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90 Prozent aller Dollarscheine mit Kokainspuren

KokainkonsumGroßansicht
Washington/New York (dpa) - Neun von zehn Geldscheinen aus US-Großstädten tragen Kokainspuren. In der Hauptstadt Washington sind chemischen Analysen zufolge sogar 95 Prozent aller Dollarnoten mit der Droge verunreinigt.

Die Zahlen lassen einen dramatischen Anstieg des Kokainkonsums in den USA erkennen, erklärte der Leiter der Untersuchung, Yuegang Zuo von der Universität von Massachusetts in Dartmouth. Er berichtete bei der Jahrestagung der Amerikanischen Chemikervereinigung in Washington über die Analyse.

Vor zwei Jahren hatte der Forscher erst auf 67 Prozent des Papiergelds in US-Städten Spuren des Pulvers gefunden. Die neuen Zahlen, die auf der Prüfung von 234 Banknoten basieren, ließen eine Zunahme des Konsums in den USA von 20 Prozent erkennen, sagte Zuo. «Ich bin nicht sicher, woher der augenscheinliche Anstieg kommt. Er könnte etwas mit dem Wirtschaftseinbruch zu tun haben, damit, dass der Stress zum Griff nach Kokain verführt.»

Auch in Kanada ist das Rauschgift weit verbreitet: Dort weisen 85 Prozent der Banknoten Spuren von Kokain auf. In Brasilien sind 80 Prozent kontaminiert und in Japan etwa 20 Prozent. Das Schlusslicht der fünf überprüften Länder bildet China mit 12 Prozent kokainverschmutzter Geldscheine. Euronoten wurden in der Studie nicht überprüft.

Nach Angaben des privaten Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP/Nürnberg) sind in den USA sogar auf 99,8 Prozent der Banknoten Spuren von Kokain zu finden. Damit nehme Amerika weltweit den Spitzenplatz ein. In Europa ist Spanien am stärksten betroffen, das Land sei das Eintrittsland für Kokain in Europa. Deutschland liege weltweit auf dem 14. Platz, auf mehr als 95 Prozent der Geldscheine habe man Kokain entdeckt, teilte das IBMP mit.

In Europa liege die Bundesrepublik auf Position acht. «Vereinfacht lässt sich sagen, dass die Kontamination von Geldscheinen mit Kokain den Drogenkonsum einer Gesellschaft widerspiegelt», sagte Institutsleiter Fritz Sörgel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Weltweit seien Banknoten in 76 Ländern untersucht worden.

Die US-Forscher bedienten sich einer modifizierten Form der Gaschromatographie, die schneller und verlässlicher ist als bisher benutzte Methoden und noch dazu das Geld unbeschadet lässt. Mit dem Verfahren wies Zuo Kokainspuren von 0,006 bis 1240 Mikrogramm auf Geldscheinen nach. Diese Menge bringe Unbeteiligte, die das Geld später in die Hände bekämen, nicht in Gefahr, beruhigte der Chemiker. Auch ein Schnüffeln an den Scheinen habe keinen Effekt.

Banknoten werden von manchen Kokainkonsumenten zu einer Röhre zusammengerollt, um das Pulver in die Nase zu ziehen. In anderen Fällen können Reste an den Händen oder auch der Kontakt mit verunreinigten Scheinen in Geldzählmaschinen oder der Brieftasche zur Kontamination führen.

Wissenschaft / Drogen / USA
17.08.2009 · 17:18 Uhr
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