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Afghanistan-Krieg fordert immer mehr zivile Opfer

Der Afghanistan-Krieg geht mittlerweile in sein zehntes Jahr. Bei zahllosen Anschlägen werden immer wieder Zivilisten getötet. (Archivbild vom 23. November 2010)Großansicht

Kabul (dpa) - Der Krieg in Afghanistan hat im vergangenen Jahr mehr Zivilisten das Leben gekostet als je zuvor. Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) teilte in Kabul mit, 2010 sei die Zahl der getöteten Unbeteiligten verglichen mit dem Vorjahr um 15 Prozent auf 2777 gestiegen.

Drei Viertel der zivilen Opfer (2080) seien auf das Konto von Aufständischen wie den radikal-islamischen Taliban gegangen. Damit hat die Zahl der Unbeteiligten, deren Tod den Aufständischen angelastet wird, verglichen mit 2009 um 28 Prozent zugenommen. Afghanische und ausländische Truppen waren nach UNAMA-Angaben für 16 Prozent der zivilen Opfer (440) verantwortlich - ein Minus von 26 Prozent. Neun Prozent der getöteten Unbeteiligten konnten keiner der Konfliktparteien zugeordnet werden.

In den vergangenen vier Jahren zählte die UN-Mission insgesamt 8832 zivile Opfer in Afghanistan. Dabei nahm die Zahl jedes Jahr weiter zu. UNAMA forderte am Mittwoch erneut von allen Kriegsparteien einen besseren Schutz von Unbeteiligten.

Die UN-Mission teilte mit, Selbstmordattentate und Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen hätten 2010 die meisten zivilen Opfer gefordert, 1141 Unbeteiligte starben. Als «Besorgnis erregendsten Trend» bezeichnete UNAMA die wachsende Zahl von gezielten Ermordungen durch die Aufständischen. 462 Zivilisten seien so ums Leben gekommen, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. In der besonders schwer umkämpften südlichen Provinz Helmand sei bei gezielten Tötungen sogar eine Steigerung von 588 Prozent verzeichnet worden.

Bei den Sicherheitskräften verursachten nach UNAMA-Angaben auch 2010 Luftangriffe die meisten zivilen Opfer, 171 Menschen starben. Allerdings habe diese Zahl trotz einer Zunahme von Luftangriffen um 52 Prozent abgenommen.

In den vergangenen Tagen hatten der Tod von neun Kindern für massive Verstimmungen zwischen Washington und Kabul gesorgt. Sie waren versehentlich von amerikanischen Kampfhubschraubern beschossen worden. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte sich bei einem Besuch zu Wochenbeginn persönlich bei Präsident Hamid Karsai für den Vorfall entschuldigt.

UNAMA forderte die Taliban dazu auf, ihre Angriffe auf Zivilisten sofort einzustellen, auch wenn diese für die Regierung oder die internationalen Truppen arbeiteten. Die Aufständischen müssten außerdem damit aufhören, Unbeteiligte als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Auch von der Regierung und den Truppen verlangte die UN-Mission Maßnahmen für einen besseren Schutz für Zivilisten.

Der Kommandeur der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General David Petraeus, sieht klare Fortschritte im Afghanistan-Krieg. US- und Nato-Streitkräfte hätten nicht nur im Süden des Landes Erfolge gegen die radikalislamischen Taliban erzielt, sondern auch rund um die Hauptstadt Kabul, sagte er der «New York Times» vom Mittwoch. «Der Vorwärtsdrang der Taliban ist in vielen Teilen des Landes zum Stillstand gekommen.» In einigen wichtigen Gegenden seien sie zurückgedrängt worden.

Seit Petraeus vor acht Monaten das Kommando über die alliierten Truppen in Afghanistan übernahm, hat sich dem Bericht zufolge das Tempo der Operationen enorm erhöht. In den drei Monaten vor dem 4. März habe es mehr als 1600 Einsätze gegeben, also im Schnitt 18 pro Nacht. Den Worten des Generals zufolge wurden dabei fast 3000 militante Kämpfer getötet oder gefangen genommen.

«Die Taliban standen noch nie unter dem Druck, den sie während der vergangenen acht oder zehn Monate erlebt haben», sagte Petraeus, der in der kommenden Woche zum ersten Mal, seit er das Kommando übernahm, vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen soll.

Der General zeigte sich jedoch mit dem Tempo der Fortschritte nicht zufrieden, Erfolge gebe es nicht auf breiter Front. Schwierig bleibe, Taliban-Kämpfer zur Teilnahme an einem Programm zur Wiedereingliederung in das Zivilleben zu bewegen. Nur schwer voran komme zudem der Plan, auf dem Land tausende lokale Polizeikräfte zu stationieren, um den Widerstand gegen die Taliban zu mobilisieren.

Petraeus kündigte an, die Fortschritte der vergangenen Monate während einer geplanten Frühjahrsoffensive sichern und ausbauen zu wollen. Die Taliban würden hingegen versuchen, verlorenes Terrain zurückzuerobern, sagte der General. Allerdings sei es den alliierten Streitkräften oft gelungen, militärische Infrastruktur der radikalen Islamisten, die über Jahre aufgebaut worden sei, zu zerstören.

Konflikte / Afghanistan
09.03.2011 · 15:37 Uhr
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