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Analyse: Attac profitiert von Finanzcrash

Globalisierungskritiker, die bislang die G8-Gipfel ins Visier nahmen, werden wohl ihre Kritik künftig gegen die G20 richten.Großansicht
Frankfurt/Main (dpa) - Die weltweite Finanzkrise bringt Globalisierungskritikern Aufwind. Auch beim G20-Weltfinanzgipfel in Pittsburgh wollen sie sich zu Wort melden.

Das europäische Netzwerk Attac ist mit einigen Mitgliedern in die USA gereist. Dort wollen sie sich an «zivilgesellschaftlichen Gegenaktivitäten» beteiligen, wie die Sprecherin von Attac Deutschland, Frauke Distelrath, berichtet.

Das Bündnis «People's Voice» werde von einer Zeltstadt in einem der ärmeren Distrikte Pittburghs aus eine Art Gegengipfel organisieren. Prominentester Teilnehmer ist Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, Vorsitzender einer UN-Kommission zur Finanzkrise.

Seit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 verzeichnet das globalisierungskritische Netzwerk Attac in Deutschland steigende Mitgliederzahlen. Von 18 597 Unterstützern Ende 2007 stieg die Zahl auf 21 705 bis Ende Juni dieses Jahres - ein Plus von fast 17 Prozent. «Attac lebt schon von den Krisenzyklen des Kapitalismus», sagt der Kasseler Politik-Professor Christoph Scherrer. Die Menschen fühlten sich bedroht und wüssten nicht so genau «wo es lang geht». Da sei eine Organisation wie Attac «auch ein bisschen eine virtuelle und ortsversetzte Bildungsstätte». Auch auf der Ebene der Führungskräfte habe ein Nachdenken eingesetzt.

Attac setzt sich für eine «ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung» ein. 1998 in Frankreich angetreten, hat sich die Organisation seitdem stetig weiterentwickelt. Die Eintritte hätten stets die Zahl der Austritte überwogen, sagt Sprecherin Distelrath, «auch wenn die Kurve zwischenzeitlich abflachte». Die G8-Proteste 2007 hätten sich in der Mitgliederentwicklung ähnlich positiv ausgewirkt wie die aktuelle Finanzkrise.

Die zunehmende weltweite Verflechtung in allen Bereichen von der Wirtschaft über Umwelt und Kultur lässt die Schere zwischen Arm und Reich immer größer werden. Trotzdem spielt das im Bundestagswahlkampf fast keine Rolle. «Der Wahlkampf ist eher innenpolitisch ausgerichtet», konstatiert Distelrath. Auch dem Politikwissenschaftler Scherrer fehlt das Thema Globalisierung bis auf den Aspekt der Finanzkrise im Wahlkampf. Es werde eh so wenig debattiert: «Zwischen den Koalitionspartnern wird ja nicht wirklich diskutiert.»

Zudem sei das Thema Globalisierung zu schwierig, um es jedem nahezubringen. Man müsse konkret machen, wie mit den Finanzmärkten als erstem Ansatzpunkt künftig umzugehen sei. Ein Konzept könnte sein, die Finanzaufsicht zu stärken und sie gleichzeitig transparenter zu machen. Attac-Vertreterin Distelrath wird konkreter: «Wir wollen, dass die zur Kasse gebeten werden, die von der Liberalisierung der Finanzmärkte profitiert haben. Deshalb wollen wir auch eine einmalige Sonderabgabe auf große Geldvermögen, um die Krisenfolgen zu finanzieren.» Sie beschreibt Attac nicht als eine Versammlung von Globalisierungsgegnern: «Wir wollen eine andere Globalisierung.»

Verbände / G20 / Gipfel
25.09.2009 · 06:36 Uhr
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