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Analyse: CSU stellt sich hinter ihren Überflieger

München/Berlin (dpa) - Ja, natürlich haben sie über ihren «KT» gesprochen, bei der Jahreshauptversammlung des CSU-Ortsverbands Nürnberg-Lichtenhof am Donnerstagabend. Natürlich seien die Plagiats-Vorwürfe gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Thema gewesen, berichtet Ortsverbandschef Alfons Baier am Tag darauf. Aber er stellt auch eines klar: «Das nimmt bei uns keiner so bierernst.»

Dennoch: Dass Guttenberg derzeit in großen Schwierigkeiten ist, löst Unruhe in der CSU aus. Es werde diskutiert, jeder mache sich so seine Gedanken, heißt es.

Dass es womöglich diesmal doch eng werden könnte für den CSU-Überflieger, zeigt in diesen Tagen die schiere Masse der Solidaritätsadressen aus der CSU-Spitze. Parteichef Horst Seehofer sichert Guttenberg am Freitag «volle Solidarität und Unterstützung» der CSU - und auch persönlich - zu. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt betont: «Die CSU steht ganz eindeutig zu ihrem Minister.» Bundesagrarministerin Ilse Aigner lobt Guttenberg als «überzeugend, glaubwürdig, integer». Und der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe Bundestag, Stefan Müller, verlangt, die «Hetzjagd» gegen den Bundesverteidigungsminister müsse jetzt ein Ende haben.

Zweierlei Dinge stehen bei den CSU-internen Diskussionen und Überlegungen im Mittelpunkt, wie Bundestags- und Landtagsabgeordnete berichten. Zum einen die Erwartung, dass Guttenberg die Vorwürfe rasch aufklären kann. Zum anderen aber auch der Ärger darüber, wie aktuell eine «Kampagne» gegen den beliebten Minister geführt werde.

Begrüßt wird allerdings, dass Guttenberg bis zur Klärung der Angelegenheit auf die Führung seines Doktortitels verzichten will. «Das halte ich für den völlig richtigen Weg», sagt der oberfränkische Landtagsabgeordnete Alexander König. Er betont aber: «Ich bin fest davon überzeugt, dass ihm der Titel am Ende nicht aberkannt wird.»

Dass die Plagiats-Affäre Guttenberg am Ende schaden wird, glaubt derzeit ohnehin niemand in der CSU. Auch dessen Karriereaussichten werde das keinen Abbruch tun, heißt es da. «Ich sehe Karl-Theodor zu Guttenberg als kreativen, reform- und entscheidungsfreudigen Politiker mit einer guten Zukunft», sagt beispielsweise Ex-CSU-Chef Erwin Huber. Ein prominentes CSU-Präsidiumsmitglied sagt voraus: «Ein paar Kratzer werden bleiben - aber es wird Guttenberg nicht dauerhaft schaden.» Und der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein - selbst Träger eines Doktortitels - sagt über Guttenberg voll des Lobes: «Auch wenn er ein Summa cum minus hätte oder ein Magna cum laude, würde das meinen Respekt vor ihm nicht verringern.»

An der CSU-Basis ist der Rückhalt für Guttenberg ohnehin noch ungebrochen - das berichten mehrere Abgeordnete, die in diesen Tagen in ihren heimischen Wahlkreisen unterwegs sind, übereinstimmend. Und das berichtet auch Alfons Baier vom CSU-Ortsverband Nürnberg-Lichtenhof. Die Affäre, meint Baier, werde Guttenberg nichts anhaben.

Trotzdem warten sie in der CSU nun gespannt darauf, wie die Uni Bayreuth die Sache bewerten wird - und ob Guttenberg am Ende doch der Verlust des Doktortitels drohen könnte. Was dann wäre, damit will sich, so scheint es, in der CSU aber derzeit niemand beschäftigen.

Verteidigung / Wissenschaft / Guttenberg
19.02.2011 · 22:12 Uhr
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