News
 

Alt-Rassist eröffnet Feuer im Holocaust-Museum

Schießerei in WahingtonGroßansicht
Washington (dpa) - Gewalt und Chaos an einer stillen Stätte des Gedenkens: Ein 88-jähriger von Hass zerfressener Rassist hat am Mittwoch im Washingtoner Holocaust-Museum das Feuer eröffnet und einen Sicherheitsbeamten getötet.

Zwei andere Wachleute schossen den Angreifer nieder und verhinderten damit weiteres Blutvergießen. Unter den Museumsbesuchern, darunter zahlreiche Familien und Schulkinder, brach Panik aus. Viele Menschen warfen sich schutzsuchend auf den Boden oder flüchteten schreiend in andere Räume.

Der als James von Brunn identifizierte Schütze war seit langem als Antisemit, Holocaust-Leugner, Hitler-Verehrer und Schwarzen-Hasser bekannt. Von einer Kugel ins Gesicht getroffen befand er sich am Donnerstag in einem «kritischen Zustand» in einem Krankenhaus. Die Justiz klagte ihn am Donnerstag offiziell wegen Mordes an. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann allein war und ohne Helfer handelte.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich bestürzt von der Tat. Der Vorfall «erinnert uns daran, dass wir wachsam sein müssen gegenüber Antisemitismus und Vorurteilen aller Art», hieß es in einer am Mittwochabend (Ortszeit) veröffentlichten Erklärung. Obama hatte erst Ende vergangener Woche in Deutschland die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar besucht. Das Holocaust-Museum im Herzen der US-Bundeshauptstadt wird jedes Jahr von rund 1,7 Millionen Menschen aus aller Welt aufgesucht.

Von Brunn hatte das Museum um kurz vor 13 Uhr mit einem Gewehr in der Hand betreten und in Sekundenschnelle das Feuer auf den Wachmann am Eingang eröffnet. Der 39-Jährige hatte keine Gelegenheit mehr, seine Waffe zu ziehen. Er wurde in die Brust getroffen und starb wenige Stunden später in einem Krankenhaus. Seine Kollegen reagierten blitzschnell und erwiderten das Feuer: Der Schütze wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen.

Die Polizei fand später im Auto des Schützen ein Notizbuch mit einer Liste anderer Gebäude, darunter die Kathedrale in Washington. Bombenspezialisten durchsuchten sie nach möglichen Sprengstoffpaketen, fanden aber nichts.

Mittlerweile sickerte immer mehr durch über diesen Mann. Demnach ist Brunn ein «eingefleischter» Rechtsradikaler, in dem der Hass insbesondere gegen die Juden, die Schwarzen und auch die Regierung der USA über lange Jahre brodelte und sich schon 1981 in Gewalt entlud. Damals war Brunn schwer bewaffnet ins Gebäude der US-Zentralbank eingedrungen, um Geiseln zu nehmen und damit seine Sichtweise propagieren zu können - darunter die Überzeugung, dass sich «internationale Banker» zur Übernahme der Weltherrschaft verschworen hätten. Er wurde von einem Sicherheitsbeamten überwältigt und verbüßte dann eine sechsjährige Gefängnisstrafe.

Er habe das einer «Neger-Geschworenenjury» und einem «Juden-Richter» zu verdanken, hieß es dazu später auf seiner Webseite, auf der er über lange Jahre seine Hasstiraden verkündete. Im Internet verbreitete Brunn zudem auf Hunderten von Seiten Verschwörungstheorien, etwa wilde Fantasiegespinste über jüdische Komplotte zur Ausrottung der weißen Rasse. Der Schütze gilt auch als Verfasser einer Internet-Botschaft, in der unterstellt wird, dass die «wahre» Abstammung des - schwarzen - Präsidenten Obama vor der Öffentlichkeit verborgen werde.

KORR-Ausland / USA / Kriminalität
11.06.2009 · 19:48 Uhr
[6 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen