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Afghanistan: Stimmung besser, Deutschlandbild schlechter

Eine afghanische Frau verkauft Brot auf einem Markt in Kabul. Trotz Armut blickt ein Großteil der Bevölkerung optimistisch in die Zukunft.Großansicht
Kabul (dpa) - Nach dem umstrittenen Luftangriff von Kundus hat die bislang große Popularität Deutschlands unter Afghanen deutlich abgenommen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage von WDR/ARD, des US-Senders ABC und der britischen BBC hervor.

Verglichen mit dem Vorjahr ist die Zahl der Afghanen mit einem positiven Deutschlandbild im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden und Nordosten um elf Punkte auf 63 Prozent gesunken. Die Zahl der Menschen mit einem negativen Bild hat sich dort um 17 Punkte auf 31 Prozent mehr als verdoppelt. Allerdings blickt trotz anhaltender Gewalt, Armut und anderer drängender Probleme erstmals seit Jahren wieder eine große Mehrheit der Afghanen optimistisch in die Zukunft.

Zweieinhalb Wochen vor der internationalen Afghanistan-Konferenz in London sagte der stellvertretende WDR-Auslandschef Arnd Henze, der die Umfrage betreute, zum Popularitätsverlust der Deutschen: «Hier zeigt ganz offensichtlich die innerafghanische Debatte um die vielen zivilen Opfer bei dem Luftangriff auf die beiden Tanklastzüge in Kundus Wirkung. Deutschland wird zunehmend als ganz normaler Teil der Kriegsrealität wahrgenommen.» 40 Prozent der Befragten im Verantwortungsbereich der Bundeswehr gaben an, das Bemühen der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe ISAF, zivile Opfer zu vermeiden, habe abgenommen.

Unterdessen steht eine Einigung über Entschädigungen für die Hinterbliebenen des Luftangriffs nach Angaben ihres Anwalts kurz bevor. «Wir sind uns im Grundsatz einig», sagte der Bremer Rechtsanwalt Karim Popal. Bei dem von einem Bundeswehr-Oberst angeforderten Luftschlag am 4. September wurden bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt, darunter viele Zivilisten.

Auch die immer angespanntere Sicherheitslage im deutschen Verantwortungsbereich - und dort vor allem in der Provinz Kundus - spiegelt sich in der Umfrage. Beschrieben vor einem Jahr noch 72 Prozent in den nordöstlichen Provinzen ihre Sicherheitslage als positiv, so sank der Wert inzwischen auf 43 Prozent (minus 29 Punkte). Er liegt damit erstmals unter dem Landesdurchschnitt.

Entgegen der Stimmung im Westen sehen landesweit 70 Prozent der Afghanen ihr Land auf dem richtigen Weg. Das ist ein Anstieg um 30 Punkte gegenüber der Untersuchung vor einem Jahr. Ebenso viele Afghanen sind überzeugt, dass es ihnen im nächsten Jahr besser gehen wird. Mit Blick auf die langfristige Zukunft glauben 61 Prozent der Befragten (plus 14 Punkte), dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Befragt wurden mehr 1500 Afghanen in allen 34 Provinzen.

Trotz der Fälschungen bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen August sind drei von vier Afghanen mit dem Wahlausgang zufrieden. Präsident Hamid Karsai geht ungeachtet der vor allem seinem Lager angelasteten Betrugsvorwürfe mit breitem Vertrauensvorschuss in seine zweite Amtszeit. Drei von vier Afghanen sagen, Karsai leiste gute Arbeit, und trauen ihm zu, Sicherheit und Stabilität im Lande zu verbessern. Der Druck der Staatengemeinschaft auf die Regierung, die Korruption zu bekämpfen, spiegelt die Stimmung im Volk wieder. 95 Prozent der Afghanen halten Korruption für ein drängendes Problem.

«Vorsichtigen Optimismus» macht die ARD nach der Umfrage beim militärischen Konflikt mit den Taliban und anderen Aufständischen aus. Sahen vor einem Jahr noch 43 Prozent der Afghanen eine Stärkung der Taliban, so sank dieser Wert nun auf 30 Prozent. 40 Prozent der Befragten meinen, die Aufständischen seien geschwächt. Damit wächst die Hoffnung, die Taliban könnten besiegt (plus neun Punkte auf 41 Prozent) oder in eine Verhandlungslösung eingebunden (unverändert 33 Prozent) werden. Gefechte und Anschläge kosteten nach ISAF-Angaben alleine am Montag sechs Soldaten der Schutztruppe das Leben. Das afghanische Verteidigungsministerium teilte am Montag mit, am Vortag hätten afghanische und NATO-Soldaten in der südafghanischen Provinz Helmand elf Taliban-Kämpfer getötet und neun weitere verwundet.

Henze sagte zu den in der Umfrage festgestellten positiven Trends: «Auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse zu schön, um wahr zu sein, und widersprechen komplett der politischen Debatte in Deutschland. Der Blick auf die Umfrage mit ihren mehr als hundert Einzelfragen zeigt aber, dass die Afghanen ganz anderen Entwicklungen Beachtung schenken als wir in Europa und den USA.» Mit Blick auf die Afghanistan-Konferenz in London am 28. Januar sagte WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn: «Die Konferenz sollte nicht unter der falschen Annahme stattfinden, dass sich in Afghanistan eh nichts zum Besseren wenden kann und es nur noch darum geht, schnell herauszukommen.»

Konflikte / Afghanistan
11.01.2010 · 17:10 Uhr
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