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Ärzte sollen eine Milliarde Euro mehr bekommen

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Berlin (dpa) - Nach ihrem jüngsten deutlichen Milliardenplus sollen die Ärzte in Deutschland im kommenden Jahr erneut insgesamt 1,2 Milliarden Euro mehr erhalten.

Das Gesamthonorar für die rund 140 000 niedergelassenen Ärzte werde auf etwa 32 Milliarden Euro steigen. Diese Ergebnisse teilten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung am Mittwoch nach mehr als sechsstündigen Verhandlungen in Berlin mit. In diesem Jahr war das Honorar von rund 29 Milliarden Euro 2008 auf mehr als 31 Milliarden gestiegen.

Insgesamt betrage das Plus 3,7 Prozent, berichtete KBV-Sprecher Roland Stahl. Der Kassenverband zeigte sich zufrieden, dass die Bezahlung der einzelnen Diagnosen und Behandlungen nicht steige. Allerdings müssten mehr Menschen behandelt werden, weil in der alternden Gesellschaft die Menschen häufiger krank würden, so Sprecher Florian Lanz. Die KBV hatte dem Vernehmen nach auch eine höhere Bezahlung der Behandlungen und Diagnosen gefordert, sich den Darstellungen zufolge damit aber im Wesentlichen nicht durchsetzen können.

Die Erhöhung wurde im entscheidenden Gremium, dem Erweiterten Bewertungsausschuss, beschlossen. Der Zuwachs um eine Milliarde Euro auf Kosten der Kassen bedeutet, dass die Beitragszahler rechnerisch mit rund 0,1 Prozentpunkten mehr belastet werden. Dies dürfte in die offizielle Schätzung für die Krankenversicherung im kommenden Jahr einfließen, die Anfang Oktober ansteht.

Kassen und Ärzte werteten das Resultat unterschiedlich. Lanz sagte: «Das Ergebnis ist ein angemessener Kompromiss, der den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ebenso gerecht wird wie dem medizinischen Bedarf der Patientinnen und Patienten.» Stahl hingegen zeigte sich skeptisch: «Ob der Bedarf gedeckt wird, muss sich noch erweisen.» KBV-Chef Andreas Köhler hatte vor den Schlussverhandlungen gesagt: «Wir wollen nicht immer nur mehr Geld, aber wir wollen ein gutes Geld für eine gute Leistung.»

In diesem Jahr hat die umstrittene Honorarreform zwei von drei Praxisärzten in Deutschland teils deutlich höhere Einkommen gebracht. Im Schnitt verdienten die Ärzte im ersten Quartal 7,8 Prozent mehr. Das Gesamteinkommen je Arzt beträgt derzeit rund 162 000 Euro, hieß es in Kassenkreisen. Gewinne und einzelne Verluste sind aber nach Arztgruppen und Regionen unterschiedlich verteilt. Unterm Strich verloren haben die Mediziner Baden-Württembergs. Trotz des erklärten Ziels der KBV, hier Stützungsregeln einzuführen, sei darüber kein Beschluss gefasst worden, sagte Stahl.

Vor einem Jahr hatten die Verhandlungen um das Geld für die Ärzte immer wieder Schlagzeilen hervorgebracht. Am Ende freuten sich die Ärzte über ein Plus für 2009. Im Frühjahr sah es für tausende Ärzte aber nach Einbußen aus, weil die exakten Abrechnungen lange ausstanden. Als Reaktion darauf hatten Ärzte in der ersten Jahreshälfte reihenweise ihre Praxen geschlossen und Patienten abgewiesen.

Die KBV fordert nun weitere umfassende Reformen der Ärztevergütung. Die Bezahlregeln sollen so verändert werden, dass Ärzte mit einer höheren Qualität mehr verdienen. Die Kassen hatten sich skeptisch gezeigt und gewarnt, noch mehr Geld für die immer zahlreicheren Mediziner solle es auf Kosten der Beitragszahler nicht geben.

Gesundheit / Ärzte / Krankenkassen
02.09.2009 · 17:43 Uhr
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