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Abscheu über Leichenschändungs-Video

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Kabul/Washington (dpa) - Eine mutmaßliche Schändung von Taliban-Leichen durch US-Soldaten in Afghanistan sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch-afghanischen Beziehungen.

Auf einem im Internet kursierenden Video, dessen Echtheit zunächst nicht offiziell bestätigt wurde, urinieren angeblich US-Soldaten auf getötete Aufständische. Der afghanische Präsident Hamid Karsai forderte die USA dazu auf, die Täter so schwer wie möglich zu bestrafen. «Diese Tat amerikanischer Soldaten ist zutiefst unmenschlich», hieß es in einer Mitteilung Karsais. Erst im vergangenen März hatten amerikanische Soldaten in Afghanistan mit Leichen ihrer Opfer für Fotos posiert.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilte die im Film gezeigte Leichenschändung auf das Schärfste. «Dieses Verhalten ist für Angehörige des US-Militärs absolut unangemessen und spiegelt nicht den Standard oder die Werte, für die unsere Streitkräfte eintreten», sagte Panetta nach einem Bericht der «New York Times». Die Beteiligten würden dafür «im vollen Ausmaß» zur Verantwortung gezogen. Panatta wies eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bezeichnete das Video als «abscheulich». «Es hat mir den Magen umgedreht», wurde Pentagon-Sprecher John Kirby vom Nachrichtensender CNN und anderen US-Medien zitiert. «Egal, wer das in dem Video ist oder wie die Umstände waren - dieses Verhalten ist ungeheuerlich und ekelhaft.»

Auch die Nato-geführte Isaf verurteilte die mutmaßliche Schändung getöteter Taliban-Kämpfer. «Diese respektlose Tat ist unerklärlich und nicht in Übereinstimmung mit den hohen moralischen Maßstäben, die wir von Koalitionstruppen erwarten», teilte die Internationale Schutztruppe Isaf am Donnerstag mit. Die in dem Video gezeigten Taten «scheinen von einer kleinen Gruppe amerikanischer Individuen ausgeführt worden zu sein, die anscheinend nicht mehr in Afghanistan dienen».

Das nur 39 Sekunden lange Video ist seit Mittwoch im Umlauf. Auf ihm sind vier mutmaßliche Marineinfanteristen in Kampfanzügen zu sehen, die über den Körpern von drei Männern lachend ihre Notdurft verrichten. Die geschändeten Leichen tragen für Afghanistan landestypische Kleidung. Eine Video-Unterschrift beschreibt die Urinierenden als US-Scharfschützen und die Toten als Taliban.

Die Taliban reagierten empört. «Das ist eine unmenschliche, unmoralische und brutale Tat der Invasoren», sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der Nachrichtenagentur dpa in Kabul. Der Vorfall werde dazu beitragen, «dass die Amerikaner und ihre Alliierten ein kurzes Leben in Afghanistan haben». Seit zehn Jahren würden die ausländischen Truppen solche Straftaten im Land verüben.

In einer an Medien verschickten SMS eines weiteren Taliban-Sprechers namens Kari Jussif Ahmadi war von «amerikanischer Brutalität» die Rede. Weiter hieß es, keine Religion könne ein solches Verhalten hinnehmen.

Taliban-Sprecher Mudschahid sagte, das Video werde keine Auswirkungen auf die Pläne der Taliban haben, ein Büro im Golf-Emirat Katar zu eröffnen. Er betonte aber erneut, die Eröffnung des Büros bedeute nicht, dass es Friedensverhandlungen gebe.

Die Taliban zeigten sich bereit für Gespräche mit der Internationalen Gemeinschaft über eine politische Lösung des Konflikts. Zugleich betonten sie aber, sie würden ihren «Heiligen Krieg» gegen die ausländischen Truppen fortsetzen.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung der Aufständischen hieß es, die Taliban hätten zwar ihre «politischen Bemühungen» verstärkt. Das bedeute aber weder eine Abkehr vom «Dschihad» noch eine Anerkennung der «Handlanger-Regierung» in Kabul.

Die Taliban hatten in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Aufständischen seien mit dem Golf-Emirat Katar darin übereingekommen, dort ein Büro zu eröffnen. Ziel sei ein «Dialog mit der Internationalen Gemeinschaft». Der afghanische Präsident Karsai unterstützt die Eröffnung eines solchen Taliban-Büros.

Die Nato will ihren Kampfeinsatz in Afghanistan 2014 beenden. Die afghanische Regierung und westliche Staaten bemühen sich seit einiger Zeit um Verhandlungen mit den Aufständischen. Ein Durchbruch ist bislang ausgeblieben. Selbst nach Eröffnung eines Taliban-Büros in Katar wären auf dem Weg zu möglichen Friedensgesprächen noch zahlreiche Hürden zu meistern.

Konflikte / USA / Afghanistan
12.01.2012 · 19:14 Uhr
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