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Analyse: China macht Exil-Uiguren verantwortlich

Rabiya KadeerGroßansicht
Peking (dpa) - Kaum hatte sich der erste Rauch über den Straßen der uigurischen Hauptstadt Ürümqi gelegt, hatten die chinesischen Behörden schon die Schuldige für die blutigen Krawalle ausgemacht: die von China als «Terroristin» verteufelte, in den USA lebende Uigurenführerin Rabiya Kadeer.

Erste Untersuchungen hätten ergeben, dass die Unruhen vom «separatistischen Weltkongress der Uiguren unter Rabiya Kadeer» geplant worden seien, teilte die Regionalregierung der Unruheprovinz Xinjiang am Montag mit.

Kadeer machte ihrerseits Peking verantwortlich, weil die Regierung weiter mit aller Härte gegen Minderheiten vorgehe und ihre Politik der Zwangsassimilierung fortsetze. Der Konflikt habe einen kritischen Punkt erreicht, und China müsse nun handeln, um die Uiguren-Frage zu lösen, hieß es in ihrer Erklärung.

Die meisten Uiguren im Ausland und Menschenrechtsgruppen werfen den chinesischen Behörden vor, nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den globalen Kampf gegen den Terrorismus als Vorwand genommen zu haben, um gegen die Uiguren vorzugehen. Die USA mögen sich nach den Anschlägen wenig gedacht haben, als sie auf Drängen Chinas die kleine, schon damals wenig bekannte «Ostturkestanische Islamische Bewegung» (ETIM) als Terrorgruppe einstuften, um Peking im weltweiten Kampf gegen den Terror an Bord zu holen.

Doch seither scheinen Chinas Behörden gerne uigurische Aktivisten und Gruppen, die sich gegen Benachteiligung oder die chinesische Herrschaft in Xinjiang überhaupt auflehnen, mit dem Stempel ETIM in die Nähe von gefährlichen Terroristen zu stellen. Als muslimisches Turkvolk genießen die Uiguren auch keineswegs vergleichbare Sympathien in der Weltöffentlichkeit wie die buddhistischen Tibeter mit ihrem weltweit angesehenen religiösen Oberhaupt, dem Dalai Lama. In Deutschland hatte es eine wochenlange Debatte um die Aufnahme uigurischer Häftlinge aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo gegeben - bevor das Inselreich Palau ihnen Gastrecht anbot.

Experten warnen seit langem, dass Pekings Politik der harten Hand und der ständige Zustrom von Han-Chinesen in die Randregion Chinas viele Uiguren in das Lager der radikalen Kräfte treibt. Dilxat Rexit, der in München lebende Sprecher des Weltkongresses der Uiguren, warnte, China habe vor dem 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik im Oktober eine neue Kampagne gegen das Turkvolk begonnen.

Entladen hatte sich der Zorn der Uiguren diesmal an der ihrer Ansicht nach verschleppten Untersuchung über den Tod von zwei Angehörigen ihrer Volksgruppe. Am 25. Juni waren Uiguren in einer großen Spielzeugfabrik in Shaoguan in Südchina angegriffen worden, nachdem Gerüchte kursiert waren, dass Angehörige der muslimischen Minderheit zwei Chinesinnen vergewaltigt hätten. Zwei Uiguren starben damals - festgenommen wurde bisher nur ein Mann, der die Gerüchte damals im Internet verbreitet haben soll.

Konflikte / Minderheiten / China
06.07.2009 · 22:12 Uhr
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