News
 

2000 Tote bei Unruhen in Kirgistan

Kirgisische Soldaten: Die Lage im Land hat sich etwas beruhigt.Großansicht
Bischkek/Moskau (dpa) - Bei den blutigen Unruhen in Kirgistan sind nach Schätzungen der Übergangsregierung bis zu 2000 Menschen getötet worden. Die Zahl der derzeit rund 200 gemeldeten Toten liege vermutlich um das Zehnfache höher.

Das sagte die amtierende Präsidentin Rosa Otunbajewa der russischen Zeitung «Kommersant» (Freitag). Kremlchef Dmitri Medwedew warnte unterdessen vor einem «afghanischen Szenario aus der Zeit der Taliban», sollte sich die Lage nicht bald stabilisieren. Der für Zentralasien zuständige US-Diplomat Robert Blake zeigte sich bei einem Besuch in der Region besorgt über die Situation der schätzungsweise 400 000 Flüchtlinge und Vertriebenen.

«In den Dörfern gab es sehr viele Tote, und nach unserer Tradition werden sie sofort - spätestens bis Sonnenuntergang - unter die Erde gebracht», sagte Otunbajewa. Die Leichen seien nicht gezählt worden. Andere offizielle Stellen hatten zuletzt geschätzt, 2500 Menschen könnten bei den Kämpfen zwischen Kirgisen und Usbeken in den Regionen um Osch und Dschalal-Abad getötet worden sein. Otunbajewa sprach am Freitag bei einem Besuch in Osch rund 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Bischkek von einer nationalen Tragödie. Die nach Bischkek zweitgrößte Stadt des Landes, die bis zu 70 Prozent zerstört ist, soll nach den ethnischen Zusammenstößen wieder aufgebaut werden.

Die Organisation Human Rights Watch (HRW) bezeichnete die Lage im Süden als weiter instabil. Bewohner der Konfliktregion würden von Überfällen und Vergewaltigungen berichten, teilte HRW in Osch mit. Otunbajewa appellierte erneut an Russland, Soldaten zum Schutz strategischer Objekte wie Kraftwerke nach Kirgistan zu entsenden. Dem erteilte Medwedew aber eine Absage. In einem Interview des «Wall Street Journal» sprach sich der Kremlchef für einen Abzug der seit 2002 in Kirgistan stationierten US-Soldaten aus. Der seinerzeit von Washington zum Anti-Terrorkampf in Afghanistan bezogene Stützpunkt Manas sollte «nicht ewig bestehenbleiben», sagte Medwedew.

Während sich die Kämpfe eine Woche nach Beginn weitgehend gelegt haben, ist bei der Flüchtlingskatastrophe kein Ende abzusehen. Zehntausende Angehörige der usbekischen Minderheit versuchen weiter, in ihr benachbartes Mutterland zu fliehen. Usbekistan hatte jedoch nach der Aufnahme zehntausender Flüchtlinge seine Grenzen geschlossen. Es gebe keine Kapazitäten mehr, heißt es zur Begründung. Der US-Diplomat Blake sprach sich beim Besuch eines Flüchtlingslagers in Usbekistan für eine unabhängige Untersuchung der Gewalt aus.

Mehr als zwei Monate nach dem Sturz des autoritären kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew gilt die Lage in dem Hochgebirgsland an der Grenze zu China weiter als extrem gespannt. Die Übergangsregierung von Otunbajewa hält Unruhen auch im Norden des Landes für möglich. Unklar war, ob die für den 27. Juni geplante Volksabstimmung über eine demokratische Verfassung wie geplant organisiert werden kann. Die Menschen im Süden des Landes baten Otunbajewa, den Termin um 40 Tage zu verschieben. Die internationale Gemeinschaft hält das Referendum für dringend nötig, damit sich die politische Lage in der Ex-Sowjetrepublik stabilisiert.

Kirgistan / Konflikte
18.06.2010 · 16:47 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
27.07.2017(Heute)
26.07.2017(Gestern)
25.07.2017(Di)
24.07.2017(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen