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«Alles Waltz!» - Österreich feiert Oscar-Triumph

Christoph Waltz hat einen Oscar gewonnen.
Wien (dpa) - In kurzer Zeit ist Oscar-Gewinner Christoph Waltz in Österreich zum Nationalhelden mutiert: Sein Bild ziert Zeitungsartikel und Magazin-Cover, er gibt TV-Interviews, und sein Name ist von Wien bis Wattens ist in aller Munde.

Groß war der Jubel in der kleinen Alpenrepublik, als sich der 53-Jährige gegen Konkurrenten wie Matt Damon und Woody Harrelson durchsetzte und den Oscar in die Heimat holte. Es ist das erste Mal seit fast einem halben Jahrhundert, dass ein Österreicher für seine schauspielerische Leistung die begehrte Statuette erhält - das war zuletzt Maximilian Schell im Jahr 1961 für «Das Urteil von Nürnberg» gelungen.

«Alles Waltz! - Der unglaubliche Aufstieg des Christoph Waltz hat in der Nacht auf Montag seinen Zenit erreicht», schrieb die Kronen- Zeitung begeistert auf ihrer Internetseite. Andere Blätter sprachen von «Triumph» und bezeichneten den Darsteller als «Goldjungen». Bundespräsident Heinz Fischer lobte: «Eine große Fangemeinde in Österreich und auf der ganzen Welt freute sich über Ihre Auszeichnung.»

Die brillante Darstellung des sprachtalentierten SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Tarantinos Nazi-Satire «Inglourious Basterds» hat dem gebürtigen Wiener endlich auch im Heimatland den Ruhm gebracht, den er eigentlich schon lange verdient. Denn vor dieser Rolle war Waltz in Österreich für viele ein unbekanntes Gesicht und bestenfalls durch Auftritte in Krimiserien aufgefallen - trotz zahlreicher Filme, die ihm vor allem in Deutschland viele Preise eingebracht hatten.

Jetzt aber, nachdem er rund zwei Dutzend internationaler Preise eingeheimst hat, schaut Österreich mit unverhohlenem Stolz auf den berühmten Sohn: «Mit der diesjährigen Oscar-Verleihung ist Österreich endgültig zum Fixstern am internationalen Filmhimmel geworden», freute sich der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny - auch mit Blick auf den österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky, der 2008 für das KZ-Drama «Die Fälscher» den Oscar abgeräumt hatte.

Viele Wiener verfolgten die Oscar-Gala im Gartenbaukino. Jubel brach aus, als der Landsmann im Kodak Theatre von Penelope Cruz geehrt wurde. Insgesamt saßen nach Angaben des ORF noch 110 000 Österreicher vor den Bildschirmen, als Waltz um kurz vor 3.00 Uhr morgens die begehrte Auszeichnung erhielt.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Der zweifach nominierte deutsch-österreichische Streifen «Das weiße Band» ging am Ende leer aus. «Was soll ich denn jetzt groß sagen?», fragte Regisseur Michael Haneke, als er hinterher beim Eintreffen auf der Party von Fotografen und Fernsehkameras belagert wurde. «Wir hatten schon eine ernstzunehmende Hoffnung, dass wir gewinnen könnten, daher ist das schon eine etwas größere Enttäuschung», erklärte Filmemacher Tom Tykwer, Mitbegründer der deutschen Koproduktionsfirma X-Filme.

Über Waltz' Triumph freute sich Tykwer dennoch riesig. Er sei ein «hundertprozentiger Gewinner» gewesen, «der hätte eigentlich für den besten Hauptdarsteller nominiert werden müssen», lobte der Deutsche. Insgesamt hat nun zum 34. Mal eine der goldenen Hollywood-Statuetten einen österreichischen Namen eingraviert. Und Christoph Waltz hat endlich die Herzen seiner Landsleute erobert - obwohl er seit Jahren in Großbritannien lebt.

Film / Oscars / USA
08.03.2010 · 14:39 Uhr
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