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Alkoholverbot in U-Bahnen gefordert

Der brutale Angriff ereignete sich im Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße.Großansicht

Berlin/München (dpa) - Angesichts von Gewaltexzessen auf U-Bahnhöfen hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein bundesweites Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr gefordert. Das würde zu mehr Sicherheit beitragen, sagte der CSU-Politiker «Spiegel Online».

Nach dem brutalen Überfall vor wenigen Tagen auf dem Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße attackierten am Donnerstagmorgen erneut drei Angreifer in einem anderem Bahnhof der Hauptstadt einen 21-jährigen. Der junge Mann erlitt nach Angaben der Polizei Prellungen an Kopf und Händen sowie Schnitte und eine blutenden Verletzung an den Händen.

Der Vorfall auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über den Umgang mit jungen Gewalttätern ausgelöst. Ein Schläger im Alter von 18 Jahren hatte in der Nacht zum Ostersamstag einen 29-Jährigen mit heftigen Tritten gegen den Kopf so schwer verletzt, dass dieser das Bewusstsein verlor. Der Schüler räumte ein, er sei aggressiv gewesen, habe Streit gesucht und sei stark betrunken gewesen.

Bei dem neuen Fall wartete ein 21-Jähriger gegen 04.45 Uhr im Bahnhof Amrumer Straße im Stadtteil Wedding auf einen U-Bahnzug, als er laut Polizei von Unbekannten attackiert wurde. Die Schläger versuchten, dem Opfer die Halskette und ein Armband abzureißen. Auch sein Handy wollten sie rauben. Der Mann setzte sich zur Wehr. Daraufhin schlug das Trio auf den jungen Mann ein und verletzte ihn mit einem Messer. Als er auf dem Boden lag, traten die Angreifer laut Polizei gegen seinen Oberkörper und in Richtung seines Kopfes. Der 21-Jährige kam in ein Krankenhaus.

Der bayerische Innenminister Herrmann sagte: «Mittlerweile wurde in München und Nürnberg für die U- und Straßenbahnen ein Alkoholverbot erlassen. Dies sollte bundesweit Schule machen.»

Diskutiert wird auch ein Warnschussarrest für junge Gewalttäter. Das Bundesjustizministerium arbeitet an einem entsprechenden Gesetzentwurf. Der Warnschussarrest soll zur Abschreckung neben einer zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe angeordnet werden können.

Die Berliner Staatsanwaltschaft will den 18-Jährigen vom Bahnhof Friedrichstraße schnell vor Gericht bringen. Die Anklage wegen versuchten Totschlags soll in zwei bis drei Wochen fertig sein. Gegen den 18-Jährigen war Haftbefehl erlassen worden, er wurde aber von der Untersuchungshaft verschont. Dies hatte für Empörung gesorgt.

Auch ein zweiter 18-Jähriger soll wegen des Überfalls angeklagt werden - wegen gefährlicher Körperverletzung. Ihm wird der Angriff gegen einen Mann vorgeworfen, der sich einmischte und dem am Boden liegenden Opfer helfen wollte. Der Anwalt des Helfers aus Bayern teilte am Donnerstag mit, er habe bei der Berliner Staatsanwaltschaft vorsorglich Strafantrag gegen die 18-Jährigen gestellt. Der Helfer appellierte über seinen Anwalt, Gewaltüberfälle nicht tatenlos hinzunehmen: «Es ist so leicht, jemanden das Leben zu retten, wenn man hilft und nicht zusieht. Jeder kann helfen, vor allem gemeinsam.»

Indes wandte sich das Opfer der Gewaltattacke mit einem Brief an Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD). Es sei für ihn wie ein weiterer Tritt ins Gesicht, dass der Täter wieder freigelassen worden sei, schrieb der 29-Jährige. Die «Bild»-Zeitung druckte am Donnerstag einen Auszug aus dem Schreiben.

Erst im Februar war es in Berlin zu einem ähnlichen Gewaltexzess gekommen, der bundesweit Entsetzen hervorrief. Im U-Bahnhof Lichtenberg hatten vier Jugendliche einen 30-Jährigen überfallen und mit Schlägen und Tritten schwer verletzt. Der Handwerker lag wochenlang im künstlichen Koma.

Kriminalität / Berlin
28.04.2011 · 19:02 Uhr
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