich musste lachen.»

Wahlen / Landtag / Bundestag / Linke
31.08.2009 · 17:07 Uhr
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