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Ärzte loben Röslers Plan zur Kostenerstattung

Deutschlands Kassenärzte begrüßen den Plan, das Prinzip der Vorkasse verstärkt auch für gesetzlich Versicherte durchzusetzen.Großansicht

Berlin (dpa) - Trotz vieler Kritiker macht Gesundheitsminister Rösler Dampf bei seinem Plan zur Kostenerstattung. Die Ärzte sind dafür - die Krankenkassen rüsten sich zur Gegenwehr.

Deutschlands Kassenärzte stellten sich hinter Röslers umstrittenen Vorstoß, das Prinzip der Kostenerstattung verstärkt auch für gesetzlich Versicherte durchzusetzen. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, nannte dies am Freitag in Berlin einen tiefgreifenden, aber unerlässlichen Schritt zur besseren Kontrolle der Ausgaben.

Rösler kündigte an, er wolle im kommenden Jahr zunächst eine Großreform der Ärztehonorare in Angriff nehmen. Erst dann könne seriös ein Rechnungssystem zur Abrechnung mit den Patienten eingeführt werden, sagte er in Hamburg. Mit Gesetzesänderungen will der Minister gesetzlich Versicherte motivieren, ihren Arzt öfter gegen Rechnung zu bezahlen und sich das Geld von ihrer Krankenkasse erstatten zu lassen. «Es ist und bleibt freiwillig, es wird niemand dazu gezwungen», betonte Rösler-Sprecher Christian Lipicki.

Ärztefunktionär Köhler sprach sich für mehr Selbstverantwortung der Versicherten aus. Durch Kostenerstattung oder eine prozentuale Eigenbeteiligung der Patienten könne das Problem der unbegrenzten Nachfrage nach ambulanten Leistungen angegangen werden. «Nur dann wird es gelingen, von der hohen Zahl an Arztbesuchen im Jahr herunterzukommen», betonte Köhler. Kostenerstattung müsse aber sozial abgefedert werden.

Die Kassen reagierten alarmiert. «Wenn man jetzt hört, wie laut jetzt die Ärztevertreter nach der Kostenerstattung rufen, dann müssen alle Alarmglocken läuten», sagte Verbandssprecher Florian Lanz. «Wir lehnen Vorkasse und Kostenerstattung ab.» Der Vizechef des AOK-Verbands, Jürgen Graalmann, sagte der «Bild»-Zeitung, Vorkasse beim Arzt löse keine Probleme. «Sie verunsichert die Patienten und bringt mehr Verwaltungsaufwand bei allen.»

Der Deutsche Städtetag forderte die Regierung auf, das Sparpaket für die Kliniken auf den Prüfstand zu stellen. Die Finanzlage der Kassen sei weit besser als von Rösler berechnet, kritisierte Präsidentin Petra Roth (CDU) in Frankfurt. Das Sparpaket dürfe deshalb nicht bis 2012 verlängert werden. Die Gesundheitsreform sieht 2011 Einsparungen von etwa 500 Millionen Euro in dem Bereich vor. Lanz entgegnete: «Frau Roth irrt in einem ganz wichtigen Punkt.» Weil zusätzliche Einnahmen an den Gesundheitsfonds gingen und dort zunächst für den geplanten Sozialausgleich verblieben, könnten die Kassen nicht mehr zahlen.

Die Chefin des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagte im rbb-Inforadio, man gehe zwar insgesamt für 2011 von einer ausgeglichenen Finanzlage aus. Doch könne es bei Kassen mit vielen Versicherten in überwiegend teuren städtischen Regionen Finanzlücken und Zusatzbeiträge geben. Strukturreformen seien nötig. Der Verband der Ersatzkrankenkassen monierte, allein in Nordrhein-Westfalen könnten 8000 bis 10 000 Klinikbetten abgebaut werden. «Die Schließung ganzer Abteilungen ist notwendig», sagte NRW-Chef Andreas Hustadt dem «Westfalen-Blatt».

Röslers Position

Kostenerstattungsprinzip

Gesundheit / Reformen
01.10.2010 · 16:42 Uhr
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