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Analyse: Die Party ist vorbei - der Kater droht

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Frankfurt/Main (dpa) - Die Abwrackparty ist vorbei - jetzt kommt der Kater. Acht Monate lang hat der Staat die Autoindustrie mit der Prämie als süßer Droge verwöhnt. Von nun an sind die Hersteller auf Entzug.

Die Konzerne müssen beweisen, dass sie die Übergangszeit genutzt haben, um sparsame Autos zu entwickeln und sich auf die gesunkene Nachfrage einzustellen. Die Branche schwankt zwischen Jubel und Horrorvisionen und scheint ein wenig ratlos.

Wirklich bahnbrechende Zukunftskonzepte sind auch auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA (17. bis 27. September) nicht in Sicht. Der Verband der Autoindustrie (VDA) baut seinen unerschütterlichen Optimismus auf den Export - und setzt damit allein auf das Prinzip Hoffnung. Eines ist sicher: Die Branche wird im kommenden Krisenjahr kräftig durcheinander gerüttelt.

Die großen Gewinner 2009 werden im kommenden Jahr zu den großen Verlierern zählen. Von der Prämie haben vor allem die Kleinwagenhersteller wie VW und Opel sowie ausländische Marken profitiert. Sie dürften im nächsten Jahr ausgebremst werden. An den Premiumherstellern wie Audi, BMW und Mercedes ging die staatliche Förderung dagegen fast gänzlich vorbei, ihr Absatz brach zweistellig ein. Denn je höher der Kaufpreis, umso weniger fallen 2500 Euro Prämie ins Gewicht - wenn diese Käufer denn überhaupt ein neun Jahre altes Auto besitzen.

Die überfällige Neuordnung der Branche hat gerade erst begonnen. «Alle werden dem weltweiten Konsolidierungsprozess unterworfen sein, aber die deutschen Hersteller haben die besten Chancen, gut da raus zu kommen», zeigt sich VDA-Präsident Matthias Wissmann optimistisch. Doch manch ein Markenname dürfte verschwinden.

Erst einmal spielt die Zeit für die Industrie. Auch wenn der 5 Milliarden Euro schwere Fördertopf leer ist, brechen die Neuzulassungen hierzulande nicht gleich ein. Manches Auto, das mit der Prämie mitfinanziert wurde, muss erst noch gebaut werden. Das lässt die Absatzzahlen zunächst besser aussehen, als die Lage ist. Doch 2010 dürfte der Absturz folgen: Wer einmal ein Auto gekauft hat, kauft nicht im nächsten Jahr noch eines.

Entscheidend wird für die exportlastige Industrie sein, was sich auf den Auslandsmärkten tut. Drei von vier Wagen «Made in Germany» gehen in den Export. In einigen anderen Ländern laufen Abwrackprämien nach deutschem Vorbild, das überdeckt das Grundproblem. Große Hoffnung setzt der VDA zudem auf den wachsenden Markt in China. Indien, China und Russland gelten generell als Zukunftsmärkte - auch wenn der Autoabsatz in Russland zuletzt um die Hälfte eingebrochen war.

Schon jetzt ist die Lage angespannt, bei vielen Konzernen wird es finanziell eng. Gerade mit Blick auf die Entwicklung sparsamer Modelle vom Hybrid-Motor bis zum Elektro-Auto brauchen die Firmen dringend Geld. Ohne milliardenschwere Investitionen ist das nicht zu schaffen. Rund 30 Milliarden Euro Zusatzkosten kommen bis 2015 weltweit auf die Hersteller zu. Wem die Mittel fehlen, der könnte auf halber Strecke liegen bleiben.

Zudem hat die Prämie nicht nur die Hersteller verwöhnt, sondern auch die Konsumenten. Sie kaufen Neuwagen nur noch mit saftigen Rabatten. Jetzt müssen die Händler mehr drauflegen. «Die Autohändler leiten ab September eine neue Rabattschlacht ein - diesmal eben ohne Staatszuschuss», sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das geht zulasten der Margen und dürfte manch ein Autohaus in die Enge treiben. «Wir können im Handel bis zu 6500 Betriebe verlieren», warnt Wolfgang Meinig vom Forschungsinstitut Automobilwirtschaft - das wären rund 90 000 Arbeitsplätze. Schon jetzt gilt der Gebrauchtwagenmarkt, dessen Kunden sich erstmals einen Neuwagen leisteten, als großer Verlierer der Prämie.

Zunächst herrschte am Mittwoch aber noch Festtagsstimmung. Die Verschrottungsprämie wird als beispielloser Erfolg gefeiert, der die Branche in der schwersten Rezession der Nachkriegszeit vor dem Kollaps bewahrt hat. Seit Jahresbeginn wurden im Inland 2,675 Millionen Wagen verkauft - ein Plus von 27 Prozent. «Für die Kfz- Branche war diese Förderungsmaßnahme das beste, was man sich nur vorstellen konnte», sagt der Präsident des Händlerverbands ZDK, Robert Rademacher. 2009 wird in jedem Fall ein gutes Autojahr: Der Absatz könnte nach Berechnungen Dudenhöffers bis zum Jahresende auf 3,7 Millionen Wagen steigen - das wäre die höchste Zahl seit dem Jahr 2000.

Auto / Konjunktur
02.09.2009 · 22:54 Uhr
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