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Albig SPD-Spitzenkandidat im Norden

Torsten AlbigGroßansicht

Kiel (dpa) - Paukenschlag bei der SPD in Schleswig-Holstein: Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig hat den Mitgliederentscheid über die Spitzenkandidatur zur vorgezogenen Landtagswahl gegen Fraktions- und Landesparteichef Ralf Stegner haushoch gewonnen.

Mit 57,2 Prozent der gültigen Stimmen schaffte Albig (47) die absolute Mehrheit, Stegner (51) erreichte nur 32 Prozent - dies ergab die Auszählung, deren Ergebnis die SPD am Samstagabend mitteilte. Demnach holte Albig 7394 Stimmen, Stegner nur 4154.

Offiziell gewählt wird der SPD-Spitzenkandidat voraussichtlich im Spätsommer. Dann treten die im Mitgliederentscheid Unterlegenen nicht mehr an. Für die CDU steht der Landes- und Fraktionsvorsitzende Christian von Boetticher (40) bereit. Er soll am 6. Mai zum Spitzenkandidaten gekürt werden, nachdem Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (63) seinen Verzicht auf eine weitere Amtsperiode verkündet hatte.

An dem SPD-Mitgliederentscheid beteiligten sich den Parteiangaben zufolge mehr als 13 000 der 19 200 Sozialdemokraten im Norden beteiligt - fast 70 Prozent und damit noch mehr als erwartet. Als klare Außenseiter waren Bürgermeisterin Brigitte Fronzek (58) aus Elmshorn und der Kieler Gewerkschafter Mathias Stein (41) ins Rennen gegangen. Fronzek holte 1174 Stimmen (gut 9 Prozent), Stein 165 (gut 1 Prozent).

Der Landtag wird wahrscheinlich im nächsten Jahr neu gewählt. Das Landesverfassungsgericht hatte einen vorgezogenen Urnengang bis Herbst 2012 verlangt, nachdem es das geltende Wahlgesetz als nicht verfassungsgemäß eingestuft hatte.

Der SPD-Landesvorstand beschloss noch am Samstagabend, dass Albig auf Platz 1 der Landesliste gesetzt werden soll. «Der Wettbewerb innerhalb der Partei ist von heute an beendet», sagte Stegner. Albig sagte im Hinblick auf die hohe Wahlbeteiligung: «Das ist heute ein großartiger Tag für die Sozialdemokratie.» Er fügte hinzu: «Wir werden diese Wahl gewinnen. Wir haben die besseren Ideen, und wir haben die besseren Leute.»

Stegner räumte angesichts der deutlichen Niederlage ein: «Das Ergebnis ist für mich selbst überraschend und enttäuschend.» Über seine eigene politische Zukunft werde er mit den Führungsgremien der Partei, der Landtagsfraktion und auch mit Albig sprechen. Ministerpräsident Carstensen gratulierte Albig. Die SPD habe einen Weg der Kandidatenaufstellung gefunden, der neidlos anerkannt werden müsse.

Albig, einstiger Sprecher des damaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück und früherer Kieler Kämmerer, war erst 2009 an die Förde zurückgekehrt: Damals verdrängte er bei der Oberbürgermeister-Wahl Angelika Volquartz (CDU) aus dem Amt. Stegner, unter Rot-Grün bis 2005 Finanzminister und danach bis 2008 Innenminister in der großen Koalition, musste mit dem Makel leben, dass die SPD mit ihm als Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl 2009 mit 25,4 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1953 einfuhr. Wegen seines Führungsstils hat er auch parteiintern viele Kritiker.

Während SPD-Präsidiumsmitglied Stegner dem linken Parteiflügel zugerechnet wird, gilt Albig als Pragmatiker, der auch Wähler in der Mitte gewinnen kann und offen für eine große Koalition wäre. 2009 hatte die CDU ein solches Bündnis im Dauerstreit mit Stegner aufgekündigt.

Nun wird mit Spannung erwartet, wie es an der Spitze der Landespartei weitergeht. Der Vorstand wird im April neu gewählt. Möglicherweise wird Stegner den Vorsitz verlieren, den er seit 2007 innehat. Als möglicher Nachfolger gilt Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner (44).

Parteien / SPD / Schleswig-Holstein
26.02.2011 · 21:02 Uhr
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