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Ahmed Schafik: Militär mit menschlichem Antlitz

Kairo (dpa) - Wer dem ägyptischen Präsidentschaftskandidaten Ahmed Schafik (70) im Wahlkampf zuhört, fühlt sich in die Ära von Präsident Husni Mubarak zurückversetzt. Schafik führt die gleichen Phrasen im Mund.

Er sagt: «Lasst uns unser großartiges Ägypten aufbauen, damit wir stolz sein können vor der ganzen Welt» und «Was wir wollen, sind Sicherheit und Stabilität». Ein Politstar, der die Herzen der Massen berührt, ist er sicher nicht, eher eine Art «Mubarak light». Das macht ihn für viele Wähler attraktiv, die sich an dem ägyptischen Sprichwort orientieren:«Was du kennst, ist besser als das, was du nicht kennst.»

Schafik entstammt dem bürgerlichen Milieu. Sein Vater war Staatssekretär im Wasserministerium. Seine inzwischen verstorbene Frau war Tochter eines Ministers.

Schafik machte wie Mubarak Karriere in der Luftwaffe. Er nahm 1973 am Krieg gegen Israel teil. 2002 ernannte ihn Mubarak zum Minister für Zivilluftfahrt. Da sein Ruf weniger schlecht war als der anderer korrupter Elemente des alten Regimes, galt Schafik als relativ unverbraucht. Deshalb machte ihn Mubarak am 29. Januar 2011 - vier Tage nach Beginn der Massenproteste - zum neuen Regierungschef. Doch die Rechnung ging nicht auf. Mubarak trat schließlich zurück und der Oberste Militärrat, der im Februar die Macht übernahm, setzte Schafik am 3. März wieder ab.

Aus Sicht der sogenannten Revolutionsjugend ist Schafik ein «Überbleibsel des alten Regimes». Er gilt als Kandidat des Militärs, das ihn angeblich benutzen will, um seine Pfründe zu sichern.

Im Wahlkampf bemühte sich Schafik, diese Vorwürfe zu entkräften. Seinen Gegenspieler Mursi versuchte er zu diskreditieren, indem er ihn und seine Organisation als «Lügner» schmähte. Um die islamischen Frömmler unter der Wählerschaft nicht zu vergrätzen, zitiert auch er gelegentlich in seinen Reden aus dem Koran.

Er präsentiert sich als Politiker, der mit harter Hand Recht und Ordnung durchsetzen und die Anarchie auf den Straßen beenden will. Im Gegensatz zu Mubarak tritt Schafik relativ bescheidenen auf. Der grauhaarige Generalleutnant a.D. versucht, die Bedenken derjenigen zu zerstreuen, die in ihm den Diktator von morgen sehen.

Wahlen / Ägypten
16.06.2012 · 20:51 Uhr
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