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An der US-Küste wächst die Angst vor schwerem Öl

Ölteppich im Golf von MexikoGroßansicht
Washington (dpa) - Vier Wochen nach dem Untergang der Ölbohrinsel «Deepwater Horizon» wächst die Angst vor der ganz großen Ölverschmutzung. Wissenschaftler beobachteten am Mittwoch weltweit mit Sorge, wohin sich der Ölteppich im Golf von Mexiko verlagert.

Sie fürchten, dass das Öl neben den ohnehin bedrohten Küsten in der Golfregion bald auch Kuba, andere Zonen Floridas und den Atlantik erreichen kann. Zunächst gab die US-Küstenwache jedoch Entwarnung: Die am Wochenanfang in Florida angespülten Teerklumpen stammen nicht aus der weiter sprudelnden Ölquelle im Golf. Das ergaben Tests.

Dennoch sind die US-Behörden alarmiert. So räumte das Amt für Ozeanographie NOAA Gefahren für die Korallenriffe im Touristenstaat Florida ein. Das Amt befürchtet, dass die Ölmassen im Golf von Mexiko von einer Strömung erfasst und an die Ostküste der USA gespült werden. Ein Szenario, das nach Satellitenaufnahmen der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA bald eintreten könnte.

«Mit diesen Bildern aus dem Weltraum haben wir den sichtbaren Beweis, dass zumindest Öl auf der Wasseroberfläche die Strömung erreicht hat», sagte Bertrand Chapron vom französischen Meeresforschungsinstitut IFREMER am Mittwoch. Es sei wahrscheinlich, dass dies Öl binnen sechs Tagen Florida erreiche.

Fachleute nennen die Strömung «Loop Current». Die Strömung ist vergleichbar mit einer Straße aus warmem Wasser, die aus der Karibik in den Golf von Mexiko führt. Von dort geht's weiter an Kuba und dem Süden und Osten Floridas vorbei in den offenen Atlantik - als Golfstrom.

Im Bundesstaat Louisiana ist der Ernstfall schon eingetreten - dort wurde im Marschland am Mississippi eine dickflüssige schwarze Brühe gesichtet. «Das ist das erste Mal, dass wir so viel schweres Öl in unseren Feuchtgebieten sehen», sagte Gouverneur Bobby Jindal der Zeitung «Houston Chronicle». Die Region ist ökologisch empfindlich und bildet die wirtschaftliche Grundlage für die örtliche Fischindustrie.

Unter dem Druck der schlechten Nachrichten arbeitet BP weiter daran, der Katastrophe Herr zu werden. Der Konzern wolle die Öl- Quelle am Wochenende endlich komplett schließen. Am Samstag oder Sonntag starte der Versuch, schweren Schlamm in die seit vier Wochen sprudelnde Quelle in der Tiefe des Meeres zu pumpen.

Dabei sollen mehr als 6000 Liter pro Minute in die Öffnungen eines Ventilsystems gepresst werden, das über dem Hauptbohrloch installiert ist. BP hofft, das Loch dadurch zu verstopfen, um es dann mit Zement abzudichten.

US-Innenminister Ken Salazar sagte am Dienstag vor einem Senatsausschuss in Washington, die Methode sei von Wissenschaftlern und BP-Ingenieuren als die aussichtsreichste bezeichnet worden. Sollte dieser Versuch scheitern, werde das Unternehmen versuchen, statt des Bohrlochs das Ventilsystem selbst zu verstopfen. Dafür müsse es mit kleinen Gummiteilen beschossen werden.

Unterdessen scheiterte die US-Regierung mit ihrem Versuch, die Ölindustrie per Gesetz für Schäden stärker zur Kasse zu bitten. Bisher gilt für die Ölfirmen eine eher niedrige gesetzliche Obergrenze für Schadenersatz: Sie liegt bei 75 Millionen Dollar (rund 61 Millionen Euro). Experten rechnen aber mit einem Milliardenschaden durch die Ölpest - etwa für Fischer, Tourismus und Privatleute.

Zwei Demokraten hatten im Senat vorgeschlagen, die Obergrenze auf 10 Milliarden Dollar hochzusetzen. Die US-Regierung unterstützt diesen Vorschlag, allerdings ohne eine genaue Summe zu nennen. Doch die oppositionellen Republikaner blockierten die Gesetzesvorlage am Dienstag im Kongress zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage, weil sie den Wettbewerb verzerre. Sie sagen, kleine Öl-Unternehmen würden durch solch hohe Schadenersatzforderungen in den Ruin getrieben, während große Konzerne diese Summen ohne Probleme zahlen könnten. US- Präsident Barack Obama zeigte sich enttäuscht.

Am 22. April war die Ölbohr-Plattform nach mehreren Explosionen untergegangen. Seitdem sprudelten täglich Hunderte von Tonnen Rohöl ins Meer. Einen Teil des Öls pumpt BP mittlerweile nach eigenen Angaben aus einem Leck in rund 1500 Metern Tiefe hoch in einen Tanker. Die genaue Menge des auslaufenden Öls ist aber unklar. BP gab den Wert lange mit etwa 700 Tonnen pro Tag an. Etwa zwei Fünftel würden davon derzeit abgefangen, die Menge soll täglich etwas gesteigert werden. Einige Fachleute vermuten, dass viel mehr Öl aus den Lecks sprudelt.

Umwelt / USA
19.05.2010 · 17:56 Uhr
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