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Analyse: CDU hatte in Bremen keine Chance

Die Bremer Stadtmusikanten am Rathaus in BremenGroßansicht

Berlin/Bremen (dpa) - Die Bremer Bürgerschaftswahl wurde nach Ansicht der Forschungsgruppe Wahlen eindeutig vor Ort entschieden.

«Traditionell stark verankert und flankiert von personeller Überlegenheit, sichert sich die SPD ihre Hausmacht auch dank einer desaströsen Opposition», heißt es in der Analyse der Mannheimer Forscher vom Sonntagabend. Sie begründen den Wahlsieg der Sozialdemokraten vor allem mit deren Sachkompetenz und dem hohen Ansehen von Bürgermeister Jens Böhrnsen. Es gebe in Bremen eine «kritische Distanz gegenüber der CDU vor Ort».

Die Bundespolitik spielte für den Wahlausgang kaum eine Rolle. Für 70 Prozent der Wähler war die Politik in Bremen wichtig und nur für 25 Prozent der Bund wichtiger.

Den Wahlausgang werten die Forscher als klaren Auftrag für den rot-grünen Senat, seine Regierungsarbeit fortzusetzen. Allerdings müsse sich die SPD mit den Grünen im Senat einem erstarkenden Partner stellen, «der jetzt auch weitgehend ohne Atom-Thema als breit aufgestellte Mehrthemenpartei zunehmend erfolgreich klassische Politikfelder besetzt».

Maßgeblichen Anteil am SPD-Erfolg haben die über 60-Jährigen. Bei den erstmals bei einer Landtagswahl wahlberechtigten 16- und 17-Jährigen sind die Grünen demnach mit 34 Prozent noch etwas stärker als bei allen jüngeren Wählern.

Bürgermeister Böhrnsen gab laut Forschungsgruppe «in bester Tradition seiner Amtsvorgänger dem SPD-Sieg einen Namen»: Mit einer sehr guten Arbeitsbilanz und parteiübergreifender Wertschätzung erzielte er Imagewerte, die vor ihm in den vergangenen drei Jahrzehnten nur eine Handvoll anderer Ministerpräsidenten schafften.

Die wenig bekannte CDU-Herausforderin Rita Mohr-Lüllmann lag in der Frage nach dem gewünschten Bürgermeister spektakuläre 54 Punkte hinter dem Amtsinhaber. 67 Prozent wollen Böhrnsen und gerade mal 13 Prozent Mohr-Lüllmann als Bürgermeister(in).

Von den Möglichkeiten des ebenfalls neuen Wahlrechts, das 43 Prozent aller Befragten als zu kompliziert einstufen, machten die Wähler offensichtlich nur mäßig Gebrauch: Knapp ein Drittel der Befragten gab an, die fünf Stimmen an verschiedene Parteien vergeben zu haben.

Die Arbeit des rot-grünen Senats wird auf der +5/-5-Skala mit 1,3 wesentlich besser als die der Opposition bewertet (CDU: 0,0; Linke: minus 1,6; FDP: minus 1,4). Nach nur 37 Prozent vor der letzten Bürgerschaftswahl 2007 finden es jetzt 58 Prozent gut, wenn es zu einem rot-grünen Senat kommt.

Die Grünen profilieren sich in den für die Bremer Bürger wichtigen Bereichen Bildung und Schule oder Verkehr, wo sie inzwischen etwas mehr Zuspruch erfahren als die CDU. Als führend gilt in diesen Politikfeldern aber die SPD, die sich konträr zum Bund oder anderen Ländern auch bei den Bremer Top-Themen Finanzen, Jobs und sogar Kriminalität vor der CDU positioniert.

Verluste hat die SPD nur bei den jüngeren Wählern. Mit 32 Prozent (minus drei) bei den 30- bis 44-Jährigen und 31 Prozent bei den unter 30-Jährigen (minus fünf) wird sie hier praktisch von den Grünen eingeholt, die nach klaren Zuwächsen 31 Prozent bei den 30- bis 44-Jährigen sowie 29 Prozent bei den unter 30-Jährigen erreicht. Die CDU fällt bei allen unter 60-Jährigen mit zweistelligem Abstand hinter die Grünen zurück, bei den 60-Jährigen liegt sie mit 29 Prozent (minus sechs) über dem Schnitt.

Wahlen / Bürgerschaft / Bremen / Analyse
23.05.2011 · 06:39 Uhr
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