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32 Jahre nach Buback-Mord: Verena Becker in Haft

Becker und BubackGroßansicht
Berlin/Karlsruhe (dpa) - Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker ist 32 Jahre nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft genommen worden. Der Haftbefehl wurde am Freitagabend in Vollzug gesetzt.

Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Becker war am Donnerstag in Berlin festgenommen und am Freitag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt worden. Ob gegen sie wegen des Anschlags im April 1977 Anklage erhoben wird, ist noch unklar.

Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft soll die heute 57-Jährige entgegen früherer Erkenntnisse «wesentliche Beiträge zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags» geleistet haben. Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, Michael Buback, hofft nun, dass der Fall in einem neuen Prozess aufgerollt wird. Der RAF-Forscher Wolfgang Kraushaar verwies darauf, dass bereits 1977 die Indizien gegen Becker erdrückend waren, es aber bisher keine Anklage gegen sie gegeben habe.

Die Bundesanwaltschaft teilte mit, es gebe nach wie vor keine Beweise, dass Becker auch die tödlichen Schüsse auf Buback, seinen Fahrer Wolfgang Göbel und Justizhauptwachtmeister Georg Wurster von einem Motorrad aus abgefeuert habe. Der seit langem bestehende Verdacht gegen die frühere Terroristin habe sich nach einer Hausdurchsuchung in Berlin vor einer Woche erhärtet. «Dabei wurden Unterlagen sichergestellt, deren Inhalt zusammen mit den bereits bisher vorhandenen Beweismitteln den dringenden Tatverdacht begründet, dass Verena Becker als Mittäterin an dem Anschlag beteiligt war», erklärte die Bundesanwaltschaft.

Zu dem Attentat hatte sich das «Kommando Ulrike Meinhof» der Roten Armee Fraktion (RAF) bekannt - wer aber auf Buback geschossen hatte, ist bis heute ungeklärt. Unter anderem hatte eine neue DNA-Analyse den Verdacht einer Beteiligung Beckers erhärtet, nachdem sie 2008 noch entlastet worden war. An Briefumschlägen, mit denen die damaligen Bekennerschreiben versandt worden waren, war Genmaterial entdeckt worden, das nach dem Gutachten eindeutig von Becker stammt. Michael Buback hatte immer wieder die These geäußert, Becker könne die Todesschützin gewesen sein.

Die 57-Jährige war im Dezember 1977 wegen einer Schießerei während ihrer Festnahme zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach nur vier Jahren im Gefängnis suchte sie den Kontakt zum Verfassungsschutz. Dabei soll sie RAF-Insiderwissen weitergegeben und erklärt haben, dass der frühere RAF-Terrorist Günter Sonnenberg das Motorrad fuhr, Christian Klar im Fluchtwagen wartete und Stefan Wisniewski vom Motorrad-Rücksitz aus auf Bubacks Wagen schoss.

Das Verfahren gegen Becker im Mordfall Buback war im März 1980 ohne eine Anklage eingestellt worden, weil die Beweise dafür nicht reichten und Becker inzwischen zu lebenslang verurteilt worden war. 1989 wurde sie begnadigt.

Michael Buback hofft nach dem Haftbefehl auf einen neuen Prozess. Es wäre zu wünschen, dass es zu einer Anklage und zu einem Prozess kommt, der dann die «vollständige Wahrheit» ans Licht bringt, sagte Buback der «Mitteldeutschen Zeitung (Samstag). «Ich hatte inzwischen die Hoffnung aufgegeben, dass diesem dringenden Tatverdacht nachgegangen wird», sagte Buback. «Es gibt vier voneinander unabhängige Zeugenaussagen, die eine zierliche Frau hinten auf dem Tat-Motorrad gesehen haben. Von dort wurde auch geschossen.»

Der Politikwissenschaftler Kraushaar sieht ebenfalls starke Anhaltspunkte für eine Beteiligung Beckers an der Ermordung von Siegfried Buback. «Schon 1977 waren die Indizien so stark, dass Günter Sonnenberg das Motorrad gefahren hat und Verena Becker geschossen hat, dass man sich wundern muss, warum nicht bereits damals gegen sie Anklage erhoben worden ist», sagte der Wissenschaftler des Hamburger Instituts für Sozialforschung der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Das ist das eigentlich Skandalöse.» Die meisten RAF-Morde sind nie vollständig geklärt worden, weil die verhafteten Terroristen Aussagen zu den Todesschützen verweigerten.

Terrorismus / RAF
28.08.2009 · 22:44 Uhr
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