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Analyse: Deutschland nach dem Terroralarm

Berlin (dpa) - Tag eins nach der Terrorwarnung: Polizisten patrouillieren durch Terminals und Bahnhofshallen in deutschen Städten. Auf dem Düsseldorfer Flughafen sucht ein Spürhund präventiv nach Sprengstoff, im Seehafen Rostock stehen schwer bewaffnete Polizisten vor einer Skandinavien-Fähre.

Rings um den Reichstag werden Absperrgitter aufgebaut. Eine der größten Sorgen der Sicherheitsbehörden gilt jedoch den Weihnachtsmärkten.

Falls Islamisten tatsächlich einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt planen, kann man ihnen eine gewisse Kenntnis der deutschen Seele nicht absprechen. Terrorakte sind immer furchtbar. Aber ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt wäre nach allgemeinem Empfinden so ziemlich das Schlimmste.

Weil am Mittwoch von einem möglichen Anschlag «noch vor Weihnachten» die Rede war, weil Experten ganz explizit Weihnachtsmärkte als mögliches Ziel nannten, wirkte die Gefahr plötzlich ganz unmittelbar. Die Schausteller sind alarmiert, wollen aber keine Panik verbreiten. In Berlin haben einige bereits verstärkte Sicherheitsvorkehrungen angekündigt. Auf dem Nürnberger Christkindlmarkt will die Polizei mehr präsent sein.

Ist das wieder mal eine typisch deutsche Überreaktion? Fakt ist, dass es nur wenige deutsche Wörter gibt, die Eingang in die englische Alltagssprache gefunden haben; «angst» ist eines von ihnen. Es wird im Sinne einer diffusen Angst, eines pessimistischen Lebensgefühls verwendet.

Jetzt allerdings geht es um eine andere Art von Sicherheitsrisiko, nämlich um ein ziemlich konkretes, wenn man dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) glauben darf. Damit können die Deutschen anscheinend besser umgehen als mit einer wenig greifbaren Bedrohung wie zum Beispiel der Vogelgrippe, meint die Kölner Journalistin Sabine Bode, Autorin des Buches «Die deutsche Krankheit - German Angst». «Wenn es konkret wird, reagieren die Deutschen eigentlich recht vernünftig - denken Sie an die Finanzkrise.»

Bode sieht bisher keinerlei Anzeichen für Hysterie und Panik. Wenn sie Weihnachtsmärkte nicht sowieso meiden würde, weil sie ihr nicht gefallen, würde sie sich jetzt überlegen, ob sie hinginge. «Wenn ich Sachen für mein Enkelkind nur da bekommen könnte, würde ich gehen. Aber sonst? Ich bin auch keine Heldin!»

Bleibt die Frage, was so eine Terrorwarnung bringt. Nach den Anschlägen der «Rucksack-Bomber» in der Londoner U-Bahn vom 7. Juli 2005 machte es ohne Zweifel Sinn, die Reisenden zu bitten, auf herrenlose Taschen zu achten. Aber worauf soll man am Glühweinstand ein Auge haben?

Vielleicht bedeutet Wachsamkeit hier einfach, eine Taschenkontrolle ohne Murren zu ertragen. Im übrigen wäre es falsch, jetzt nicht mehr auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, sagte am Donnerstag ein Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums: «Genau das wollen islamistische Terroristen doch erreichen.»

Innere Sicherheit / Terrorismus
18.11.2010 · 16:05 Uhr
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