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Analyse: Die Schattenseiten des WM-Gastgebers

Polizisten üben für die Fußball-WMGroßansicht
Kapstadt (dpa) - Der Tod in Südafrika ist näher als andernorts. Überbordende Kriminalität, die wuchernde Ausbreitung von Aids und der chaotische Verkehr fordern täglich eine erschreckende Zahl von Opfern.

«Horror ohne Ende», titelte in dieser Woche das Boulevardblatt «Daily Sun». In Tholeni in der Provinz Eastern Cape, dem «Dorf des Todes», waren die 26-jährige Sinazo Mbeki und ihre beiden Söhne, 6 und 14 Jahre alt, nachts von einem Unbekannten grausam getötet worden. In der kleinen Ortschaft waren in den vergangenen zwei Jahren schon neun andere Menschen bestialisch umgebracht worden. Die Mutter mit ihren Kindern waren nur drei Mordopfer von durchschnittlich 50, die täglich in Südafrika zu beklagen sind, fast 30-mal so viele wie in Deutschland.

WM-Besucher aus Europa lesen in südafrikanischen Medien täglich mit Entsetzen die Schreckensmeldungen über die scheinbar endlose Gewalt. Über 330 000 Menschen starben seit 1994 in Südafrika eines gewaltsamen Todes - mehr Menschen als in Mannheim oder Bonn leben. Nur noch Kolumbien gilt in der Welt als gefährlicher als das Land an der Südspitze Afrikas. Dabei ist die Mordrate nur die Spitze des Eisbergs an Gewaltkriminalität. Millionen Frauen Südafrikas sind Opfer von Vergewaltigungen. Laut Frauenverbänden wird statistisch gesehen jede vierte südafrikanische Frau einmal in ihrem Leben vergewaltigt.

Die hohe Mordrate ist nur eine der besonders spektakulären Ursachen, warum die Lebenserwartung der Südafrikaner in den vergangenen 15 Jahren von 68 auf 45 Jahre gesunken ist. Auch im Straßenverkehr sterben hier weit mehr Menschen als in vergleichbaren Ländern. 13 679 Verkehrsopfer wurden offiziell zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 registriert. Verkehrsexperten des südafrikanischen Automobilclubs AA schätzen, dass es noch 20 Prozent mehr sind, weil Menschen, die an Spätfolgen von Unfällen dahinscheiden, nicht gezählt wurden. In Deutschland, das deutlich mehr Bewohner und pro Kopf noch mehr Fahrzeuge hat, liegt die Zahl der Unfalltoten um etwa 50 Prozent niedriger.

«Mein Gott, fahren die hier aggressiv» - der Ausruf einer Besucherin aus Köln ist typisch für Gäste, die erstmals auf Südafrikas Straßen fahren. Oft genug tragen miserable Straßen und klapprige Autos zur hohen Unfallquote bei. Auch südafrikanische Fahrer sind oft ein Sicherheitsrisiko. Führerscheinprüfungen gelten als nicht sonderlich herausfordernd - und viele fahren auch ohne Fahrerlaubnis.

Schließlich fordert die Immunschwächekrankheit Aids ihren Tribut: Jeden Tag sterben etwa 1000 Menschen an Aids. Der Mangel an Aufklärung, Vorsorge und Medikamenten hat Südafrika zu einer der Hochburgen der Aids-Verbreitung in der Welt gemacht. Über fünf Millionen Menschen sind infiziert - das sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. In manchen ländlichen Gebieten ist mehr als ein Viertel der Menschen HIV-positiv.

Aids - in Südafrika für viele noch ein Tabuthema - ist hier keine Krankheit von Schwulen oder Drogenabhängigen. Viele Frauen und Kinder sind infiziert. Inzwischen gibt es Millionen von «Aids-Waisen», Kinder deren Eltern an der Krankheit starben.

WM / Südafrika
11.06.2010 · 23:23 Uhr
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