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Ärger und Pech zum Abschluss von Wulffs Brasilien-Reise

Bundespräsident Wulff gibt während eines Empfangs in Sao Paulo seine vorgezogene Rückreise nach Deutschland bekannt.Großansicht

São Paulo (dpa) - Affront für ThyssenKrupp: Nach der Ankündigung des Konzerns, sich im Zuge eines Umbaus von jedem fünften Mitarbeiter zu trennen, hat Bundespräsident Christian Wulff den für Samstag geplanten Besuch im neuen ThyssenKrupp-Stahlwerk in Rio de Janeiro abgesagt.

Wulff wurde am Freitag in Brasilien von der Nachricht aus Essen überrascht und war sichtlich irritiert. Es blieb nicht die einzige Überraschung: Auch der vorgezogene Abflug aus São Paulo kam nicht zustande, weil an der betagten Präsidenten-Maschine ein Kühlaggregat streikte. Wulff buchte für den Abend einen Linienflug zurück nach Berlin.

Der Bundespräsident strich den Besichtigungstermin in dem Stahlwerk wegen der «kurzfristig angekündigten umfangreichen Umstrukturierungen im ThyssenKrupp-Konzern mit noch nicht absehbaren Auswirkungen». Wulff war dem Vernehmen nach verärgert, weil er von ThyssenKrupp nicht vorab über die einschneidenden Maßnahmen informiert worden war. Das Werk an der Sepetiba-Atlantikbucht ist mit deutlich über fünf Milliarden Euro die teuerste Investition in der Geschichte des Konzerns.

Ein Konzernsprecher in Essen kommentierte die Absage Wulffs mit den Worten: «Wir bedauern das.» Der für Samstag geplante Besuch des neuen Konzernchefs Heinrich Hiesinger in dem Stahlwerk in Rio sollte trotzdem wie geplant stattfinden. Weiter wollte sich der Sprecher nicht äußern. Konzernbetriebsratsvorsitzender Thomas Schlenz sagte der Nachrichtenagentur dpa am Samstag, zwar sei er von dem Schritt Wulffs «etwas überrascht» gewesen, «weil es sich ja nicht um Personalabbau handelt, sondern um Verkäufe und Umstrukturierung». Doch finde er es «gut, dass Politik sich Sorgen macht um unsere Arbeitsplätze».

Deutschlands größter Stahlkonzern will sich durch den Umbau von fast einem Viertel seines Umsatzes und rund 35 000 seiner weltweit 177 000 Mitarbeiter trennen. Dies wäre auch unweigerlich zum Thema geworden bei Wulffs Besuch in dem Stahlwerk. Das Werk geriet seit der Eröffnung im Sommer 2010 wegen zweier Umweltverstöße in die Schlagzeilen und wurde mit Millionen-Strafen belegt. Zudem waren die Investitionskosten während des Baus völlig aus dem Ruder gelaufen. Der Besuch Wulffs sollte helfen, die Mega-Investition zum Erfolg zu führen.

Durch die Absage sollte der Abflug des Bundespräsidenten und der mitreisenden Delegation eigentlich einige Stunden früher und von São Paulo aus erfolgen. Doch am Samstag kam dann die Botschaft, dass der Airbus A310 wegen einer technischen Panne nicht startklar war. Ein Kühlaggregat war ausgefallen und ein Ersatzteil musste aus Deutschland eingeflogen werden. Der Abflug für die Delegation wurde deshalb um einen Tag verschoben.

Das war zu spät für den Bundespräsidenten, der am Montag in Berlin um 10.00 Uhr Südkoreas Präsident Lee Myung Bak mit militärischen Ehren auf Schloss Bellevue empfangen muss. Deshalb buchten Wulff und seine Frau Bettina einen Linienflug am Samstag um 18.00 Uhr (Ortszeit) zurück nach Deutschland. Den Tag verbrachte das Staatsoberhaupt mit einer Stadtbesichtigung der elf Millionen Einwohner zählenden Metropole São Paulo. Auf der rund einwöchigen Lateinamerika-Reise hatte Wulff auch Station in Mexiko und Costa Rica gemacht.

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International / Bundespräsident / Lateinamerika
07.05.2011 · 16:43 Uhr
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