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Abrechnungsbetrug in Apotheken weitet sich aus

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Hamburg (dpa) - Der Abrechnungsskandal bei Krebsmedikamenten weitet sich aus. Apotheker aus ganz Deutschland stehen inzwischen unter Verdacht, sich an der Abrechnung von Krebsmitteln illegal bereichert zu haben.

«Wir haben gegen mehr als 100 Apotheker Anzeige erstattet, die sich bis 2007 über Pharma-Großhändler im Ausland die Bestandteile für sogenannte Zytostatika beschafft haben sollen», sagte der Sprecher der Techniker Krankenkasse, Hermann Bärenfänger, am Donnerstag in Hamburg. Diese Zellwachstums-Hemmer für Krebspatienten sind dort wesentlich günstiger, aber in Deutschland nicht zugelassen.

«Wir haben keine Anhaltspunkte, dass Präparate ohne Wirksamkeit abgegeben wurden», sagte Bärenfänger. «Allerdings können wir auch nicht ausschließen, dass die Mittel qualitativ schlechter sind.» So gebe es in anderen Ländern beispielsweise niedrigere Grenzwerte.

Zweistelliger Millionenschaden

Nach einem Bericht des Rundfunksenders NDR-Info stehen unter anderem Apotheker in Augsburg, Braunschweig, Celle, Kiel, Mainz, Münster und Wuppertal im Visier der Staatsanwaltschaft.

Inzwischen wird gegen mindestens rund 70 Apotheker in ganz Deutschland ermittelt, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim am Donnerstag. «Den Ersatzkassen entstand ein Gesamtschaden im zweistelligen Millionenbereich», sagte Bärenfänger.

Von den bundesweit rund 22 000 Apothekern haben laut TK nur etwa 300 eine Zulassung für die Zytostatika-Zubereitung. Die Pharmazeuten stellen die Rezepturen individuell für Krebs-Patienten zusammen.

Dabei handelt es sich um Fertigarzneimittel, die der Körpergröße und dem Gewicht entsprechend laut Arztrezept mit Kochsalzlösung verdünnt werden. Ein Drittel von ihnen soll nach Angaben von Bärenfänger dafür ausländische Mittel genutzt, aber den in Deutschland üblichen Satz abgerechnet haben. Dadurch seien erheblich höhere Gewinne erzielt worden.

Experte: Schwierige Kontrollmöglichkeiten

Selbst regelmäßige Kontrollen durch Aufsichtsbehörden können nach Expertenansicht kriminelle Machenschaften in Apotheken nicht mit Sicherheit verhindern. «Apotheken, die Zytostatika herstellen, werden ja bereits regelmäßig von der Pharmazieaufsicht untersucht, und ihre speziellen Sterillabors müssen genehmigt werden», sagte der Apotheker Peter Eberwein, Präsident des Verbands der zytostatikaherstellenden Apotheker mit Sterillabor (VZA, Münster), am Donnerstag der dpa. Doch was dann angemischt werde, entziehe sich der Kontrolle.

Aufgeflogen war die Masche laut NDR-Info, weil einem Pharma-Großhändler ein Krebs-Mittel aus dem Ausland zu auffällig günstigen Konditionen angeboten wurde. Bei der Überprüfung der Substanzen stellte sich heraus, dass das über die Schweiz und Dubai gelieferte Präparat wirkungslos war. Der Großhändler benachrichtigte daraufhin die Krankenkassen, die Nachforschungen anstellten. Nach Angaben der TK gibt es aber keine Anhaltspunkte, dass das Mittel auf den deutschen Markt gelangte.

Kriminalität / Gesundheit
15.04.2010 · 16:30 Uhr
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