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Analyse: Das TV inszeniert das Duell

Die Moderatoren (l-r) Frank Plasberg (ARD), Peter Limbourg (SAT.1), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL).Großansicht
Hamburg/Berlin (dpa) - Angela Merkel (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) sind im Wahlkampf nicht durch einen ruppigen Umgangston aufgefallen. Im Gegenteil. Die beiden Rivalen um das Kanzleramt gehen sanft miteinander um.

Für die Medien kein leichter Umstand, denn es fehlt ein bisschen die Würze. Für die Fernsehsender ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und Phoenix, die an diesem Sonntag live ab 20.30 Uhr das TV-Duell der beiden Kandidaten über 90 Minuten Länge live aus Berlin-Adlershof übertragen, ist das Duell gerade deswegen eine Herausforderung.

«Wir können versuchen, Öl ins Feuer zu gießen, aber brennen müssen dann die beiden», sagt RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, einer der vier Interviewer am Sonntag. «Ob sie das wirklich wollen, können wir uns nur wünschen, bestellen können wir es nicht. Weil sich die beiden bisher eher mit Samthandschuhen angefasst haben, werden viele natürlich auch deswegen einschalten, weil sie erhoffen und erwarten, dass zwischen den beiden doch mal etwas mehr in Gang kommt als nur ein gesitteter Dialog.»

Die deutschen Sender haben inzwischen Übung bekommen beim Arrangieren von TV-Duellen im Zuge der großen Wahlschlacht. Beim ersten Mal im Jahr 2002 wurden sogar zwei Veranstaltungen inszeniert, eine im Privat-TV und eine bei ARD und ZDF. Drei Jahre später beschränkten sich Sender und Kandidaten auf ein einziges Duell. Vier Frager löcherten die Kandidaten damals, vier sind es auch heute: Mit Kloeppel tritt Maybrit Illner (ZDF) in einem Gespann an - die beiden waren auch achon 2005 dabei; Frank Plasberg (ARD) bildet das andere Duo mit Peter Limbourg (Sat.1).

Vier Journalisten lassen sich doch gut gegeneinander ausspielen, oder? «Vier Frager, das ist auch nicht unser aller Lieblingslösung», gestand ZDF-Polittalkerin Illner in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin «Focus». «Aber wir werden uns weder gegenseitig in die Parade fahren noch die Goldader, die einer von uns gefunden hat, links liegen lassen.» Über die Themenkomplexe geben die Sender noch keine Auskünfte. Fest steht aber: Jeder Kombattant hat 90 Sekunden pro Antwort Zeit, im Viertelstundentakt wird das Zeitbudget überprüft, der Herausforderer hat die erste Antwort, die Kanzlerin das Schlusswort.

Die Sender verbinden mit dem Duell wechselhafte Erwartungen, denn die Zuschauerströme werden eindeutig beweisen, welcher TV-Kanal trotz gleichen Bildmaterials vom Publikum bevorzugt wird, wenn es um Information geht: 2005 verbuchte die ARD fast zehn Millionen Zuschauer, das ZDF mehr als sechs, RTL unter vier und Sat.1 kaum 1,5 Millionen. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Umfrage (von Forsa) von «Stern» und RTL unter 1000 Bundesbürgern wollen sich 26 Prozent das Duell ansehen. Zwei Prozent messen ihm sehr großen, elf Prozent großen, 43 Prozent weniger großen und 42 Prozent keinen Einfluss aufs Ergebnis bei. Im Anschluss ans Duell werden Gewinner und Verlierer ermittelt.

Erstmals überträgt in diesem Jahr auch der öffentlich-rechtliche Sender Phoenix das Duell, das dort in Gebärdensprache übersetzt wird. Im Vorfeld hatte es mächtig Streit um die Beteiligung des Hörfunks gegeben. Doch eine Übertragung im Deutschlandfunk scheiterte am Veto der Privatsender, die von den Hörfunkstationen eine finanzielle Beteiligung erwarteten. Die Internetplattform Zattoo (www.zattoo.de), die mit entsprechenden Verträgen ausgestattet zahlreiche Fernsehsender im Web überträgt, darf auch das TV-Duell zeigen - das sei rechtlich völlig einwandfrei, hieß es vom ZDF.

Und weil inzwischen rund ums Duell auch in seiner noch jungen Geschichte in Deutschland schon ein Stück Tradition entstanden ist, wird auch dieses Mal wieder eine unabhängige Expertenkommission mit Journalisten und Wissenschaftlern nach dem Vorbild der US- amerikanischen «Commission on Presidential Debates» den Verlauf des Schlagabtauschs bewerten. Die Runde wird im Anschluss im Deutschlandfunk, also dem Sender, der das Duell nicht übertragen darf, ihre ersten Eindrücke austauschen.

Wer überhaupt keine Lust auf Politik hat, für den hält ProSieben um 20.15 Uhr eine echte Alternative bereit: «Die Simpsons - Der Film». Homer muss sich gegen Vater Staat verteidigen, weil sein neues Hausschwein den nahe gelegenen See mit seinen Fäkalien in eine Kloake verwandelt hat.

Medien / Fernsehen / Wahlen
13.09.2009 · 10:52 Uhr
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