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Altkanzler Helmut Kohl feiert 80. Geburtstag

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Berlin/Ludwigshafen (dpa) - Reiter, Jagdhornbläser und 500 singende Junge-Union-Mitglieder haben Altkanzler Helmut Kohl zum 80. Geburtstag vor seinem Haus in Oggersheim einen Überraschungsempfang bereitet.

Der langjährige CDU-Vorsitzende kam dafür im Rollstuhl vor die Tür. Er äußerte sich nicht. Er feierte am Samstag zurückgezogen im kleinen Freundeskreis. Die zentrale offizielle Feier mit rund 1000 internationalen Gästen ist am 5. Mai in seiner Geburtsstadt Ludwigshafen geplant. Politiker aus dem In- und Ausland würdigten Kohl vor allem für seine Verdienste um die Deutsche Einheit.

Kohl verfolgte die Auftritte vor seinem Haus von der Tür aus. Während der Musikstücke wippte er mit dem Fuß. Die JU stimmte für ihn mit dem populären Dirigenten Gotthilf Fischer die Nationalhymne an. Kohl war sichtlich gerührt. Schaulustige und Fotografen verfolgten die Szene. JU-Chef Philipp Mißfelder würdigte Kohl als politischen Großvater. Auf einem Transparent war zu lesen: «Immer unser Kanzler». Kohl war 16 Jahre Bundeskanzler und 25 Jahre CDU-Vorsitzender.

Sprechen und Laufen fällt Kohl noch schwer

Kohl erklärte in der «Bild»-Zeitung, es wäre übertrieben zu sagen, «es geht mir richtig gut». Bei einem Sturz 2008 hatte er ein Schädel- Hirn-Trauma erlitten. Das Sprechen und das Laufen falle ihm immer noch schwer, sagte er. Er wünsche sich zum Geburtstag, «dass ich mit meiner Frau noch viele schöne und gute Jahre habe». Die Spendenaffäre, die 1999 zum Bruch von Teilen der Partei mit ihrem Übervater Kohl geführt hatte, bezeichnete er als «Schicksalsschlag».

Medwedew würdigt Kohl für Neustart deutsch-russischer Beziehungen

Politiker aus dem In- und Ausland würdigten vor allem Kohls Verdienste um die Deutsche Einheit und die europäische Einigung. Der russische Präsident Dmitri Medwedew schrieb in einem Glückwunschtelegramm, Kohl habe als Bundeskanzler zu einem Neustart der deutsch-russischen Beziehungen beigetragen. Das Verhältnis stütze sich heute auf einen vertrauensvollen Dialog.

Auf der von der CDU geschalteten Internetseite www.helmut- kohl.cdu.de trugen sich Tausende Gratulanten ein. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel schickte ihm auf diesem Weg eine Videobotschaft, in der sie erneut Kohls Leistungen um die Deutsche Einheit hervorhob. Sie erinnerte an ein Treffen von Kohl mit dem DDR- Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker in Bonn 1987. Kohl habe damals gesagt, das Bewusstsein für die Einheit der Nation sei wach und der Wille dazu ungebrochen. Das habe DDR-Bürger weiter hoffen lassen.

«Ohne meine Frau wäre mein Leben heute sehr viel weniger lebenswert»

Zu den Folgen seines Sturzes vor rund zwei Jahren von der Treppe in seinem Haus sagte Kohl der «Bild»-Zeitung (Samstag): «Über Wochen war ich kaum ansprechbar, jede Bewegung war eine enorme Kraftanstrengung, vom Laufen ganz zu schweigen.» Kohl betonte: «Wenn meine Frau nicht gewesen wäre, wäre ich nicht mehr am Leben, und wenn sie nicht bei mir wäre, wäre mein Leben heute sehr viel weniger lebenswert.»

Kohl hatte sieben Jahre nach dem Freitod seiner Frau Hannelore, die an einer unheilbaren Lichtallergie litt, 2008 die wesentlich jüngere Regierungsdirektorin Maike Richter geheiratet. Auf die Frage der «Bild»-Zeitung, was die schwerste Stunde in seinem Leben gewesen sei, antwortete Kohl: «Es gab manche schwere Stunde in meinem Leben, und da bin ich wieder bei den Schicksalsschlägen: Mein schwerer Sturz vor zwei Jahren, der Freitod meiner verstorbenen Frau Hannelore vor neun Jahren und die sogenannte Spendenaffäre gehören sicher dazu.»

Frage des Ehrenvorsitzes stellt sich für Kohl «im Moment» nicht

Kohl war von 1982 bis 1998 Kanzler und führte die CDU von 1973 bis 1998. Den Ehrenvorsitz hatte er Anfang 2000 nach knapp zwei Jahren auf Druck der Parteispitze wegen der CDU-Spendenaffäre zurückgegeben. Er hatte sich geweigert die Namen der Spender zu nennen, von denen er Geld am Gesetz vorbei angenommen hatte. Bis heute schweigt er dazu. Der «Bild» sagte er zu Forderungen aus der CDU, ihm den Ehrenvorsitz wieder anzutragen: «Diese Frage stellt sich für mich im Moment nicht». Merkel hatte zuvor gesagt: «Diese Frage stellt sich nicht mehr.»

Unter Kohls Gästen in Oggersheim waren der frühere sowie der heutige baden-württembergische Ministerpräsident, Erwin Teufel und Stefan Mappus (beide CDU), und der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann.

Parteien / CDU / Personalien
03.04.2010 · 18:03 Uhr
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