News
 

Afghanischer Ex-Präsident bei Anschlag getötet

Er galt als Hoffnung für einen Frieden in Afghanistan: Der ehemalige Präsident Burhanuddin Rabbani ist bei einem Anschlag getötet worden.Großansicht

Kabul (dpa) - Schwerer Rückschlag für eine Aussöhnung der Afghanen: Bei einem Bombenanschlag in Kabul ist der frühere Präsident Burhanuddin Rabbani getötet worden. Dies bestätigte die afghanische Polizei der Nachrichtenagentur dpa.

Rabbani sollte als Chef des Hohen Friedensrates eine Verständigung mit den Taliban erreichen. Präsident Hamid Karsai brach als Reaktion auf den Anschlag am Dienstag seinen Besuch bei der UN-Generalversammlung in New York ab. Der Anschlag wurde international verurteilt. Außenminister Guido Westerwelle rief am Rande der UN-Generalversammlung die Menschen in Afghanistan dazu auf, sich vom Prozess der Aussöhnung nicht abbringen zu lassen.

Der 1940 geborene Rabbani habe sich zur Zeit des Anschlags in seiner Wohnung mit zwei Vertretern der Taliban getroffen, hieß es aus Kreisen des Friedensrates.

Rabbani sei einen «Märtyrertod» gestorben, sagte Mohammad Zahir, der Chef der Kriminalabteilung der Polizei in Kabul. «Ein als Besucher getarnter Selbstmordattentäter hat sich in die Luft gesprengt und ihn getötet». Der Attentäter hatte die Bombe in seinem Turban versteckt, hieß es aus Sicherheitskreisen. Von anderer Stelle hieß es, der Sprengsatz sei unter der Kleidung versteckt gewesen. Vier weitere Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden, sagte Zahir.

Der frühere Präsident habe vor seinem Tod mit Taliban-Vertretern gesprochen, bestätigte Arsala Rahmani, ein Mitglied des Friedensrats von Afghanistan. «Sie könnten ihn getötet haben.» Die internationale Afghanistan-Schutztruppe Isaf sprach von zwei Selbstmordattentätern, die vorgaben, Friedensverhandlungen zu führen. Isaf-Kommandeur John Allen erklärte: «Das ist ein weiterer abscheulicher Indikator dafür, dass unabhängig von dem, was die Taliban-Führung außerhalb des Landes sagt, sie keinen Frieden wollen, sondern Krieg.»

Rabbani führte im Auftrag von Präsident Karsai mit den Taliban Verhandlungen. Der Politiker und Theologe war 1996 von den Taliban faktisch aus dem Präsidentenamt gejagt worden. Er hatte dieses Amt aber nach offizieller Lesart der Vereinten Nationen weiter inne, bis er es im Jahr 2001 an Karsai übergab.

In Deutschland warnten die Grünen vor einer verschärften Sicherheitslage vor allem im Norden des Landes infolge des Anschlags. «Das ist ein verheerender Rückschlag für den Friedens- und Annäherungsprozess», sagte der Sicherheitspolitik-Experte der Grünen-Fraktion, Omid Nouripour, der dpa in Berlin.

Dies gelte gerade für den Norden, wo die Bundeswehr für die Sicherheit zuständig ist. Denn dort seien die Anhänger Rabbanis vorwiegend ansässig, die nun möglicherweise auf Vergeltung sinnen. «Der Gesprächsfaden mit ihnen muss verstärkt werden, so dass der Friedensprozess nicht zum Erliegen kommt», forderte Nouripour.

Der Anschlag auf Rabbani sei eine «sehr große Tragödie», sagte der afghanische Oppositionsführer Abdullah Abdullah in einer ersten Reaktion. Die US-Botschaft in Kabul verurteilte das «feige» Attentat. Die Verantwortlichen zeigten damit ihre «Geringschätzung» für Rabbanis Arbeit für den Frieden in Afghanistan, hieß es.

Rabbani hatte sich am «Heiligen Krieg» gegen die sowjetischen Besatzer von 1979 bis 1989 beteiligt. Nach dem Sturz des letzten Moskau treuen Regimes in Kabul 1992 wurde er Präsident. In der Folge war er in den Bürgerkrieg um die Macht verstrickt, in dem die Hauptstadt zerstört wurde und mehr als 20 000 Menschen ums Leben kamen.

Der frühere Mudschaaheddin-Kämpfer Rabbani war während des Taliban-Regimes einer der führenden Figuren der so genannten Nordallianz, die sich im Norden Afghanistans gegen die Taliban auflehnten. Während seiner Präsidentschaft galt er in Glaubensfragen als vergleichsweise liberal, erlaubte Frauen zu arbeiten und ermöglichte Mädchen den Zugang zu Bildung.

Konflikte / Afghanistan
20.09.2011 · 19:56 Uhr
[1 Kommentar]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
27.07.2017(Heute)
26.07.2017(Gestern)
25.07.2017(Di)
24.07.2017(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen

 
 
Günstig auf klamm.de werben!