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Afghanistan kündigt neuen Kurs im Umgang mit den Taliban an

Kundus (dts) - Die afghanische Regierung will ihre Strategie im Umgang mit den Taliban "radikal ändern". Es werde nicht gelingen, den Terrorismus zu besiegen, wenn die "Verstecke, Rekrutierungsmöglichkeiten und Trainingslager der Terroristen in Pakistan nicht eliminiert" würden, sagte der Nationale Sicherheitsberater Afghanistans, Rangin Dadfar Spanta, der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochsausgabe). Nach "so vielen Misserfolgen und Rückschlägen" bei dem Versuch, Verhandlungen mit den Taliban auf den Weg zu bringen, müssten nun direkte Gespräche mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI angestrebt werden, forderte er.

Aufständische hatten jüngst in Afghanistan 20 Stunden lang das Botschaftsviertel belagert und ein angeblicher Vertreter der Taliban hatte den Chef des "Hohen Friedensrates", Burhanuddin Rabbani, in seiner Wohnung in Kabul ermordet. Beides wurde als schwerer Rückschlag für die Bemühungen der afghanischen Regierung und des Westens gewertet, einen Frieden mit den Taliban auf dem Verhandlungsweg zu erreichen. "Es gibt kein Vertrauen mehr. Alle Grundlagen wurden von den Terroristen zerstört", sagte Spanta. Den Geheimdienst ISI bezichtigte Spanta, das Haqqani-Terrornetzwerk zu unterstützen: "Wir haben immer gesagt, dass das Haqqani-Netzwerk ein integraler Bestandteil des ISI ist - es ist keine separate Organisation, das ist Teil des ISI", sagte Spanta. Dem Haqqani-Netzwerk wird vorgeworfen, in Afghanistan zahlreiche Anschläge durchgeführt zu haben. Auch der nach der pakistanischen Stadt Quetta benannte Führungsrat der afghanischen Taliban, die Quetta-Shura, "wäre ohne operative Unterstützung, ohne Know-How, ohne Finanzierung und Ausbildung von Seiten des ISI nichts Wert", griff Spanta Pakistan an. Kürzlich hatte bereits der inzwischen abgetretene US-Generalstabschef, Mike Mullen, dem ISI vorgeworfen, das Haqqani-Netzwerk als seinen "Arm" zu nutzen. Die Regierung in Islamabad hatte sich massiv gegen die Vorwürfe gewehrt und der amerikanischen Regierung angedroht, die Beziehungen aufzukündigen, falls weitere Anschuldigungen folgen sollten. Spanta zeigte sich in dem Interview zuversichtlich, dass trotz der angespannten Sicherheitslage in seinem Land die afghanische Armee und Polizei von 2014 an die Lage wie geplant allein kontrollieren könnten. Bis dahin will der Westen seine Kampftruppen aus Afghanistan komplett abziehen. Bei der für Dezember geplanten internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn werden Spantas Meinung nach allerdings keine Vertreter der Taliban teilnehmen. "Wir sind bedauerlicherweise weit davon entfernt, dass sich bei einer Konferenz die afghanische Regierung und die Taliban zusammensetzen", sagte er.
Afghanistan / Militär / Weltpolitik / Terrorismus
04.10.2011 · 22:22 Uhr
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