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Afghanistan: Sprengfallen und Heckenschützen

Britische Soldaten während der Offensive in der Provinz Helmand. (Foto: SSGT Mark Jones)Großansicht
Kabul (dpa) - Die Großoffensive in Südafghanistan macht Fortschritte. Aus den Regionen um Mardscha und Ali Nad wurden die Aufständischen vertrieben, berichtete der britische Fernsehsender BBC unter Berufung auf afghanisches Militär.

Dabei werde der Vormarsch der US-Truppen in Mardscha durch Sprengfallen und Heckenschützen gebremst. Zugleich töteten Soldaten bei der Offensive erneut Unbeteiligte.

Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte mit, Soldaten hätten bei der Operation «Muschtarak» («Gemeinsam») in der Provinz Helmand versehentlich drei Zivilisten erschossen. Außerdem starben in der Provinz Kandahar nach ISAF-Angaben fünf Unbeteiligte bei einem Luftschlag, der nicht Teil der Operation in der Nachbarprovinz Helmand war.

Bei der größten Offensive gegen die radikalislamischen Taliban seit dem Sturz ihres Regimes Ende 2001 waren bereits am Sonntag in Helmand nach ISAF-Angaben zwölf Zivilisten getötet worden, als eine Rakete der Truppen ihr Ziel verfehlte.

Der CNN-Korrespondent, der mit der US-Marine-Infanterie unterwegs ist, sagte, Mardscha sei «praktisch eine Geisterstadt». Die Taliban seien schwer zu finden. Die Soldaten hofften, die Aufständischen würden aus ihren Verstecken auftauchen, damit sie bekämpft werden könnten. Oberstleutnant Mark Dietz von den Marines sagte dem Sender, die Stadt sei die «letzte Bastion» der Taliban im Tal des Helmand Flusses.

Der Korrespondent der «New York Times» berichtete unter Berufung auf Offiziere, dass etwa ein Viertel der schätzungsweise 400 Taliban, die sich zu Beginn der Offensive am Samstag in Mardscha aufgehalten haben sollen, getötet worden sei. Eine etwa gleich große Zahl sei geflüchtet, darunter die meisten Anführer. Afghanische und amerikanische Offiziere sagten, die Kampfmoral nehme rapide ab, da sich die übrig gebliebenen Taliban von ihren Anführer verlassen fühlten und die örtliche Bevölkerung ihnen keinen Unterschlupf gewähre.

Oberst Scott Hartsell sagte einer Gruppe hoher Offiziere, unter denen der NATO-Oberkommandierende General Stanley McChrystal und der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak waren, bei einer Einsatzbesprechung: «Sie rufen nach Hilfe und sie bekommen keine.» Einige amerikanische und afghanische Kommandeure hofften, dass sie die Kampfphase der Operation innerhalb von drei bis vier Tagen abschließen könnten, hieß es in dem Blatt.

Nach dem Luftschlag vom Sonntag kündigten Regierung und Militärs am Montag an, Unbeteiligte besser zu schützen. Die ISAF teilte mit, in Kandahar sei eine Patrouille mit afghanischen und ausländischen Soldaten fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Verdächtige eine Sprengfalle versteckten. Die ISAF bedauerte den «tragischen Unfall» und bekundete den Familien der Opfer ihr Mitgefühl. Der Vorfall werde untersucht. Die Familien würden entschädigt.

Der afghanische Innenminister Mohammad Hanif Atmar kündigte am Montag in Helmands Provinzhauptstadt Laschkarga an, man werde nach dem Tod der Zivilisten am Vortag auf den Einsatz schwerer Artillerie bei der Offensive verzichten und sich täglich mit Stammesältesten über die Operation «Muschtarak» beraten. Außerdem wolle die Regierung einen Radiosender im Kampfgebiet installieren, um Zivilisten besser zu informieren.

Atmar sagte, ersten Untersuchungen zufolge seien neun Zivilisten und drei Aufständische bei dem Raketenangriff getötet worden. Die ISAF sprach dagegen auch am Montag von zwölf toten Zivilisten und kündigte an, das betroffene Raketenwerfer-System bis zur Klärung des Vorfalls nicht mehr zu verwenden. McChrystal betonte in Laschkarga, man habe bei der am Samstag angelaufenen Operation den Schutz der Zivilbevölkerung im Auge. McChrystal hatte sich noch am Sonntag bei Präsident Hamid Karsai für den Tod der Zivilisten entschuldigt.

Angesichts der vorrückenden Truppen forderte die Regierung die Taliban erneut zu einem Ende der Gewalt auf. «Heute ist unsere Botschaft an sie (die Taliban) diese: Ihre beste Möglichkeit ist, das afghanische Friedens- und Versöhnungsprogramm zu nutzen», sagte Atmar. «Sie haben keine Chance, hier zu gewinnen.» Sollten die Taliban sich zu einer Teilnahme an dem Versöhnungsprogramm entschließen, «werden wir definitiv positiv reagieren».

Wardak sagte: «Ich will den Feinden diese Botschaft übermitteln: Diesmal werden wir die Gegend nicht verlassen, wir werden unter allen Umständen bleiben und wir werden definitiv Sicherheit in der Region herstellen.»

Mit der Offensive wollen die ausländischen und afghanischen Streitkräfte in Afghanistan eine Wende erzwingen. Die größten Kontingente der ausländischen Truppen bei der Operation stellen Amerikaner und Briten. Außerdem nehmen Soldaten aus Kanada, Dänemark, Estland und Frankreich teil. Offiziell führen die Afghanen das Kommando. Anders als bei früheren Offensiven, als die Truppen nach dem Ende der Kämpfe wieder abzogen, soll die Bevölkerung diesmal nach der Operation nicht wieder alleingelassen werden.

Konflikte / Afghanistan
16.02.2010 · 12:38 Uhr
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