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Alternativer Nobelpreis für Klimaschützer

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Stockholm (dpa) - Nach der sensationellen Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama gehen die Alternativen Nobelpreise an Kämpfer für den Klimaschutz, die nukleare Abrüstung sowie gegen armutsbedingte Krankheiten.

Die Gynäkologin Catherine Hamlin behandelt auch mit 85 Jahren weiter arme äthiopische Frauen in Addis Abeba an Geburtsfisteln. Der Biologe René Ngongo aus dem Kongo kämpft unter Lebensgefahr für die Erhaltung des wichtigsten Regenwaldes nach Brasilien. Der Neuseeländer Alyn Ware setzt sich für eine atomwaffenfreie Welt ein. Und David Suzuki propagiert in Kanada seit 30 Jahren in einem erfolgreichen TV-Magazin praktische Schritte gegen die drohende Klimakatastrophe.

US-Präsident Obama hatte vergangene Woche völlig überraschend den Friedensnobelpreis für seine auf Diplomatie und friedliche Zusammenarbeit gerichtete Politik bekommen. Die Alternativen Nobelpreise gehen auf eine Stiftung des deutsch-schwedischen Publizisten und Philatelisten Jakob von Uexküll (65) im Jahr 1980 zurück. Sie verstehen sich auch als Kritik an den traditionellen Nobelpreisen, die ganz überwiegend an Preisträger aus der reichen westlichen Welt gehen.

Zu den Vergaben dieses Jahres hieß es: «Die Preisträger zeigen konkret, was getan werden muss, um den Klimawandel zu begrenzen, die Welt von Atomwaffen zu befreien und um lebenswichtige medizinische Behandlung auch für die Armen und Benachteiligten bereitzustellen.»

Der Zoologe und TV-Moderator David Suzuki (73) erhielt den nicht dotierten Ehrenpreis für mehr als 20 Jahre Aufklärungsarbeit über die Gefahren des Klimawandels. Er leitet das in Kanada populäre Wissenschaftsmagazin «The Nature of Things» («Die Natur der Dinge»). Die Stiftung «Right Livelihood Award» («Preis für richtige Lebensführung») hob seinen Einsatz «für die soziale Verantwortung der Wissenschaft» heraus.

Bei der 30. Vergabe der Alternativen Nobelpreise gingen zwei mit je 50 000 Euro dotierte Preise für Leistungen beim Klimaschutz und gegen Krankheit durch Armut nach Afrika. Der Biologe René Ngongo (geboren 1961) wurde für seinen Einsatz zur Bewahrung des Regenwaldes im Kongo ausgezeichnet. Stiftungs-Direktor Ole von Uexküll sagte über die Vergabe: «Dies ist ein Mann, der unter unglaublicher Gefahr für sein Leben für den zweitwichtigsten Regenwald der Welt kämpft.» Ngongo habe auch in den schlimmsten Kriegswirren in seinem Land genau dokumentiert, wer für Zerstörungen verantwortlich sei. Die Umweltschutzorganisation WWF gratulierte dem Preisträger. Die Wahl Ngongos zeige, wie wichtig die Erhaltung des Regenwaldes für das Weltklima und die betroffenen Menschen ist, hieß es in einem Statement.

Die 85-jährige, in Australien geborene Gynäkologin Catherine Hamlin behandelt in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba seit 50 Jahren an Geburtsfisteln leidende Frauen und dafür neue Operationstechniken entwickelt. Damit habe Hamlin «die Gesundheit, Hoffnung und Würde von Tausenden ärmster afrikanischer Frauen wiederhergestellt», hieß es in der Begründung. Geburtsfisteln entstehen bei Müttern nach sehr langen Wehen und führen zu Inkontinenz und damit zu gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Der neuseeländische Pädagoge Alyn Ware (geboren 1962) wird für seinen Einsatz für eine von Atomwaffen freie Welt ausgezeichnet. Ware hat über 25 Jahre in seiner Heimat und im Rahmen der Vereinten Nationen Erziehungsprogramme und Kampagnen zur nuklearen Abrüstung entwickelt. «Wir hoffen, dass sich auf diesem Gebiet mit der Politik von US-Präsident Barack Obama neue Fenster öffnen», meinte Ole von Uexküll. Insgesamt seien die Preise ein «Weckruf, unsere gemeinsame Zukunft zu sichern». Im vergangenen Jahr war einer der Preise an die Münchner Gynäkologin Monika Hauser vergeben worden, die sich für Frauen als Opfer sexueller Gewalt in Kriegen einsetzt.

Auszeichnungen / Nobelpreise / Schweden
13.10.2009 · 14:04 Uhr
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