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Analyse: Clinton verleiht Obama neuen Glanz - Aber reicht das?

Obama und ClintonGroßansicht

Charlotte (dpa) - Alles dauert nur ein paar Sekunden, aber diese Bilder werden Fernsehgeschichte schreiben. In der Mitte der Parteitagsbühne der US-Demokraten in Charlotte steht Ex-Präsident Bill Clinton, die Arme ausgebreitet als wolle er all die Jubelnden vor sich zugleich umarmen.

Sein Rednerpult versinkt in den Boden. Von hinten rechts schreitet der amtierende Präsident Barack Obama auf die Bühne. Das Gekreische in der Arena ist ohrenbetäubend. Die Männer umarmen sich, Clinton streichelt Obama zärtlich über den Rücken.

Es ist ein glanzvoller Moment, zwei Präsidenten auf der Bühne, gefeiert und umjubelt von den Massen. Die perfekte Wahlkampfwerbung für Obama. Nur darum ist es gegangen am Mittwochabend (Ortszeit). 48 Minuten dauerte Clintons detailreiche Lobrede auf seinen Nachfolger. Mit dem Gewicht seiner Popularität sollte Clinton bei Millionen Zuschauern an den Fernsehern um eine zweite Amtszeit für Obama werben.

Er nennt Zahlen über Zahlen, die den Amtsinhaber in ein gutes Licht rücken sollen. Hebt den Zeigefinger, blickt ernst und sagt: «Hört mir zu» - immer wieder «Hört mir zu». Mit Obama werde es den Menschen im Land bessergehen, unter dem Republikaner Mitt Romney nicht, lautet seine Botschaft. «Ich glaube das von ganzem Herzen.»

Clinton wurde ausgesucht, weil seine Wirtschaftspolitik damals (1993 - 2001) so erfolgreich war. Und er versichert, dass Obama es ebenfalls sein wird. «Er hat das Fundament für eine neue, moderne und erfolgreiche Ökonomie gelegt. Wenn Sie den Vertrag des Präsidenten verlängern, dann werden Sie das zu spüren bekommen», sagt er.

Clinton spricht fast frei. Den Teleprompter rund 30 Meter vor ihm braucht er kaum. Wenn er einen Sachverhalt erklären will, nimmt er beide Hände zur Hilfe. Verfällt er ins Anekdotenhafte, gleitet die linke in die Hosentasche. «Ich will einen Mann nominieren, der nach außen hin cool ist, aber im Inneren für Amerika brennt», sagt er über Obama. Und verweist immer wieder auf die eigene Präsidentschaft - die nicht einfach war, aber am Ende erfolgreich. «Ich kenne das, ich habe das erlebt.» Das Publikum hat er im Griff, es lacht, jubelt oder guckt betreten wie auf Kommando.

Wie der ganze Parteitag soll Clintons Rede vor allem die Begeisterung für den Amtsinhaber reanimieren. Die demokratischen Wahlstrategen wollen um jeden Preis den Eindruck vermeiden, dass die Unterstützung bei der Basis für Obama nachgelassen haben könnte. Von einer Ernüchterung nach dem schieren Begeisterungsrausch von 2008 in der Bevölkerung wollen sie nichts hören. Doch Anzeichen dafür gibt es viele. Nach jüngsten Umfragen sind nur 47 Prozent der Amerikaner mit ihrem Präsidenten zufrieden. Vor allem wegen der hohen Arbeitslosigkeit.

Die Partei selbst gab Spekulationen über mangelnde Leidenschaft der Anhänger neue Nahrung, als sie kurzfristig Obamas eigene wichtige Rede am Donnerstag in eine Halle verlegte. Offizielle Begründung für die Absage des Auftritts im 74 000 Menschen fassenden Stadion war die Sorge vor Gewitterstürmen. Doch Kritiker taten das angesichts der nicht allzu schlechten Wettervorhersage als Ausrede ab. Der Grund sei die Angst vor gähnend leeren Rängen. «Der Enthusiasmus für Obama ist so gering, dass er gezwungen wird, seine Parteitagsveranstaltungen herabzustufen», meinte Republikaner-Sprecher Matt Connelly.

Die Clinton zujubelnden Parteitagsbesucher freilich lassen Miesmacherei nicht gelten. «Die Leute hier sind richtig motiviert», versichert Keith Schmitz, der den weiten Weg aus Wisconsin auf sich genommen hat. Doch wie der weißhaarige PR-Berater haben die 6000 Delegierten während ihrer Convention wohl auch etwas den Sinn für die Realität verloren. Hier gibt es nur Demokraten-Plakate, nur Lobreden auf den Präsidenten. Die Arena ist im Umkreis von Hunderten Metern abgesperrt. Skeptiker, Republikaner oder gar Demonstranten können der durchgeplanten Show nicht zu nahe kommen.

Die Macher der Inszenierung erzeugen mit Musik- und Lichteffekten sowie Videoeinspielungen immer wieder Gänsehautmomente. So richtig in Wallung kommt das Blut immer dann, wenn vom Kontrahenten die Rede ist. Auch Clinton nutzt in seiner Rede jede Gelegenheit, sich über Romney auszulassen. Er beklagt, wie sehr der Republikaner die Fakten verdreht. Dass er Politik als einen «Blutsport» ansehe statt auf Kooperation zu setzen. Vor allem macht er den Amerikanern Angst vor einer Zukunft ohne Obama: «Wollen Sie in einer Gesellschaft leben, in der Sie sich selbst überlassen sind, in der die Gewinner alles kriegen, dann sollten sie die Republikaner unterstützen», sagt er.

Wahlen / USA
06.09.2012 · 10:04 Uhr
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