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30 000 zusätzliche US-Soldaten nach Kabul

US-Präsident ObamaGroßansicht
Brüssel/Washington (dpa) - Die USA wollen rund 30 000 zusätzliche Soldaten in den Kampf gegen radikal-islamische Taliban in Afghanistan schicken.

Einem Bericht der «Washington Post» vom Mittwoch zufolge erwartet US-Präsident Barack Obama, dass die NATO-Verbündeten weitere 10 000 Soldaten an den Hindukusch entsenden. Seine neue Afghanistan-Strategie will der Präsident am kommenden Dienstag um 20.00 Uhr Ortszeit (Mittwochmorgen 2.00 Uhr MEZ) in der Elite- Militärakademie von West Point (US-Staat New York) in einer Rede an die Nation präsentieren.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bemüht sich bei den europäischen Bündnismitgliedern um eine «angemessene» Antwort auf die in Kürze erwartete Mitteilung Obamas. An diesem Donnerstag redet er in Berlin mit Bundeskanzlerin Angel Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Derzeit haben die USA rund 68 000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Alleine in der von der NATO geführten Afghanistan- Schutztruppe ISAF stellen sie die Hälfte der rund 71 000 Soldaten. Deutschland ist mit maximal 4500 Soldaten der drittgrößte Truppensteller nach den USA und Großbritannien (9000).

«Es ist für das politische Gleichgewicht des Einsatzes wichtig, dass es auch von den anderen Verbündeten einen angemessenen Beitrag zu einem verstärkten ISAF-Einsatz gibt», sagte NATO-Sprecher James Appathurai am Mittwoch in Brüssel. Rasmussen arbeite «aktiv mit den Verbündeten daran, um zu sehen, wie er weitere Beiträge zum Einsatz bewirken kann».

Für kommenden Mittwoch, den Tag nach der Obama-Rede, hat Rasmussen eine Pressekonferenz angekündigt, in der er über den NATO-Einsatz in Afghanistan reden will. Zwei Tage später werden die NATO- Außenminister in Brüssel über die Folgen der US-Entscheidung für das Bündnis beraten. Für den 7. Dezember hat die NATO zu einer Truppenstellerkonferenz ins militärische Hauptquartier nach Mons eingeladen. Appathurai sagte, es sei klar, dass Deutschland und einige andere Verbündete über zusätzliche Truppen erst nach der internationalen Afghanistan-Konferenz vom Januar entscheiden wollten.

Offiziell machte das Weiße Haus über die amerikanische Truppenaufstockung keine Angaben. Die «New York Times» sprach von 25 000 bis 30 000 weiteren Soldaten, die «Washington Post» von 30 000 bis 35 000. In jedem Fall hätte sich damit der Oberbefehlshaber der US-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, so gut wie durchgesetzt. Er hatte - zur Verärgerung Obamas - bereits vor Monaten öffentlich 40 000 Soldaten verlangt. Sonst seien die radikal- islamischen Taliban nicht zu besiegen.

«Niemand sollte erwarten, dass die anderen Verbündeten am Tag nach der Ankündigung Obamas eine Gesamtzahl ihrer Truppenverstärkungen auf den Tisch legen. So funktioniert das nicht», sagte Appathurai. In den vergangenen 20 Monaten hätten die US-Partner in der ISAF die Zahl ihrer Soldaten bereits von 18 000 auf 36 000 erhöht. Zudem gebe es eine Reihe von Ankündigungen weiterer Verstärkungen. «Niemand sollte erwarten, dass die anderen Verbündeten mit den USA gleichziehen könnten», sagte der NATO-Sprecher. «Die USA haben Militärkapazitäten, die alles übertreffen, was die Verbündeten aufbringen können. Das ist einfach eine Tatsache.»

Rasmussen werde bei seiner Berlin-Visite am Donnerstag Verständnis für die deutsche Position zeigen, eine Entscheidung über mehr Soldaten erst nach der Afghanistan-Konferenz zu treffen. «Deutschlands Engagement steht außer Frage und ist höchst willkommen. Deutschland leistet einen sehr wichtigen Beitrag», sagte Appathurai. Rasmussen verstehe den «politischen Kalender in Deutschland». «Sie (die Deutschen) sehen weitere Truppenverstärkungen im größeren Zusammenhang der politischen Umgebung, in der ihre Soldaten eingesetzt werden», sagte der NATO-Sprecher. «Und das ist zutiefst verständlich. Es gibt in unserer Öffentlichkeit wirklich viele Fragen über das weitere Vorgehen.»

Nach der neuen Strategie Obamas haben die US-Truppen dreierlei Aufgaben: El-Kaida-Terroristen ausschalten, die Taliban bekämpfen sowie die afghanische Armee ausbilden, damit sie später den Kampf übernehmen kann. Zugleich will Obama auch den Druck auf Präsident Hamid Karsai erhöhen, damit dieser entschlossen Korruption und Opiumhandel bekämpft und das Land stabilisiert. Obama hat sich mit seiner Entscheidung ungewöhnlich lange Zeit gelassen. Seit Monaten ist Afghanistan das beherrschende außenpolitische Thema in Washington. Bereits im Frühjahr hatte er 20 000 zusätzliche Soldaten nach Kabul geschickt.

Konflikte / USA / Afghanistan
25.11.2009 · 20:28 Uhr
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