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Amerika nimmt Abschied vom «Löwen des US-Senats»

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Washington (dpa) - Amerika hat in tiefer Trauer Abschied von Edward Kennedy genommen: Mit der Beerdigung des langjährigen US-Senators auf dem Nationalfriedhof in Arlington (US-Bundesstaat Virginia) gingen am Samstagabend drei Tage bewegender Gedenkfeiern zu Ende.

Er wurde an der Seite der Gräber seiner ermordeten Brüder John F. Kennedy und Bob Kennedy bestattet. US-Präsident Barack Obama würdigte den mit 77 Jahren gestorbenen Demokraten als «Seele der demokratischen Partei» und «Löwen des US- Senats». Ted Kennedy sei als Senator zum «größten Parlamentarier unserer Zeit geworden», sagte Obama bei einem Trauergottesdienst am Samstagmorgen in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts). «Teddy» sei sein «Kollege, Mentor und Freund» gewesen. Der Senator war am Dienstagabend an einem Gehirntumor gestorben.

Zu den 1500 dicht gedrängten Teilnehmern der Feier in der katholischen Basilika «Our Lady of Perpetual Help» gehörten die ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton - in Begleitung seiner Frau, US-Außenministerin Hillary Clinton - und George W. Bush. Unter der Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur befanden sich auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger und Hollywoodstar Jack Nicholson. Kinder, Enkel und Neffen Ted Kennedys gestalteten - zum Teil mit Tränen erstickter Stimme - den Gottesdienst zu Ehren des Senators von Massachusetts mit. Die Söhne Ted Kennedy jr. und Patrick Kennedy schilderten sichtlich aufgewühlt und um Fassung ringend ihren Vater als fürsorglich, liebevoll und immer ermutigend.

Opernstar Placido Domingo sang, von dem berühmten Cellisten Yo-Yo Ma begleitet, «Panis Angelicus», komponiert von César Franck. Die Opernsängerin Susan Franck bot das «Ave Maria» von Franz Schubert dar.

Kennedy sei ein Mann mit Überzeugungen und Humor gewesen, den auch die politischen Gegner respektiert hätten, betonte Obama. Bei mehr als tausend Gesetzen habe der Senator mitgewirkt. Ted Kennedy sei «vom Baby der Familie zu ihrem Patriarchen geworden». Er sei nie der Repräsentant der Reichen und Mächtigen gewesen, «er gab denen eine Stimme, die nicht gehört wurden».

Schon am Freitag hatten Verwandte, Parteifreunde und Oppositionspolitiker bei einer Gedenkveranstaltung den US-Senator als einen der Heroen der amerikanischen Politik gewürdigt. Vizepräsident Joe Biden nannte ihn in der John F. Kennedy-Gedenkstätte in Boston ein Vorbild an Uneigennützigkeit und Lebensmut. Er glaube nicht, dass mit dem Tod des Senators die «Ära Kennedy» vorbei sei. Nach wie vor bildeten die Kinder der Generation von John F., Bob und Edward Kennedy «eine unglaubliche Familie..., talentierter und engagierter als jede andere Familie, die ich gesehen habe».

Mehrere US-Senatoren gedachten bei der über dreistündigen Veranstaltung des Verstorbenen. «Wir waren meistens unterschiedlicher Meinung. Aber ich habe ihn bewundert für seine Überzeugungen, seine Geduld bei der harten, manchmal langweiligen Arbeit der Gesetzgebung», sagte der republikanische Senator John McCain, der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2008. Kaum ein anderer Senator habe den Lauf der Geschichte der USA mehr verändert, meinte der demokratische Senator John Kerry.

Auf der Veranstaltung mit dem Titel «Ein Fest für das Leben» zeichneten Verwandte und Spitzenpolitiker mit zahlreichen Anekdoten ein oft heiteres Bild des «liberalen Löwen aus Massachusetts». Chöre und Sänger komplettierten die Gedenkfeier. Schon seit Donnerstag hatten mehr als 50 000 Menschen dem Senator an seinem aufgebahrten Sarg in der John F. Kennedy Bibliothek die letzte Ehre erwiesen.

An der privaten Zeremonie bei der Beerdigung auf dem Friedhof von Arlington an der Stadtgrenze zu Washington nahmen Angehörige und engste Freunde teil. Die großen US- Fernsehstationen übertrugen trotz der angebrochenen Dunkelheit die nur vage sichtbaren Begräbnis- Feierlichkeiten - ebenso wie den Gedenkgottesdienst am Vormittag in Boston - live.

Nach dem Tod seiner beiden in den 60er Jahren ermordeten Brüder galt Edward als Oberhaupt seines Familien-Clans. Er saß 47 Jahre ununterbrochen im US-Senat und wurde zu einem der politischen Schwergewichte Amerikas. Nur zwei Senatoren in der US-Geschichte waren länger im Amt als Kennedy. Er galt in Washington politisch als entschiedener Liberaler - auf deutsche Verhältnisse übertragen wohl linksliberal und sozialdemokratisch. Er vertrat vor allem Interessen der Arbeitnehmer, der Unterprivilegierten und Armen. Seine Ambitionen, Präsident der mächtigsten Nation der Welt zu werden, zerschlugen sich, als er 1969 einen Unfall verursachte, bei dem seine Begleiterin in einem Fluss ertrank, und sich erst Stunden später bei der Polizei meldete.

Innenpolitik / Leute / USA
30.08.2009 · 14:38 Uhr
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