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Analyse: Bundesversammlung mit Déjà-Vu-Erlebnis

Berlin (dpa) - Irgendwie hatte es Andreas Peter wohl geahnt. Jedenfalls ließ der Küchenchef für die 14. Bundesversammlung ein paar hundert Portionen mehr vorbereiten.

Was man eben so macht, wenn man im Reichstag insgesamt 4500 Leute ernähren muss und sich nicht sicher sein kann, wie lange der Tag dauert. Und die Vorsicht zahlte sich aus.

So waren die 1244 Wahlfrauen und -männer am Mittwoch zumindest kulinarisch gut versorgt, als es in die Verlängerung ging. Zum Beispiel mit Bouletten, Gemüse-Lasagne, Seezunge-Spinathappen oder Geschnetzeltem von Rind und Kalb an Spätzle. Als Nachspeise standen Klassiker der Massenverköstigung wie Schokoladenmousse oder Rote Grütze auf der Karte. Zu trinken gab es Prosecco, Riesling, Bier und alkoholfreie Getränke.

Für den Küchenchef, der insgesamt 55 Köche unter sich hatte, zahlte sich aus, dass die vorige Bundesversammlung gerade mal 13 Monate zurück lag. «Wir haben schon im vergangenen Jahr das Catering gemacht», sagte Peter. «Und dann hat man eben eine gewisse Erfahrung.»

Auch sonst hatte der eine oder andere Teilnehmer ein gewisses Déjà-Vu-Erlebnis. Die meisten waren bereits im Mai 2009 dabei, als Horst Köhler wiedergewählt wurde. Außer den Abgeordneten von Bundestag und Landtagen waren auch einige Prominente wieder nominiert: die Verlegerin Friede Springer zum Beispiel für die Union, DGB-Chef Michael Sommer für die SPD oder Nina Hoss für die Grünen.

Die Schauspielerin Hoss («Anonyma») entschied das zweite Mal über den Bundespräsidenten mit. Aber es sei immer noch erhebend, «den Zettel mit dem Adler» auszufüllen. «Ich habe größten Respekt davor.» Zu den Wahlaussichten für ihren Kandidaten Joachim Gauck sagte sie: «Man hofft das Unmögliche, aber weiß, das es nicht möglich sein wird.» Aber das war noch vor dem zweiten Wahlgang.

Einige Wahlleute erschienen aber auch nicht. Für den Münchner Liedermacher Konstantin Wecker zum Beispiel musste die Linke Ersatz besorgen. Wecker zog es vor, ein Konzert zu geben, anstatt der Kandidatin Luc Jochimsen seine Stimme zu geben.

Deutlich weniger Prominenz als üblich gab es auf der Tribüne. Zwar nahm die ehemalige Bundestags-Präsidentin Rita Süssmuth (CDU) dort ebenso Platz wie der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP). Aber von den Alt-Präsidenten war nur einer da: Roman Herzog, die Gattin an seiner Seite. Köhler zog es nach seinem überraschenden Rücktritt vor, die Bühne anderen zu überlassen. Erst am Freitag, zur Vereidigung, will er dabei sein. Aber auch die Ex-Präsidenten Walter Scheel, der gesundheitlich angeschlagen ist, und Richard von Weizsäcker ließen sich entschuldigen.

Wenigstens plauderten auf den Besucherplätzen die beiden Frauen, die in Konkurrenz um den Titel als «First Lady» standen, freundlich miteinander: Bettina Wulff, die Frau des niedersächsischen Ministerpräsidenten, und Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Joachim Gauck. Auch Gauck selbst saß zu Beginn auf der Tribüne. Erst später ging er in den Plenarsaal hinunter.

Erstmals konnte die Wahl auch auf einer Großleinwand vor dem Reichstag verfolgt werden. Allerdings war das Interesse an der Wahl des neuen Staatsoberhaupts dann doch nicht so groß. Nur ein paar hundert Leute blieben stehen - kein Vergleich zur WM-Fanmeile gleich in der Nähe, wo am Samstag zum Spiel Deutschland-Argentinien 500 000 Leute erwartet werden.

Bundespräsident / Wahlen
30.06.2010 · 22:44 Uhr
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