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Analyse: Beziehung zu Teenager stellt Karriere in Frage

Kiel (dpa) - Mit einer schweren Führungskrise endet für die schleswig-holsteinische CDU die Sommerpause: Neun Monate vor der Landtagswahl droht der als Spitzenkandidat vornominierte Christian von Boetticher (40) an einem früheren Liebesverhältnis zu einer damals 16-Jährigen zu scheitern.

Gerüchte über eine solche Liaison des damals unverheirateten Landes- und Fraktionsvorsitzenden hatten in den vergangenen Tagen immer weitere Kreise gezogen. In der Partei machten sich Unruhe und Unverständnis breit, am Wochenende baute sich wachsender Rücktrittsdruck auf von Boetticher auf. Das Krisenmanagement lief auf Hochtouren, die Telefondrähte glühten.

Rechtlich ist eine intime Beziehung zu einer 16-Jährigen zweifelsfrei zulässig. Es könne allenfalls um moralische oder politische Beurteilungen gehen, sagte der persönliche Berater von Boettichers. In der zum Teil immer noch deutlich konservativen Partei ist ein solches Verhältnis für viele offenkundig nicht tolerabel.

«Das geht einfach nicht. Das kann man der Partei und der Bevölkerung insgesamt nicht zumuten», sagte am Sonntag ein einflussreicher Christdemokrat, der ein Aus für den Juristen von Boetticher als Spitzenkandidat und CDU-Landeschef für unvermeidlich hielt. Das war bei weitem keine Einzelmeinung.

Sollte der 40-Jährige nicht selbst seinen Rückzug anbieten, «dann würden wir ihn zwingen», hieß es aus Führungskreisen der Nord-CDU. Laut NDR sagte der Plöner Kreisvorsitzende Peter Sönnichsen, wenn sich die Beziehung bewahrheite, sei von Boetticher nicht mehr zu halten. Via Twitter und Facebook - über das soziale Netzwerk soll der damalige Kontakt mit der Jugendlichen zustande gekommen sein - wurde das Ganze am Sonntag lebhaft kommentiert.

Von Boetticher hatte auch parteiintern immer Kritiker. Doch nachdem Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (64) den schon lange als «Kronprinzen» gehandelten ehemaligen Landwirtschaftsminister zum Spitzenkandidaten vorschlug, schien alles klar. Zuvor waren Wirtschaftsminister Jost de Jager (46) und Landtagspräsident Torsten Geerdts (48) als mögliche Alternativen zu von Boetticher im Gespräch.

Neuer Unmut flammte aber Ende Juli auf, als von Boetticher der Nachrichtenagentur dpa auf die Frage nach Kritik aus der eigenen Partei sagte: «Die Menschen wollen mit ihrer Kritik ja nichts Gutes, sondern ihren Frust loswerden.» Der Satz löste einige Empörung aus.

Und nun die Liebesaffäre mit einer Minderjährigen, die nach Angaben eines persönlichen Beraters im Frühjahr 2010 endete. Ministerpräsident Carstensen sagte der Zeitung «Schleswig-Holstein am Sonntag», der Vorgang habe «mehr als eine nur rechtliche Dimension». Er gehe davon aus, dass von Boetticher die richtigen Schlüsse zieht.

Anders als lange spekuliert, hatte Carstensen seinem Wunsch- Nachfolger nicht mit einem Rücktritt noch während dieser Legislaturperiode vorzeitig den Weg auf den Chefsessel der Landesregierung gebahnt. In Kiel, wo die CDU seit 2009 gemeinsam mit der FDP regiert, wurden immer wieder Zweifel gestreut, ob von Boetticher bei einer Ministerpräsidentenwahl im Landtag alle Stimmen der Koalition bekommen hätte. An nur einem Abweichler wäre er gescheitert, weil das schwarz-gelbe Bündnis im Parlament nur eine Stimme mehr hat als die Opposition.

Wer die CDU-Fraktion bis zur Landtagswahl im Mai kommenden Jahres führen wird, ist jetzt eine weitere spannende Frage in der an ungewöhnlichen Vorfällen so reichen Geschichte der schleswig- holsteinischen Landespolitik.

Parteien / CDU / Schleswig-Holstein
14.08.2011 · 21:21 Uhr
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