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Analyse: Brüchiger Frieden nach der Schlammschlacht

Reifenproduktion bei ContinentalGroßansicht
Hannover/Herzogenaurach (dpa) - Die monatelange Schlammschlacht scheint vorbei zu sein - die wahren Probleme bei der Conti aber bleiben ungelöst. Der Frieden zwischen Continental und Großaktionär Schaeffler ist mehr als brüchig.

Der erbitterte Machtkampf hat viele Wunden hinterlassen, das Verhältnis zwischen den beiden Unternehmen ist zerrüttet. Und: Die neue und erweiterte Conti-Führung steht vor einer Herkulesaufgabe. Die Zukunft ist weiter unklar, der Autozulieferer braucht dringend frisches Geld. Im Wirtschaftsdrama könnte nach dem Sturz von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann bald ein neuer Akt folgen.

Ein Jahr nach Beginn der Übernahmeschlacht sind die beiden hoch verschuldeten Autozulieferer-Konzerne eigentlich keinen Schritt weiter. Nicht nur die insgesamt rund 200 000 Beschäftigten fragen sich, wohin die Reise geht: Wie schlimm ist die finanzielle Lage? Kommt es zu einer Fusion? Und was hätte diese für Folgen?

Stattdessen aber lieferten sich die beiden Konzerne monatelang ein Hauen und Stechen - und das mitten in der schwersten Krise der Automobilindustrie seit Jahrzehnten. Der Höhepunkt der Ränkespiele war die chaotische Aufsichtsratssitzung Ende Juli, als Schaeffler überraschend versuchte, Neumann zu stürzen - doch am Widerstand der Arbeitnehmervertreter scheiterte.

Auch die Gläubiger-Banken - allen voran Commerzbank-Chef Martin Blessing - wurden dem Vernehmen nach von dem Vorstoß kalt erwischt. Blessing spielt eine wichtige Rolle in dem Konflikt. Hinter den Kulissen jedoch wird kritisiert, die teilverstaatlichte Commerzbank habe zu lange mit einem Eingreifen in den Machtkampf gezögert, obwohl für das Institut Milliarden auf dem Spiel stehen.

Nach dem Eklat im Aufsichtsrat versuchten Unternehmen, Gewerkschaften, Banken und Politik mühsam, die Scherben wieder einzusammeln. In zahlreichen Telefonaten und Spitzengesprächen wurde schließlich ein Kompromiss erreicht, den der Aufsichtsrat am Mittwoch absegnete und der sich nun bewähren muss.

Die Lösung beschert der Conti nach noch nicht einmal einem Jahr Amtszeit Neumanns einen neuen Vorstandschef: Der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart soll Conti nun aus der Krise führen. Neumann tritt zurück. Er hatte das Vertrauen Schaefflers verloren. Im Gegenzug soll der umstrittene Schaeffler-Berater Rolf Koerfer seinen Posten als Conti-Aufsichtsratschef abgeben, und zwar laut Gewerkschaft IG BCE bis zur nächsten Sitzung des Gremiums Ende September.

In Aufsichtsratskreisen dagegen hieß es, Koerfer könne auch noch länger im Amt bleiben, er werde dieses aber definitiv abgeben. Koerfer soll dem Vernehmen nach um seinen Posten gekämpft haben. Doch die Forderung vor allem der Arbeitnehmervertreter war unmissverständlich: Wenn Neumann gehen muss, muss auch Koerfer als Chefaufseher weg. Koerfer soll dem Aufsichtsrat aber als Präsidiumsmitglied weiter angehören.

Der Start Degenharts als neuer Conti-Chef dürfte alles andere als einfach werden - gibt es doch in Hannover Vorbehalte gegen den 50-Jährigen, der einst als Chef der Conti-Tochter Teves im Streit gegangen war. Ex-Conti-Chef Wennemer lästerte bereits: «Continental braucht jetzt einen Unternehmer und keinen Bürokraten.»

Zur Nagelprobe für Degenhart und den um drei Conti-Manager erweiterten Vorstand wird die geplante Kapitalerhöhung bei der Conti. Zwar hatte der Conti-Aufsichtsrat auf Drängen Neumanns Ende Juli grünes Licht für die Vorbereitung einer Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro gegeben. Conti braucht frisches Geld, im August 2010 wird ein Kredit von 3,5 Milliarden Euro fällig.

Allerdings halten sich Spekulationen, dass Schaeffler einer Kapitalerhöhung immer noch skeptisch gegenüber steht. Die Kassen des Familienunternehmens aus Herzogenaurach sind leer. Bislang hält Schaeffler knapp unter 50 Prozent an Conti, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt - eine Kapitalerhöhung könnte für eine Verwässerung der Anteile sorgen.

Auto / Zulieferer
12.08.2009 · 22:07 Uhr
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