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Ägypten-Reisen abgesagt - Aber keine Rückholaktion

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Berlin (dpa) - Die großen deutschen Reiseveranstalter werden bis Mitte Februar keine Urlauber mehr nach Ägypten bringen. Die Reiseverträge werden von den meisten Anbietern aktiv gekündigt, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) am Dienstag mitteilte.

Das bedeutet, dass Abflüge gestrichen werden und betroffene Urlauber ihr Geld zurückbekommen. Wollen sie stattdessen andernorts Urlaub machen, müssen sie neu buchen. An eine Rückholaktion aller deutschen Touristen, die sich derzeit in Ägypten aufhalten, ist aber weiter nicht gedacht.

Mit der Entscheidung reagiert die Reisebranche auf die erneute Verschärfung der Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Das Ministerium rät wegen der anhaltenden Unruhen dringend von Reisen nach Ägypten ab. Das schließe ausdrücklich auch die Touristengebiete am Roten Meer mit ein, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP).

Noch am Montag und Dienstag waren Touristen an die Badeorte am Roten Meer geflogen - allerdings deutlich weniger als vorgesehen, wie DRV-Hauptgeschäftsführer Hans-Gustav Koch sagte. «Und heute hatten wir fast leere Maschinen.» Bei Tui hatten am Montag noch 60 Prozent der Pauschalurlauber ihre Reise zum Roten Meer angetreten.

Derweil haben die ersten deutschen Ägypten-Urlauber ihre Ferien aber schon vorzeitig abgebrochen. Wie alltours mitteilte, haben bereits 80 Reisende den Wunsch geäußert, den Urlaub früher als geplant zu beenden. «Wir fliegen mit praktisch leeren Maschinen nach Ägypten hin und einigermaßen voll zurück», sagte alltours-Sprecher Stefan Suska. Bei den anderen großen Reiseveranstalter waren es noch weniger: «Vorzeitige Rückreisewünsche der Gäste vor Ort verzeichnet die Rewe Touristik in niedriger zweistelliger Zahl», teilte das Unternehmen in Köln mit. Bei Thomas Cook wollten in den vergangenen Tagen 13 Urlauber frühzeitig heim.

Die Absage der Reisen bis Mitte Februar sei dennoch sinnvoll, weil die Ausgangssperren in Ägypten auf Dauer die Versorgung der Hotels gefährden könnten, sagte alltours-Sprecher Suska. Versorgungsengpässe könnten wegen der Unruhen nicht ausgeschlossen werden, bestätigte auch DRV-Mann Koch der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit hätten die Hotels in den Urlaubsorten am Roten Meer wie Hurghada und Scharm el Scheich allerdings genug Verpflegung. Die Gäste seien «rundum gut betreut», erklärte Koch, der die Absage der Reisen als «reine Vorsichtsmaßnahme» bezeichnete.

Wie viele deutsche Urlauber derzeit in Ägypten sind, lasse sich nicht genau beziffern. Es seien aber auf jeden Fall mehr als in Tunesien, wo die Reisebranche wegen der Unruhen eine große Rückholaktion organisiert hatte. «Wir reden hier über etwa 30 000 Gäste», sagte Koch. In Tunesien seien es 7000 bis 8000 gewesen.

Im Fall Ägypten sei eine Rückholung nicht erforderlich, sagte er weiter, «und sie würde bei vielen Urlaubsreisenden dort auch auf Unverständnis stoßen.» Die Lage in den Touristengebieten am Roten Meer sei weiterhin ruhig - was auch das Auswärtige Amt in seinem Sicherheitshinweis bestätigt. Es spreche nichts dagegen, den Aufenthalt regulär zu beenden, teilte Thomas Cook mit.

Das schrittweise Zurückholen der Urlauber sei wirtschaftlich und logistisch sinnvoll, sagte alltours-Sprecher Suska. «Eine große Rückholaktion auf einen Schlag verkraften die Flughäfen in Ägypten gar nicht.» Außerdem sei die Lage in den Touristengebieten nach wie vor ruhig. «Die Leute kriegen nichts mit.»

Wie die großen Reiseveranstalter übereinstimmend sagten, sind die Feriengäste am Roten Meer nach wie vor sicher. Lediglich die Ausflüge seien aus Sicherheitsgründen gestrichen worden, teilte Thomas Cook mit. Die Veranstalter könnten den Angaben zufolge die Urlauber bei einer Verschärfung der Lage jederzeit zurückholen. Das bestätigte Koch vom DRV auch für die Branche insgesamt: Sollte es vorzeitige Rückreisewünsche geben, bestünden freie Kapazitäten bei den Fluggesellschaften. Ein solcher Bedarf sei für die Branche «aber noch nicht erkennbar», sagte Koch.

Gekündigt werden die Reiseverträge jetzt je nach Veranstalter für Abflüge aus Deutschland bis zum 13., 14. oder 15. Februar. Außerdem bieten viele Tourismusunternehmen darüber hinaus kostenlose Umbuchungen bis Ende Februar an.

Unruhen / Tourismus / Ägypten
01.02.2011 · 23:31 Uhr
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