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Agententausch hing am seidenen Faden

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Washington/Moskau (dpa) - Der spektakuläre Austausch von 14 Agenten zwischen Russland und den USA stand nach Angaben aus Moskau zwischenzeitlich auf Messers Schneide.

Nachdem die Namen der vier von Washington gewünschten Westspione in der russischen Presse aufgetaucht seien, wollte die US-Seite den Deal fast platzen lassen, sagte ein Moskauer Geheimdienstler der Zeitung «Moskowski Komsomolez» (Samstag). Am Wochenende fand das von der Weltöffentlichkeit verfolgte Geheimdienst-Schauspiel seinen Abschluss.

Ein von der Washingtoner Regierung gechartertes Flugzeug mit vermutlich zwei von Moskau freigelassenen Spionen traf am Freitagabend (Ortszeit)in den USA ein. Weitere zwei Agenten sollen in England geblieben sein, wo die Boeing 776 einen Zwischenstopp einlegte. Zuvor hatte eine russische Regierungsmaschine zehn in den USA enttarnte Geheimdienstler nach Moskau gebracht. Der größte Austausch von Agenten der beiden Großmächte seit dem Kalten Krieg fand auf dem Wiener Flughafen Schwechat statt.

Auf dem Rollfeld in Dulles stand eine Autokolonne bereit, um die Passagiere rasch wegzubringen. Ihre Ankunft wurde zunächst nicht offiziell bestätigt, und die wartenden Journalisten gingen leer aus. In die USA kamen nach Angaben der Zeitung «Washington Post» der hochdekorierte Ex-KGB-Offizier Alexander Saporoschski sowie Gennadi Wassilenko an, der 2005 in Russland festgenommen worden war.

Der ebenfalls von Moskau ausgetauschte angebliche CIA-Agent und Nuklear-Experte Igor Sutjagin meldete sich am Samstag telefonisch bei seiner Familie in Russland. Der 45-Jährige befinde sich abgeschirmt in einer Kleinstadt bei London, sagte sein Bruder Dmitri der Agentur Interfax. Sutjagin saß knapp elf Jahre in einem nordrussischen Straflager und soll eine britische Firma mit geheimen U-Boot- Unterlagen versorgt haben. Auch der ehemalige KGB-Oberst Sergej Skripalj, der in Russland wegen Spionage für den britischen Geheimdienst verurteilt worden war, soll beim Zwischenstopp auf einer Militärbasis im englischen Oxfordshire ausgestiegen sein.

Nach Berichten in US-Medien hatte die Regierung schon gut zwei Wochen vor der Festnahme der zehn Spione die Idee, die für Russland arbeitenden Agenten auszutauschen. Gleich nach der Inhaftierung Ende Juni erhielt Moskau eine Liste von Personen, die Washington freihaben wollte, hieß es am Samstag. Zu der Einigung hätten Versprechen gehört, auf Vergeltungsaktionen wie etwa Ausweisungen zu verzichten. Wie in Großbritannien und den USA, wurden auch in Russland die ausgetauschten Männer und Frauen nach ihrer Einreise abgeschirmt.

Die vier in Russland einsitzenden Männer hatten sich zuvor in Briefen offiziell schuldig bekannt und waren dann begnadigt worden. Auch die zehn in den USA aufgeflogenen Agenten legten in einem Gerichtsverfahren in New York Schuldbekenntnisse ab, bevor sie nach Wien gebracht wurden. Ein Beamter im Weißen Haus sagte, alle Kinder der Spione hätten schon die USA verlassen oder stünden kurz davor.

Spionage / Justiz / Russland / Großbritannien / USA
10.07.2010 · 17:07 Uhr
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