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91 Tote bei schweren Anschlägen in Bagdad

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Bagdad (dpa) - Bei der schlimmsten Serie von Terroranschlägen in diesem Jahr sind am Mittwoch in Bagdad mindestens 91 Menschen getötet worden. 552 Iraker wurden verletzt, berichtete die Nachrichtenagenur Aswat al-Irak unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Ziel der offenbar koordinierten Attacken waren Regierungsgebäude und Wohnviertel. Innerhalb einer Stunde detonierten am Vormittag in unterschiedlichen Stadtteilen Autobomben, Sprengsätze und Mörsergranaten. Mindestens zehn Explosionen wurden in der ganzen Stadt gezählt.

Ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen explodierte vor der Garage des Außenministeriums am Rand der Grünen Zone. Die Druckwelle ließ die Fenster im nahegelegenen Parlamentsgebäude und im benachbarten Hotel Rashid zerbersten. Ein weiterer Sprengstoff-Lkw entfaltete vor dem Finanzministerium seine Zerstörungskraft. Andere Sprengladungen und Mörsergeschosse explodierten bei den Ministerien für Handel, Gesundheit, Unterricht und Wohnungsbau sowie in den Stadtteilen Karrade, Salihija, Adhamija und Bajaa. In Salihija gelang es den Behörden, einen mit einer Tonne Sprengstoff beladenen Lastwagen sicherzustellen und zu entschärfen. Im Stadtteil Mansur wurden mehrere Terrorverdächtige festgenommen, die Sprengsätze transportierten.

Augenzeugen bot sich vor dem Finanzministerium ein Bild der Verwüstung. Sie sahen ausgebrannte Autos, Trümmer und Verletzte, die um Hilfe riefen. Auf einem nahe gelegenen Markt löste die Explosion Angst und Schrecken aus. In ganz Bagdad waren in diesen Vormittagsstunden große Menschenmengen auf den Beinen, um Besorgungen für den Fastenmonat Ramadan zu erledigen. Dieser beginnt - abhängig vom Stand des Mondes - voraussichtlich an diesem Samstag.

Unverständnis löste aber vor allem der Angriff auf das Außenministerium aus. Die Grüne Zone am Westufer des Tigris ist das Regierungsviertel der irakischen Hauptstadt, das außerdem die US-Botschaft beherbergt. Sie wird von irakischen Sicherheitskräften bewacht, seitdem sich das US-Militär Ende Juni aus den Städten und Wohngebieten des Landes zurückgezogen hat. Zuletzt waren Angriffe auf diesen besonders stark bewachten Stadtteil selten geworden. Kritiker vermuteten deshalb Sicherheitslücken, für die sie die Regierung verantwortlich machten.

«Dies ist eine Folge der Nachlässigkeit der Sicherheitskräfte», meinte die oppositionelle schiitische Parlamentsabgeordnete Seinab al-Kanani. «Die Ministerien für Inneres und Verteidigung sollten ihre Sicherheitspläne überarbeiten.» Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Die Behörden beschuldigten Netzwerke aus dem Umfeld der verbotenen Baath-Partei des 2006 hingerichteten Ex-Diktators Saddam Hussein.

Es war die blutigste Terrorserie in diesem Jahr und damit auch das schwerste Sicherheitsfiasko seit dem US-Rückzug. Bei ähnlich schweren Anschlägen wurden im Juni im nordirakischen Tasa 72, in der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr City 62 Menschen getötet, im April im schiitischen Bagdader Stadtteil Kadhimija 65 Menschen. Planung, Ablauf und die bewusste Auswahl von symbolischen Zielen deuteten bei den Gewaltakten vom Mittwoch auf einen weiterhin hohen Organisationsgrad des extremistischen Untergrunds im Irak hin.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die Anschläge «auf das Schärfste». «Nicht Gewalt, nur Dialog und Aussöhnung können zu einer Besserung der Situation führen und eine friedliche Zukunft für alle Menschen im Irak ermöglichen», erklärte Steinmeier in Berlin. Auch die Europäische Union (EU) verurteilte die Gewaltakte. Die EU-Kommission bedauerte den «enormen Verlust an Menschenleben» und bekundete ihre Anteilnahme.

Konflikte / Irak
19.08.2009 · 20:24 Uhr
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