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Analyse: Die unendliche Krisengeschichte der HSH

Unablässig im Zentrum unangenehmer Publicity: HSH Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher.Großansicht
Hamburg (dpa) - Die angeschlagene HSH Nordbank kommt nicht zur Ruhe. Ihr Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher gerät noch stärker unter Druck.

Seit die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein 2008 einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro hingelegt hat und in der Wirtschafts- und Finanzkrise milliardenschwere Staatshilfe zum Überleben brauchte, kommt das Institut kaum noch aus den Schlagzeilen heraus.

Da werden dubiose Praktiken in internationalen Filialen bekannt, da geht es um eine zweifelhafte Millionen-Überweisungen an die US-Investmentbank Goldman Sachs und immer mal wieder um Vorstandsgehälter und Bonuszahlungen. Da werden geschäftliche Details offenbart, selbst ohne dass die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse in Hamburg und Schleswig-Holstein schon tiefschürfende Aufklärungsarbeit leisten konnten.

Das jüngste HSH-Kapitel: Die Londoner Filiale der HSH Nordbank hat ihrer Muttergesellschaft einen vorläufigen Schaden von 500 Millionen Euro eingebrockt. Während die Hamburger Zentrale nach eigenem Bekunden meinte, es handele sich um vergebene Kredite, steckten hinter den Investments «Omega 52» und «Omega 55» riskante Kreditersatzgeschäfte.

Weil sie falsch deklariert gewesen sein sollen, wurden sie 2008 demzufolge zunächst nicht korrekt bilanziert. Als die HSH Nordbank im November 2008 - nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers und auf dem Höhepunkt der Finanzkrise - ihre Investments durchleuchtete, stieß sie auf die Ungereimtheiten und besserte nach, indem sie die Gelder wertberichtigte. In die riskanten Geschäfte verwickelt sein soll danach ein ehemaliger Mitarbeiter, der möglicherweise Summen in dunkle Kanäle auf den britischen Kanalinseln geleitet hat. Die Londoner Polizei ermittelt in diesem Fall.

Den «Omega»-Fall würzt der Radiosender NDR Info aktuell mit weiteren Details: Die verlustreichen Londoner Geschäfte sollen vom HSH-Vorstand genehmigt worden sein, von Vorstandschef Nonnenmacher sowie seinem Stellvertreter Peter Rieck. Und weil befürchtet wurde, dass die Finanzaufsichtsbehörde BaFin dieses Geschäft nicht genehmigen werde, soll die HSH laut NDR Info Teile der Omega- Geschäfte vor der Finanzaufsicht verheimlicht haben. Doch welches Wissen hatte das Geldinstitut damals im Detail, das der Finanzaufsicht hätte gemeldet werden müssen? Weitere Untersuchungen der Kanzlei Freshfields für den Aufsichtsrat sollen Aufklärung bringen.

Die HSH Nordbank bekräftigt vorerst: «Omega ist kein neues Geschäft.» Die «bekannte Transaktion aus dem Jahr 2007» sei als Wertberichtigung im Geschäftsbericht 2008 erfasst. Die «Operation Omega», schreibt die «Schleswig-Holsteinische Landeszeitung», war offenbar der Auslöser für den Rücktritt des damaligen Vorstandschefs Hans Berger im November 2008.

An seine Stelle rückte Mathematikprofessor Nonnenmacher, der als Risiko-Vorstand im Oktober 2007 zur HSH Nordbank gekommen war. Dem großen und schlanken Mann mit der Gel-Frisur, der ein Studium der Mathematik und Medizin in Deutschland und den USA absolvierte, wird international ein guter Ruf nachgesagt. Und auch beim HSH- Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hat «Dr. No», wie er bankintern in eine Anlehnung an einen James-Bond-Bösewicht genannt wird, einen Stein im Brett.

Dass die HSH Nordbank die Krise überhaupt überstanden habe, «verdankt sie maßgeblich Herrn Nonnenmacher», sagte Kopper unlängst dem «sh:z». «Er ist die Voraussetzung dafür, dass ich hier bin.» Und wenn andere die Ablösung Nonnenmachers forderten, dann sollten sie selbst die Verantwortung tragen und sagen, wie sie es besser machen würden, setzte der frühere Chef der Deutschen Bank nach. Sollte das «Alpha-Tier» Nonnenmacher je über die «Omega»-Affäre stolpern, wäre das noch nicht das Ende der unendlichen HSH-Nordbank-Geschichte.

Banken
13.10.2009 · 14:00 Uhr
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