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Analyse: 1000 Transporter, aber keine Kampfhubschrauber

Kampfhubschrauber «Tiger»Großansicht
Berlin (dpa) - 10 Schützenpanzer, fast 1000 teils stark geschützte Transportfahrzeuge, 14 Flugzeuge und 8 Transporthubschrauber: Die Bundeswehr hat in Afghanistan in den vergangenen acht Jahren kontinuierlich aufgerüstet.

Trotzdem ist nach dem blutigen Karfreitag, an dem drei Soldaten getötet und acht verletzt wurden, eine Debatte entbrannt, ob das Material für den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban ausreicht. Auch über die Wirksamkeit der Ausbildung wird heftig diskutiert.

Welche Panzer und geschützten Fahrzeuge hat die Bundeswehr in Afghanistan?

Zehn der vor mehr als 30 Jahren entwickelten Schützenpanzer «Marder» stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Erstmals im Gefecht eingesetzt wurden sie im vergangenen Sommer im Unruhegebiet um Kundus. Am schwarzen Karfreitag kamen sie auch zum Einsatz. Einer der «Marder» war an dem tragischen Vorfall beteiligt, bei dem sechs afghanische Soldaten versehentlich von der Bundeswehr getötet wurden.

Schwerere Geschütze wie die Panzerhaubitze 2000 kommen in Afghanistan nicht zum Einsatz. Kritiker meinen, das könnte auch politische Gründe haben. «Man scheut sich offenbar, schwerere Waffen einzusetzen», heißt es aus dem Bundeswehrverband.

Neben den Schützenpanzern hat die Bundeswehr rund 970 zum Teil stark geschützte Transportfahrtzeuge im Einsatzgebiet. Darunter sind 100 «Fuchs»-Transportpanzer für zehn Personen und etwa 210 kleinere «Dingos». Hinzu kommen 400 weniger geschützte Geländewagen vom Typ «Wolf», sowie weitere Fahrzeuge vom Kran bis zum Tanklaster.

Wie wird die Truppe aus der Luft unterstützt?

Die Bundeswehr hat acht Transporthubschrauber vom Typ «Sikorsky CH-53» und acht «Transall»-Transportflugzeuge, die bereits in den 60er Jahren eingeführt wurden, in Afghanistan. Für die Aufklärung aus der Luft stehen sechs Recce-Tornados zur Verfügung. Die zwei Bordkanonen dürfen nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden.

Luftunterstützung bei Gefechten wird in der Regel von den US-Streitkräften geleistet. Sie wurde auch am Karfreitag angefordert. Die Kampfjets kreisten aber über dem Einsatzgebiet, ohne mit Waffen in die Kämpfe einzugreifen. Dem Abwurf von Bomben ist ein kompliziertes Verfahren vorgeschaltet. Damit soll die Möglichkeit gering gehalten werden, dass Zivilisten zu Schaden kommen. Die Taliban wissen das. Sie greifen in der Regel in oder am Rande von Ortschaften an und missbrauchen Zivilisten zumindest indirekt als Schutzschilder.

Warum hat die Bundeswehr keine Kampfhubschrauber?

Der deutsch-französische Kampfhubschrauber «Tiger» sollte eigentlich längst einsatzbereit sein. Wegen technischer Probleme werden neun Exemplare aber immer noch von der Bundeswehr erprobt. Bis der erste eingesetzt werden kann, dauert es wahrscheinlich bis Ende nächsten Jahres. Bestellt hat die Bundeswehr insgesamt 80 Exemplare.

Frankreich ist da schon weiter. Seit Sommer 2009 sind drei «Tiger» für die französischen Streitkräfte in Afghanistan im Einsatz. Dabei handelt es sich um eine andere Version, die mit anderen Waffen ausgestattet ist. Innerhalb von sechs Monaten kamen die französischen «Tiger» in Afghanistan 240 Mal zum Einsatz.

Auch für die Bergung von Toten und Verletzten aus der Luft in einer Gefechtssituation ist die Bundeswehr nicht ausgerüstet. Am Karfreitag übernahmen diese Aufgabe US-Sanitätshelikopter vom Typ «Black Hawk». Sie konnten die drei Toten und acht Verletzten auch im Kugelhagel der Taliban aus dem Kampfgebiet ins sichere Camp Kundus fliegen.

Wie werden die Soldaten für den Einsatz in Afghanistan ausgebildet?

Die Ausbildung für den Afghanistan-Einsatz dauert in der Regel ein Jahr. Das heißt aber nicht, dass in dieser Zeit an jedem einzelnen Tag für den Einsatz geübt wird. Die Kritik, dass beispielsweise mit den im Inland vorhandenen Fahrzeugen kein ausreichendes Training gewährleistet werden könne, weist die Bundeswehr zurück. «Wir haben zwar nicht die Anzahl, die wir uns wünschen», sagt ein Heeressprecher. Aber man könne trotzdem «sicherstellen, dass die Ausbildung im Inland funktioniert».

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
06.04.2010 · 17:43 Uhr
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