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ai wirft Israel und Hamas Kriegsverbrechen vor

Palästinensische Kinder im Februar vor einer zerstörten Hausfassade im Norden des Gazastreifens.Großansicht
Jerusalem (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israel und der radikal-islamischen Hamas Kriegsverbrechen während der Offensive im Gazastreifen vor einem halben Jahr vorgeworfen.

In einem aktuellen Bericht der Organisation hieß es, israelische Streitkräfte hätten während des dreiwöchigen Einsatzes hunderte unbewaffneter Zivilisten getötet und Tausende von Häusern zerstört. Hamas und andere militante Gruppen feuerten Hunderte von Raketen auf Zivilisten im israelischen Grenzgebiet.

Amnesty forderte als Schlussfolgerung des 117 Seiten umfassenden Berichts ein internationales Waffenembargo gegen Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas. Die Verantwortlichen müssten vor Gericht gebracht werden. Bei der Offensive, die am 18. Januar endete, waren mehr als 1400 Palästinenser getötet und etwa 5000 weitere verletzt worden.

Sowohl Israel als auch die Hamas kritisierten den Bericht als unausgewogen. Die israelische Armee erklärte, Amnesty habe die Tatsache ignoriert, dass die Offensive auf neun Jahre ständiger Raketenangriffe auf das israelische Grenzgebiet folgte. Auch israelische Bemühungen, zivile Opfer durch Vorwarnungen zu verringern, seien nicht erwähnt worden. Die Menschenrechtsorganisation sei auch nicht darauf eingegangen, dass Hamas Zivilisten als «menschliche Schutzschilde» missbraucht und die Armee aus dicht bevölkerten Gebieten angegriffen habe.

Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri sagte, Amnesty habe nicht mit Hamas- Führern gesprochen, daher sei der Bericht «automatisch unausgewogen». «Was nach all diesen Bilder der Zerstörung notwendig ist, ist nicht, Hamas die Schuld zu geben, sondern diese Mörder (Israel) vor Gericht zu bringen, anstatt solche Berichte zu veröffentlichen», sagte Suhri. «Der Aufruf von Amnesty an andere Länder, den Waffenschmuggel (an Hamas) zu beenden, zielt darauf ab, die Weltöffentlichkeit zu täuschen und die Vorwürfe gegen Hamas zu verstärken.»

Donatella Rovera von Amnesty, die ein Untersuchungsteam in Gaza und im südlichen Teil Israels leitete, kritisierte Israel für mangelnde Zusammenarbeit. Sie forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, Israel zur Kooperation mit einem UN- Expertenteam unter Leitung des südafrikanischen Richters Richard Goldstone zu drängen. Die Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel verurteilte sie als «inakzeptable Kriegsverbrechen». «Obwohl sie weniger tödlich sind, (...) können diese Angriffe mit Raketen, die nicht auf bestimmte Ziele gelenkt werden können, unter keinen Umständen gerechtfertigt werden.»

Die Offensive «Gegossenes Blei» wird von Amnesty in ihrem Umfang und ihrer Intensität als bisher einmalig eingestuft. Etwa 300 Kinder und hunderte weitere unbewaffnete Zivilisten, die nicht an den Kämpfen teilnahmen, seien getötet worden. In den meisten Fällen habe Israel hochpräzise Waffen eingesetzt, häufig mit Hilfe unbemannter Flugzeuge (Drohnen). In anderen Fällen seien Zivilisten von Panzergranaten getötet worden. Erstmals habe Israel in dicht bewohnten Gebieten in Gaza auch Phosphorbomben eingesetzt.

Viele Zivilisten seien getötet worden, während sie sich in ihren Häusern aufhielten. «Der Tod so vieler Kinder und anderer Zivilisten kann von Israel nicht einfach als "Kollateralschaden" abgetan werden», sagte Rovera. «Viele Fragen über diese Angriffe müssen noch beantwortet werden.»

Konflikte / Nahost
02.07.2009 · 12:23 Uhr
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