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Analyse: Benedikt will raschen Neuanfang

Papst Benedikt XVI.Großansicht
Rom/Augsburg (dpa) - Das war zügig. Vatikanische Mühlen mahlen sonst langsam, und so mancher Bischof muss monatelang darauf warten, ob der Papst sein Rücktrittsgesuch nun annimmt oder nicht. Im Fall des Walter Mixa dauerte es indessen gerade zweieinhalb Wochen.

Der Papst aus Bayern hat dem Bischof aus Schwaben einen «schwerwiegenden Grund» für seinen Amtsverzicht bescheinigt und damit einen schnellen Schlussstrich zu ziehen versucht. Sicherlich war die zuvor so rasch eingefädelte Privataudienz des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, im Vatikan hilfreich und beschleunigend. Zumal Benedikt von den neuen Vorwürfen gegen Mixa gewusst haben soll.

Im Zuge der sich häufenden Skandale in den Kirchen Irlands, Deutschlands und auch anderswo steigt die Zahl jener Bischöfe an, die ihren Hut nehmen wollen oder müssen. «Das ist die vom Heiligen Vater angekündigte "Null Toleranz"», erklärt der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper die Politik des Papstes: «Es ist die katholische Kirche, die jetzt in ihrem Inneren saubermacht, die sich reinigt und um Vergebung bittet», meinte der Schwabe Kasper unlängst in einem Interview. Nicht nur Worte, mehr Fakten und Taten.

Transparenz und der versuchte Neuanfang einer Kirche in schwerer See, das ist genau Benedikts Losung. Auf Malta kam der Pontifex im April mit Missbrauchsopfern zusammen, betete mit ihnen, Augen wurden feucht. Er habe den maltesischen Männern versichert, dass die Kirche alles in ihrer Macht stehende tue, «um Anschuldigungen zu prüfen, um Verantwortliche der Justiz zuzuführen und um wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die junge Menschen in der Zukunft schützen sollen.» Das sagte Benedikt am 21. April bei der Generalaudienz in Rom. Es war der Tag, an dem der Augsburger Mixa ihn um seine Ablösung bitten sollte.

Doch wie in der irischen Kirche nach tausenden Missbrauchsfällen wird das ein extrem schwerer Neuanfang. In Augsburger Bistum steht man vor einem Scherbenhaufen. Weihbischof Anton Losinger ist äußert besorgt über die vielen Kirchenaustritte im Bistum. Diese haben sich, verglichen mit «normalen Zeiten», verdreifacht. Zudem ist das Bistum tief gespalten in Mixa-Anhänger und Kritiker. Die Vorwürfe gegen Mixa haben Gläubige und Priester gleichermaßen verunsichert.

Es kommt aber aus Kirchenkreisen auch deutliche Kritik am Domkapitel. Die Schuld für die Misere dürfe nicht allein Mixa angelastet werden. Viele hätten von Missständen beispielsweise in der Öffentlichkeitsdarstellung des Bistums Bescheid gewusst, sich aber abgewandt. Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates Helmut Mangold: «Das Domkapitel war in den letzten Jahren abgetaucht.»

Generalvikar Karlheinz Knebel wies am Samstag noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass der Vorwurf wegen sexuellen Missbrauchs gegen Mixa vom Bistum an die Münchner Generalstaatsanwaltschaft herangetragen worden war: «Damit hat das Bistum, in Übereinstimmung mit den Leitlinien der deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahre 2002, die Verantwortung übernommen, gehandelt und einen Verdachtsfall ohne Ansehen der Person zur Anzeige gebracht.» Danach waren die Vorermittlungen der Staatsanwälte ins Rollen gekommen. Das Bistum handelte auch ganz im Sinne Benedikts.

Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs in Mixas Zeit als Eichstätter Bischof soll Zollitsch und Münchens Erzbischof Reinhard Marx bereits bekanntgewesen sein, als sie Ende April zum Papst nach Rom gefahren sind. Und dieser Vorwurf dürfte wohl eine entscheidende Rolle für die Annahme des Rücktritts von Walter Mixa gespielt haben.

Wobei sich dieser - wie es heißt - wegen gesundheitlicher Probleme in der Schweiz pflegen lässt. Benedikt jedenfalls hat Mixas Abgang mit dem Artikel 401, Paragraf 2 des kanonischen Rechts begründet - danach ist der Ruhestand eines Geistlichen wegen Krankheit oder «anderer schwerwiegender Gründe» möglich. Da kann also doch einiges zusammenkommen.

Ausgestanden ist mit dem Rücktritt nichts, auch jenseits deutscher Grenzen nicht: Am Samstag nahm Benedikt auch noch die belgischen Bischöfe ins Gebet - nach einem Missbrauchsfall dort. Von der Sünde heimgesucht sei die Kirche, «und allein Christus kann jeden Sturm beruhigen» - darauf muss also sogar ein Papst vertrauen.

Kirchen / Kriminalität / Vatikan
08.05.2010 · 22:01 Uhr
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